Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 31 (27.7.1857)
- Date
- 1857-07-27
- Page
- Seite 418 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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418 «PIS veö und die Nemesis forderte Rache. Cohn heirathete zum dritten Male, und zwar dieses Mal eine katholische Frau, — er war zur Zeit noch im Besitz des Taufscheines — nachdem er zuvor dem die Ehe einscgnenden katholischen Geistlichen eidlich betheuert hatte, daß er noch unverheirathet sei. Bigamie und Meineid bildeten nun die csusos crimillis — „und das Zuchthaus, weit und groß, that ihm auf den Mutterschoß." Wie nun aber die unglückliche jüdische Frau von ihren Fesseln befreien? daS war die sehr schwer zu lösende Frage. Schon hatte sich der wackere Rabbiner H. Lesser in Pr. Stargard, in welchem Orte Cohn sich in Untersuchungshaft befand, mehrfach, aber vergeblich bemüht, diesen zur Ertheilung des us zu veranlassen; schon hatte die unglückliche Frau auf ihre Erlösung restgnirt, alS ich durch ein Refcript des Herrn Ministers des Innern vom 6. December v. I. zum Seelsorger der in den hiesigen Zwangsanstalten detinirten Israeliten ernannt wurde, und somit auch die Befugniß erlangte, in Fällen, wo die segensreichen Spenden und warnenden Mahnungen der Religion sich erfolglos erweisen würden, die Strenge der Disciplin anrufrn zu dürfen. Zwar fand ich den Cohn nicht unter den jüdischen Sträflingen im Zuchthause, er lebte hier vielmehr alö Katholik unter dem Namen Dobri WolSki; indessen vereinigten der humane Director und der biedere katholische Pfarrer der Strafanstalt ihre Anstrengungen mit den meinigen, bis eS unS endlich gelang, seinen hartnäckigen Sinn zu beugen. Nun erhob sich aber eine neue Schwierigkeit. Nach dem Satze: “noba »i:«b w ob«» as vno Nb« vipaa asn durfte mit dem -ino im hiesigen Orte, in welchem sonst noch nie ein aa ertheilt worden, nicht ohne die Genehmigung anerkannter Rabbinate vorgegangen werden. Zu dem Ende setzte ich mich mit dem Herrn Rabbiner H. Lesser, der gleichsam schon ein iiisraa b^nria war, in Verbindung, und diesem gelang es auch bald, die Genehmigung der Rabbinate zu Posen und Schrimm, die sich eines guten Klanges in der rabbinischen Welt erfreuen, zur Ertheilung des as in der Stadt Graudenz: baDa^n '-ipnai «bd^i -,iis bs> »arm «na und zwar üiaaa vi« Kba zu erlangen. Hierauf berief ich auch noch den ehrwürdigen, durch große talmudifche Gelehrsamkeit und seltene Toleranz sich rühmlichst auözeichnenden Rabbiner Simon Nathan aus Lautenburg, unter dessen Vorsitz, indem Herr Rabbiner Lesser und ich alö tw'H fungirten, der aa am 30. Juni ertheilt wurde. Cohn war an diesem Tage sentimentaler, als ich ihn jemals gesehen, ja er richtete an uns die bemerkenswerthe Frage: ob fein ihm von seiner jüdischen Frau geborenes Söhnchen ein bleiben könne? und als wir ihm diese Frage bejahrten, erheiterten sich seine Züge dergestalt, daß wir unwillkürlich der schönen Worte unserer Weisen gedachten: bNW «an« ■'!&« «in (*i"a Indem ich im Aufträge der nun erlösten Frau den oben erwähnten Männern für ihre menschenfreundlichen Bemühungen, so wie den Vorstehern der hiesigen Synagogengemeinde und des erst kürzlich gegründeten und doch scholl in erfreulichster Weise emporblühenden WohlthätigkeitSvercins für ihren bei dieser Gelegenheit an den Tag gelegten milden Sinn den wärmsten Dank auSspreche, schließe ich diesen Bericht mit der Mahnung: “131 mmb ns yifp «bi iN't’i laaiw btn«'' bsi ^ban ■’m *U3 — Dr. Bendir. Bad Reinerz, 7. Juli. (Privatmitth.) Im Vertrauen auf die Erfahrung, daß Sie, geehrter Herr Redacteur, jedem Berichte, auch auS dem kleinsten Orte, wenn er nur eine Kunde von jüdischem Leben und Wirken bringt, in Ihrem Blatte bereitwillig Aufnahme gewähren, sende ich Ihnen diese Zeilen zur Veröffentlichung. — Die Zahl der jüdischen Kurgäste ist, mit der Gesammtheit verglichen, eine unverhältnißmaßig große. Doch halte ich darum den Schluß nicht für gerechtfertigt, daß unsere Glaubensgenossen vorzugsweise von den Uebeln, für die hier Heilung gesucht wird, betroffen werden, möchte vielmehr auch hierbei den verständigen Sinn unseres Volkes bewährt finden, der gegen körperliche Leiden zur rechten Zeit die überhaupt vorhandene Hülfe in Anspruch nimmt. Es herrschte in Beziehung auf unser Bad bisher der Wahn, daß der Besuch desselben nur solchen Personen angerathen würde, die eine völlige Genesung nicht mehr zu erwarten hätten. In den letzten Jahren nun haben sich richtigere Ansichten verbreitet, und man darf behaupten, daß dies nicht zum geringsten Theile den Juden zuzuschreiben ist. — In der gegenwärtigen Saison hat der Kreis der jüdischen Kurgäste durch die Anwesenheit deS Herrn OberrabbinerS Salomon L. Rapoport aus Prag einen glänzenden Mittelpunkt erhalten. Herr Buchhändler PascheleS hatte auf seine Ankunft vorbereitet, und Herr Predigt-