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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-07-20 · Heft 30 (20.7.1857) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 30 (20.7.1857)
Date
1857-07-20
Page
Seite 407 (sequence 7)
Language
German
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407 im liberalen Geiste abgefaßtes bezeichnet. Redact. d. A. Z. d. Judenth.) Hamburg, im Juni. (Privatmitth.) Am 14. d. M. geschah die Einweihung unserer Mädchen-Waisen-Anstalt, genannt Paulinenstift, zum Andenken an die verstorbene Gattin das Herrn Jsaac Jaffe, welcher daS Gebäude geschenkt hat. Die innere Einrichtung ward aus einem Geldgeschenke desselben Gebers, vermehrt durch eine ansehnliche Zahl von größeren und kleineren Summen von verschiedenen jüdischen und christlichen Wohlthätern bestritten, so daß noch ein Capitalfond begründet werden konnte. Außerdem hat ein wohlhabender Freund der Anstalt, der sich nur einem einzigen Mitgliede genannt hat, derselben eine Summe von 32,000 Mark Banco in seinem Testamente vermacht, worauf nach dessen Tode fest zu rechnen ist. Zu der Gemeindeverwaltung steht das Institut in dem Verhältniß, daß die Armenkasse, welche die betreffenden Kinder bisher bei Familien hatte verköstigen lassen, der Anstalt, so lange sie dessen bedarf, für jedes Kind ein gewisses Kostgeld giebt und auch die Krankenpflege der Kinder übernimmt. Endlich ist noch eine genügende Summe von jährlichen Beiträgen gezeichnet. Die Feierlichkeit geschah durch Choräle, Reden von einigen Mitgliedern der Verwaltung, unter denen der Prediger Herr vr. Frankfurter, welcher namentlich auseinandersctzte, weshalb der übrigens anzuerkennenden Theorie gegenüber für diese Kinder gerade das Waisenhausleben der Pensionirung in Familien vorzuziehen sei. Endlich fand Nachmittags ein kleines Zweckeffen von einigen 20 Paaren, den Mitgliedern, der Verwaltung und einigen Freunden derselben statt. Das Erdgeschoß des Hauseö ist der „Unterrichtsanstalt für arme jüdische Mädchen" (bestehend seit 1799) eingeräumt, welche dagegen den Waisen den Schulunterricht leistet. Vor einigen Wochen nöthigte ein wohl aus bösem Willen ausgcsprengtes Gerücht einige Freunde des Altonaischen Herrn Oberrabbiners Ettlinger bekannt zu machen, es sei unwahr, daß derselbe die alberne Weltuntergangsprophezeiung aus irgend einem alten rabbinischen Werke bestätigend erwähnt habe. Wirklich hatte Herr Ettlinger das gerade Gegentbeil gepredigt, daß nämlich der Israelit durch seine Religion gegen dergleichen Gott mißtrauende Superstitionen geschützt sei. Der neulich verstorbene hiesige Senator Jenisch hat unserm jüdischen Krankenhause 5000 Mrk. Bco. vermacht. Bezüglich eines neulichen Artikels in dieser Zeitung möge hier die Angabe Platz finden, daß wir hier haben: 1 Oberrabbiner, 1 activen und 2 emeritirte Tempelprediger, 1 Dajan, 9 Clausrabbiner, 1 Prävicant der portugiesischen Gemeinde und etwa 16 sonstige Theologen verschiedener Classen und Stufen, insgesammt respectable, mehr oder minder deutschgebildete Männer, von denen jeder sein mitunter ganz beträchtliches Publikum hat. Dann 4 sehr beschäftigte Schächter, 3 Küster und Beglaubte und 6 officielle Chasanim. Gepredigt und eregesirt wird hier jeden Sabbath auf etwa 15 und Alltags an etwa 18 Stellen, und wer daran noch nicht genug hat, der kann sich in 15 Minuten nach Altona begeben. Man sieht, Hamburgs Juden ermangeln des religiösen Zuspruchs nicht. Vielmehr ist hier, um biblisch zu reden, „das Wort Gottes theuer (jakar), aber nicht rar."*) Ein Curiosum aus London. Die Stooksbörse — dort eine geschlossene Privatgesellschaft, giebt jährlich ein Zweckeffen nebst Collecte für verarmte Mitglieder, wobei denn gewöhnlich an einer der beiden Tafeln koscher gegessen wird. Die Londoner eingeborenen Juden essen bekanntlich nicht gern öffentlich anders. In diesem Jahre war ein Jude Mahlzeitspräsident, und die ganze Gesellschaft erklärte sich damit zufrieden, wenn die ganze Mahlzeit koscher gekocht würde. Da ist etwas zu lernen für unsere jüdischen Gourmands, deren größter Theil sich etwas zu vergeben glaubt, wenn er einmal zur koscheren Küche einkehren muß. Preußen. Aus Westfalen, 16. Juni. (Privatmitth.) Wie der nächtliche Wanderer sich eines Hellen Sternes freuet, der ihm im Dunkel der Nacht einige Strahlen aus seinen Weg entsendet, so freuet sich der israelitische Lehrer, wenn einige schwache Strahlen in seines Lebens Dunkel fallen, die ihn auf eine bessere Zukunft schließen lassen. Ich sage einige schwache Strahlen; denn wann hätte Israels Lehrerstand je große Hoffnung hegen können! — Ihre geschätzte Zeitschrift, die so *) Und doch ist seit Mcnschengedcnken kein jüdischer Theologe aus Hamburg hervorgegangen, und dies muß immer a»S dem Ausland recrntiren! Redaet.

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