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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-07-20 · Heft 30 (20.7.1857) · p. Seite 409

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 30 (20.7.1857)
Date
1857-07-20
Page
Seite 409 (sequence 9)
Language
German
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40» zu halten. So hängt Alles in der Welt von der Situation ab! Berlin, im Juni. „Die Mittheilungen des statistischen Bureaus in Berlin" zählen die Krankenanstalten in Preußen auf. In den 10 größten Städten des Reiches sind 95 Anstalten und kommen durchschnittlich auf jede. 903 Kranke im Jahre. Jüdische Krankenhäuser sind in Berlin mit jährlich 363 Kranken, in Breslau mit jährlich 206 Kranken und in Posen mit jährlich 38 Kranken. Man sieht hieraus, daß die jüdischen Krankenhäuser eine verhältnißmäßig geringe Anzahl Kranke verpflegen, also um so mehr Annehmlichkeiten bieten müßten. —.Im Vorübergehen sei hier aus den Zeitungen bemerkt, daß vor Kurzem der Herr Israel Pick, der sich vor einiger Zeit nach seinem Uebertritt als Missionär so vielfach spreizte, und sein Gift insonderS auf Sie, Herr Redacteur, spritzte, in Böhmen gefänglich eingezogen worden. Königsberg, 22. Juni. (Privatmitth.) Gelegentlich thcile ich hier noch mit, daß gegen das Erkenntniß in Sachen des Attentats in Gutstadt von der Staatsanwaltschaft die Appellation hier eingelegt ist. Aus der Lausitz, im Juni. (Privatmitth.) Sie haben jüngst einen Leitartikel über die Seelsorge in den größeren Gemeinden gegeben, den ich nicht bestreiten will, zu dem ich aber doch Folgendes bemerken möchte. Wenn das Personal des geistlichen Amtes in diesen Gemeinden vermehrt werden müßte, so kommt doch noch mehr darauf an, daß das vorhandene — eifriger und thäti ger sein müßte. Eine lange Erfahrung hat mich gelehrt, daß die jüdischen Cultusbeamten im Allgemeinen — sehr nachlässig sind, ihr Thun überschätzen und — stets klagen und unzufrieden sind. Fragen Sie die Herren Rabbinen, Cantoren re., wie Viele von ihnen mit ihren Stellen zufrieden sind, während ihre Leistungen doch oft — sehr gering sind. — Sie sprechen, Herr Redacteur, vom Segen der Cvnfirmation. Gut, aber Alles kommt darauf an, wie diese vollzogen wird. Wenn sie in Berlin z. B. eine „Entlassung aus der Religionsschule" ist, und am — Montag „geschieht" — dann will sie wahrlich! nichts sagen. Neulich wohnte ich einer Confirmation Seitens eines Rabbiners bei, der als Gelehrter einen bedeutenden und wohlverdienteir Namen hat; aber die voraufgehende Predigt bezeugte, daß sie ertemporirt sei, und sprach keinen einzigen bedeutenden Gedanken in schöner Form aus; bei der Prüfung saßen die Confirmande», und — horribile diclu — wurden nach Nummern aufgerufen; eine Confirmandin sprach im Namen der Anderen einige Worte — das Ganze der Handlung war ohne Begeisterung und nicht begeisternd. Darum sage ich: nicht bloS extensives, sondern auch intensives Wachsthum des geistlichen Amtes bei uns! Oesterreichischer Kaiferstaat. Aus Oesterreich, im Juni. (Privatmitth.) Es liegen uns heute die Rechenschaftsberichte mehrerer wohlthätiger Vereine vor, welche von deren blühendem Bestände und segensreichem Wirken Zeugniß geben, und aus denen wir Einiges mittheilen wollen. Zuerst der „Ausweis des Vereines zur Beförderung der Handwerke und deS Ackerbaues unter den Israeliten in Ungarn." Jahr 1856. Die Einnahmen beliefen sich, außer 1120 Fl., die zu den Fonds legirt wurden, auf 3816 Fl., unter welchen man gern 240 Fl. Rückzahlungen von Darlehen an Handwerker bemerkt. Die Ausgaben beliefen sich auf 3000 Fl., worunter auch Ausstattung zum Antritt der Wanderjahre, Vorschüsse für arme Handwerker. Im Jahre 1856 wurden 106 Lehrlinge vom Vereine erhalten, unter denen 20 Tischler, 14 Spängler, 13 Schlosser und 10 Bäcker die Hauptzahl machen. Da gerade die leichteren Handwerke nur wenige Zöglinge zählen, so können wir diesen lobenöwerthen Umstand hervorheben. Die Darlehnskasse für die Handwerksmeister hat bereits 2150 Fl. erhalten, wovon 1550 Fl. an 5 Meister verliehen sind, so daß selbst ein Darlehen von 600 Fl. darunter. Die Darlehen werden auf zwei Jahre ohne Zinsen und bei Rückzahlung in kleinen Raten gemacht. — Hieran schließt sich „der 14. Jahresbericht des Wiener Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten." Wir heben auS der Einleitung des Berichtes folgende Stellen hervor: „Die Lust zum Handwerksbetriebe ist in der Jugend unter unseren Glaubensgenossen nicht erkaltet, und aus allen Kronländern unseres großen Vaterlandes kommen Knaben und Jünglinge, meist ganz verwaist, oder auch an der Hand ihrer Eltern, um 30

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