Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1857)
- Date
- 1857-08-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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481 zeugurig, oder indem man willkürliche Ausdeutung sich Vorbehalt gegen das klare Wort der Kirche, gegen den Unterricht des Confirmators und gegen das Verständniß aller Anwohnenden!! Würde ein solcher Täufling zu dem Confirmator sagen: „Ich beschwöre feierlich die Glaubenssätze Deiner Kirche, aber ich glaube sie nicht im Entferntesten;" oder: „ich deute sie mir ganz anders wie Du, etwa so wie Fräulein Fanny Lewald oben" — welcher Confirmator, und wenn er vor Begier zu taufen brennte, würde nicht mit Abscheu ihn von sich weisen? Somit charakterifirt die Auslassung eines glaubenslosen Mannes gerade die Handlung der Uebertretenden mehr, als das Verdammungsurtheil eines gläubigen Gemüthes. Dies im Allgemeinen; nun noch einige nothwendige Bemerkungen. Wie oberflächlich bezeichnet Herr v. Sternberg das, was „dem wahren Juden seinen Glauben auszutauschen verbietet", er nennt es Stolz, da es bei dem wahren Juden doch nur die Ueberzeugung sein kann und ist. Aber diesen Herren, die selbst keine Ueberzeugung haben, wird es allzuschwer, gerade dem Juden eine Ueberzeugung zuzusprechen! — Schön sagt er: „Der ächte Jude, in dem das Glaubensfeuer mit jener Kraft brennt, die Nahrung zieht aus dem Bewußtsein der hohen Berufung, so wie der jahrtausendlangen Verfolgung und der Leiden ihres Stammes, ist unbeugsam und sieht auf jene Uebertretenden mit Verachtung herab." Aber auch diesem Schriftsteller ergeht es wie den meisten christlichen. Sie kennen nur jene frivole Sorte der reicheren Juden in den Hauptstädten, denen die Religion ganz fremd worden, und das Häuflein der alten Juden, die „die Gebete ihrer Väter im kleinen dunklen Winkel in der Synagoge murmeln." Sie wissen nichts von dem Aufschwünge des Geistes, der seit Jahrzehenden im Judenthum vor sich gegangen, und mit Energie die Bildung der Zeit und die Ueberzeugungstreue des Judenthums zu vereinen und zu verschmelzen strebt, der in zahllosen jüdischen Herzen, auch ohne daß „sie in dunklen Winkeln murmeln", die Flamme der Begeisterung für den väterlichen Glauben, für dessen Klärung und Erhebung entzündet, der endlich eine große Masse gebildet hat, welche zwar der alten Erscheinung des Judenthums im Ghetto nicht mehr angehört, aber dennoch Glaubensfeuer und Glaubensehre genug besitzt, um „auf jene Uebertretenden mit Verachtung herabzusehen".— Hingegen billigen und räumen wir ein, Alles, was Herr v. Sternberg über die jüdischen Literaten und Künstler sagt und können es aus eigener Erfahrung bestätigen; das Gespräch mit der Fanny Lewalv ist freilich ein Beleg der barrockesten, aber auch so alberner Art, wie sie nur einem solchen oberflächlichen Blaustrumpf entspringen kann. Jndeß kommen wir bei allem Dem auf eine Warnung zurück, die wir schon oft genug ausgesprochen haben, nämlich daß, sollte jemals ein zahlreicher Uebertritt von Juden zur christlichen Kirche stattfinden, dies für die letztere eine viel größere Gefahr sein würde, als für das Judenthum, das sie verlassen. Sie würden ein Element ihrer neuen Kirche zuführen, was an derselben sich als ein fressender Aussatz erweisen würde. Das Judenthum war niemals auf die Zahl, sondern auf den Eifer und die Treue seiner Bekenner gebaut. Aber unter der Zahl der Uebertretenden würden sich viele Heinrich Heines und Fanny Lewalds finden. Man wird uns fragen, was es uns angeht, daß wir immer wieder diese Warnung aussprechen? Es geschieht dies nicht allein, um den Triumph der Missionsfreunde etwas abzukühlen, sondern um die rechten und rechtlichen christlichen Seelsorger auf die Gefahr aufmerksam zu machen, der so viele Seelen durch die Verlockung zum Uebertritt ausgesetzt werden. Zeitmrgslrachrrchten. Deutschland. Aus Bayern, im Juli. (Privatmitth.) Wir lesen im „Corr. v. u. f. D." zweier nach einander folgender Tage Artikel über Israeliten, und zwar früher» Datums, daß die bayerisch unterfränkische Regierung ihren Districtsbehörden das Verbot des Lumpenhandcls durch Juden eingeschärft hat, und spätem Datums: die neapolitanische Regierung sei im Aergerniß über die türkische, weil letztere einen Israeliten (l)r. Epiker) zum Geschäftsträger nach der Lazaronistadt sandte. Man vergleiche! So das fromme Neapel, so daS civilisirte Germanien, und so die barbarische Türkei! Nun danken wir vor Allem Gott, daß weder der deutsche Bund, noch die geweihte Krone Neapels bei den orientalischen Angelegenheiten mitgerathen hat. Wir wünschen auch weiter, um auf das näherliegende Regierungsverbot zurückzukommen, daß es keine Lumpenjuden mehr gebe, und überlassen herzlich gern diese Lumperei Andern. Aber, was will die Regierung mit solchen Erwerbsbeschränkungen? Haben sich Nichtlicenzirte des Geschäftes bemächtigt, so mag die Polizei von ihrer Gewalt Gebrauch machen. Warum denn gerade Lumpenlicenz und Taufschein zur ge-