Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 30 (20.7.1857)
- Date
- 1857-07-20
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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405 Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. M., im Juni. Seit dem Erscheinen des zweiten Bandes der Blumeiifeld'scheu Sammlung -N2N2 welche zu einem stehenden Jahrbuche sich heranzubilden scheint, bin ich wiederholentlrch, nicht blos von dem wackern Herausgeber, welcher dem Werke manches Opfer ^bringt, sondern von vielen Andern ersucht worden, über den Werth des Unternehmens, das nun schon zwei Jahre besteht, und über dessen Form, von meinem durchaus unparteiischen Standpunkte aus, ein Wort zu sprechen, theils um denen, welche das Ganze noch nicht kennen, einen Begriff davon zu geben, damit sie sich bestimmen, dieser Sammlung entweder einige ernste Aufmerksamkeit zuzuwenden, oder sie keiner Beachtung zu würdigen, theils aber um offen und freimuthig eigene und meiner Freunde Beobachtungen mitzutheilen, weil diese vielleicht dem Herausgeber als Winke dienen können, seiner Sammlung eine schärfere Abrundung zu ertheilen, wie es denn jedem Herausgeber nur förderlich erscheinen muß, wenn er ein bestimmtes Programm ausschreiben kann, um ungehörige, oft sehr andringliche Anerbietungen abzuweisen, ohne zu verletzen. Ich habe mich diesem Ansinnen nicht entzogen, wie es die Bescheidenheit wohl räthlich gemacht hätte; ich durfte es um so weniger, als ich hier die Bemerkungen vieler Gesinnungsgenossen ausdrücke und gar nicht darauf rechne, daß man mir einzelne zuschreibe. Es kommt nicht darauf an, wer spricht, sondern ob das Gesprochene beherzigenswerth sei, und ich will nur mittheilen, was denkenden Lesern des "WM ‘nttia in meinem Kreise so erscheint. Der erste Band erschien im Frühjahr 1856, der zweite 1857. Die Einrichtung ist einfach die: wer wissenschaftliche Aufsätze einrücken lassen will, hat solche in reinem Hebräisch zu schreiben und in Briefform an den Herrn Herausgeber zu senden, der sie dann entweder nach dem Inhalt, oder nach der Zeit ihrer Einsendung bis zu einem Bande von 12 —15 Octavbogen samiüelt und in Wien drucken läßt. Die Ausstattung ist gut. Im ersten Bande lesen wir auf 51 Seiten Briese von Isaak Reggio s. A., und dem großen Gelehrten S. D. Luzzatto, dem berühmten Rabbinen S. L. Rapoport, und dem Verfasser einer hebräischen meisterhaft geschriebenen Geographie, dem sel. Simson Bloch; alle aus den Jahren 1830 -—33. Diese kleine Sammlung anziehender Schriften, die trotz des zum Theil schon veralteten Inhalts durch Form und Styl sehr anziehend, hat ohne Zweifel den Herausgeber zu seinem Unternehmen angeregt. Dieser Umstand ist nicht zu übersehen; er rechtfertigt die Aufnahme jener Briefe, die übrigens jeder Kenner mit Vergnügen liest. Aber daran knüpfen kundige Leser die Erwartung, daß die fernere Sammlung hauptsächlich neue Forschungen berücksichtigen, und älteren Mittheilungen nur dann die Pforten öffnen werde, wenn sie wissenschaftliche Bemerkungen darbieten, die noch nicht zur Oeffentlichkeit gelangt sind, und deren Verbreitung sich durch ihren Inhalt empfiehlt. — Nach einer Unterbrechung dieser Ursammlung durch ein Schreiben von dem gelehrten Abraham Geiger, welches Ergänzungen zu dem beim Philippson'schen Institute 1856 erschienenen Kmiiö'nB enthält; Untersuchungen, welche sich zwar um nicht sehrerhebliche Fragen bewegen, aber doch in einer Zeitschrift ihren Platz würdig ausfüllen. — Dann folgen wieder ältere Briefe. Mich persönlich interessirt ein Brief Neggios No. 19. an Herrn Blumenfeld, worin er sich über mein Geschichtswerk äußert. Derselbe ist vom Jahre 1833, was zu bemerken nicht gleichgültig erscheint. Nach einigen verbindlichen Aeußerungen fügt er hinzu, daß manche meiner Lehrsätze vom Standpunkte der Theologie aus nicht gebilligt werden können. In der That finde ich dieses Urtheil nicht nur subjectiv gerecht, sondern auch objectiv. Die drei Jahrzehende, welche seit dem Erscheinen meines 9ten Bandes verstrichen sind (und seit dem Beginn sind es fast schon 40 Jahre), haben so viele neue und gründliche Forschungen ans Licht gefördert, daß ich, dem Zuge der Wissenschaft stets mit ernster Wißbegierfolgend, dadurch selbst mehr Klarheit gewonnen habe, und mein Werk von diesem Jahre ganz andere Ansichten entfaltet, als was ich in noch fast unentwickelter Jugend schrieb. Ich rechne es mir zur Ehre, öffentlich zu bekennen, daß ich von den Leistungen so vieler trefflichen Geister gelernt habe, und meine Blicke von mancher Irrung abgelenkt worden sind. Wehe denen, welche stehen bleiben, und ihren jugendlichen Besitz vertheidigen zu müssen glauben! Die meisten verderblichen Vorurtheile wirken darum so schädlich, weil die Behafteten meinen, der Fortschritt wolle ihnen ein liebgewordenes Gut entreißen, während er ihnen dasselbe durch Besseres ersetzt. No. 20. bringt ein Schreiben des verst. Gentiluomo vom Jahre 1834 an Herrn Blumenfeld. Es enthält einen Bericht über das 1825 in Padua errichtete (Kollegium Rabbinicum. Der Brief zieht an durch Lebendigkeit des Ausdrucks und hingeworfene skizzenhafte Bemerkungen über