Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 30 (20.7.1857)
- Date
- 1857-07-20
- Page
- Seite 408 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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408 oft der traurigen Stellung des jüdischen Lehrers ihre Spalten geöffnet, wird dieses um so lieber thun, wenn sich Gelegenheit bietet, etwas Erfreuliches darüber zu berichten. Dinkelspiel, ein sehr verdienter Schulmann in Westphalen, wurde von seiner Gemeinde (Menden) mit seinem vollständigen Gehalte pensionirt. Ist daS nicht ein schönes Beispiel liebender Anerkennung für das hehre segensreiche Wirken? Welche größere, viel größere Gemeinden können sich deß rühmen? Das nenne ich Dankbarkeit bethätigen, wo die Liebe einer kleinen Gemeinde solche Opfer bringt; daS ist der sprechendste Beweis, wie sehr verdient sich Herr Dinkelspiel in seiner Gemeinde gemacht hat. Thaten beweisen. Dem Lehrer sowohl, wie sich selbst hat die Gemeinde damit ein ehrendes Denkmal gesetzt. Was Wunder also, daß sich nach einer solchen Stelle viele und tüchtige Lehrer meldeten, einer Stelle, die zudem noch definitive Anstellung in nahe Aussicht stellt! Bin ich, woran ich nicht zweifle, gut unterrichtet, so ist die Wahl auf einen Lehrer gefallen, zu dem sich die Mendener Glück wünschen können. Herr Walbaum, gegenwärtig Lehrer am Seminar zu Münster, ist der Erwählte. Herr Walbaum ist ein tüchtiger Schulmann, der seit einer Reihe von Jahren mit bestem Erfolge am Vereine gewirkt hat, der also mit Recht die Bezeichnung „tüchtig" verdient. Außerdem besitzt er umfassende Kenntnisse in der französischen und englischen Sprache, die er beide mit vieler Fertigkeit spricht. Nur Menden, wo dem alten*) Lehrer solche warme Liebe bekundet wurde, konnte eine jüngere Kraft bewegen, eine Stelle aufzugeben, die, wenn auch sehr mittelmäßig dotirt, dennoch durch Ertheilung von Privatunterricht in den vomehmsteir Familien sehr einträglich ist. Ein weiterer Grund mag vielleicht der Umstand sein, daß selbst der Verein seine Lehrer nicht definitiv anstellt, also auch keine Bürgschaft für die Zukunft gewährt. DaS ist das Traurige der Stellung fast aller jüdischen Lehrer, die Ursache, warum selbst die besseren Lehrer, die, obschon von heiligem Berufseifer anfangs durchglüht, diesen bald erkalten fühlen und dem Stande mit blutendem Herzen den Rücken wenden. Schreiber dieses kennt mehrere junge, tüchtige Männer, die mit Thränen, heißen Thränen in den Augen ihren liebgewonnenen Stand, durch Verhältnisse gezwungen, *) Menden scheint Ihrem Ratbe gefolgt zu haben, den ins Alter gerückten Lehrer zu penfioniren. (Predigt- und Schulmagazin S. 357. von vr. Ludw. Philippson.) aufgeben mußten. O, daß eS bald, recht bald anders würde! Wenigstens die größeren Gemeinden könnten eS ändern. Liebe Glaubensbrüder, soll die Stellung der jüdischen Lehrer eine leidliche werden, so müsset Ihr sie dazu machen; Jhrkönnet es, wenn Jhrwollet, müsset es, wenn Ihr Euch als glaubenstreue Israeliten bethätigen wollet, denen der. Kinder Heil und Glück noch warm im Herzen wohnt. An Aufmunterung hierzu haben es die jüdischen Lehrer eben so wenig wie die Rabbiner fehlen lassen. — Mein lieber Herr Redakteur, entschuldigen Sie es, wenn ich, obgleich ich nur Erfreuliches berichten wollte, dennoch am Schluffe auf die traurige Lage so vieler jüdischen Lehrer zurückkam. Als ich die Nachricht von obigem Factum so eben vernahm, setzte ich mich gleich anS Pult, um eS Ihnen zu berichten. Es erging mir damit wie dem Kranken, der, laborirend an einem langjährigen Uebel, durch den freundlichen und ermunternden Zuspruch des Arztes seinen Schmerz augenblicklich erleichtert fühlt. Allein kaum ist der Arzt weg, siehe, da gewahrt er, daß die geglaubte Erleichterung nur auf Täuschung beruhte. Und dennoch giebt er die Hoffnung nicht auf. Collegen, auch wir wollen die Hoffnung nicht ganz sinken lassen, und wäre sie noch so schwach! — Doch um dem Anfänge einen entsprechenden Schluß zu geben, füge ich dem Obigen noch Folgendes bei: Herr Nordhausen, Lehrer in Beverungen, der als tüchtiger Schulmann schon längst im Rufe steht, geht nach Paderborn, um seine jetzige provisorische Stellung mit einer definitiven zu vertauschen. Es kann dieses nur für Lehrer und Gemeinde zum schönsten Glück und Segen gereichen» Darum: Glück auf! Stettin, im Juni. (Privatmitth.) Die Kreuzzeitung läßt sich von hier aus schreiben, daß die preußischen Freimaurerlogen beschlossen, Juden, welche bei ausländischen Logen Freimaurer geworden, als inaclive Mitglieder zuzulaffen. Dies aber ist kein neuer Beschluß, sondern schon lange gang und gebe. ES ist wohl zu bemerken, daß die protestantischen Pietisten die Zulassung der Juden zu den Freimaurerlogen in Preußen höchlichst wünschen, die Rationalisten aber sie ausschließen, jene, um den Logen den christlichen Charakter um so nachdrücklicher absprechen, diese, um den Logen den christlichen Charakter zusprechen zu können und ihr Gewissen für salvirt