Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 31 (27.7.1857)
- Date
- 1857-07-27
- Page
- Seite 420 (sequence 6)
- Language
- German
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4SV der, dafür ein schönes Pult und Subsellien; dann Verrichtung der Sefer-Functionen durch die Synagogenbeamten. Endlich noch das Wichtigste: es ist eine israelitische Kleinkinderschule errichtet, und die armen Kinder erhalten regelmäßigen Religionsunterricht auf Gemeindekosten. Waag-Neustadt!, im Juni. (Berichtigung.) Eine der jüngsten Correspondenzen aus Preßburg in der Allg. Zeit. d. Jud. hat des Guten zu viel gethan, wenn sie den Lesern miltheilt, daß die israelitische Hauptschule zu Waag-Neustadtl zwei Mal eingegangen, und durch mich ins Leben gerufen worden ist. Diese Anstalt hat von jeher so viel Lebensfähigkeit gezeigt, daß selbst der schreckliche Crawall vom Jahr 1848 und das furchtbare Feuer im vorigen Jahr ihr wohlthätiges Wirken nicht unterbrechen konnten, und dies um so weniger, als deren Interessen stets durch ein einsichtiges und thätiges Schulcomite, und an dessen Spitze durch eine energische und sachkundige Direktion nach Innen und Außen vertreten wurden. Diese wackere Commission ist eS auch zumeist, der ich meine Berufung an den dortigen Rabbinatsposten zu danken habe, die mir die Leitung deS schönen Institutes vertrauensvoll in die Hände gelegt, und seitdem mir und der Schule den kräftigsten Beistand geleistet hat. 8uum euigue. Josef Weiße, Rabb. Wien, 3. Juli. (Privatmitth.) Um die Leser dieser Blätter au eoursnt zu halten, erlaube ich mir, einzelne Dinge, die in letzter Zeit vorfielen, anzuführen. Herr Vertreter Moriz Goldschmidt, k. preuß. Konsul re. feierte jüngst das Fest der silbernen Hochzeit. Es ist dieses eine wahre Musterfamilie, wenn ich mich so ausdrücken darf. Die Kinder des Herrn Goldschmidt gehören zu den besterzogensten unter den hiesigen Kreisen. Ich lege darauf um so mehr Nachdruck, da man öfters „Erziehungsresultate" findet, die wahrhaft abschreckend sind, und leider trifft man manchmal Männer, die sogar gelehrt sind und denen nichts desto weniger eben die Erziehung fehlt. — Aus Nahe und Ferne kamen die Gäste zusammen, um das Fest zu feiern. Herr Goldschmidt spendete dem Tempel ein Sefer Thora mit prachtvollen Kle Kodesch; ferner machte derselbe eine Stiftung von 5000 Fl. C.-M., deren Zweck bisher noch nicht bestimmt ist. — Streng im Familienkreise feierte Herr M. L. Kanitz die g o lden e Hochzeit. Nachdem, wie Herr Mannheimer im Toaste bemerkt, selbst die Tauben und die Stummen von Herrn Kanitz erzählen, so darf Ihr Correspondent um so weniger über den Jubilar schweigen. Herr Kanitz hat sehr segenreich als Mitglied der Pesther Gemeinde gewirkt und in Wien hat er sich für alle Zeit ein freundliches Angedenken durch seine Wirksamkeit gestiftet. Derselbe ist eines der eifrigsten Mitglieder deS Vorstandes deS Taubstummeninstitutes; ja er widmet seine ganze Zeit, da derselbe sich von Geschäften zurückgezogen hat, diesem Institute. Er befindet sich nicht nur mehrere Male in der Woche stundenlang im Institute und inspicirt; er ist auch jeden Tag beim Baue des Hauses und überwacht Alles genau. Möge Gott ihm sein thatenreiches Alter verschönen und verklären. Gelegenheitlich sei bemerkt, daß Herr Deutsch, Director des Taubstummeninstitutes, neuerdings eine Belobung von Seite des Unterrichtsministeriums erhalten hat. Es führt mich das unwillkürlich auf das Thema, Ihnen von den in den hiesigen Mädcheninstituten abgehaltenen Prüfungen zu berichten. Wie seit Jahren bereits hat die Prüfung im Szanto'schen Mädcheninstitute sehr befriedigt. Das Institut ist mit vorzüglichen Lehrkräften versehen und da können wohl die Erfolge nicht ausbleiben. Frau Szanto war es auch, die den Mädcheninstituten Bahn gebrochen hat; und eigenthümlich genug sind die jüdischen Mädcheninstitute besser besucht, als die jüdischen Knabeninstitute. Ich habe auch in diesem Jahre den Prüfungen in den Mädcheninstituten der Frau Sattler und Fräulein Pießling beigewohnt, und es freuet mich berichten zu können, daß überall ein eifriges, rüstiges Streben ist. Von den Lebenden gehe ich zu den Verstorbenen. In letzter Woche starb hier Herr Fischhof, Professor am Conservatorium der Musik. Derselbe hat nach vollendetem Studium der Medicin sich der Kunst zugewendet, und hat dieselbe mit der ihr gebührenden Weihe und Würde gepflegt. Sein Name ist in weiten Kreisen ein sehr geachteter. Zum Schluffe noch etwas über Literatur. Das Wertheimer' sche Jahrbuch erscheint in den nächsten Tagen. Es enthält sehr interessante Beiträge von den geachtetsten Namen. Als Beilage wird ein Kupferstich gegeben nach dem Gemälde des Professor Oppenheim in Frankfurt am Main: „Dkr Sederabend."