Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 30 (20.7.1857)
- Date
- 1857-07-20
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Hause zurückkehren, damit er vor ihnen sein Recht führen und seine Zeugen bringen könne. Der Kaiser trieb seine Fürsorge so weit, daß er dem Juden, damit er nicht zu spät nach Uman käme, einen Schein ausstellen ließ, daß er auf kaiserlichen Befehl reise, und befahl ferner, dem Juden die Kosten für die Postpferde und die Reisespesen auszuzahlen; ja, wie ein mitleidiger Vater frug er den Juden, ob er warme Kleider habe, da die Kälte so stark, und obgleich dieser antwortete, daß er genügend versehen sei, gab er ihm dennoch aus seiner Schatulle Geld, um sich einen Schuppenpelz zu kaufen. Der Jude eilte nach Hause, und mit ihm zugleich langten ein General und ein Obrist an, welche vor Allem den Commandanten seines Amtes enthoben, damit er vor dem Richterstuhle wie Einer des Volkes sei, und begannen seine Handlungen zu untersuchen, und die Stadtbewohner zu verhören, welche nun nicht mehMnstanden, seine Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten zu berichten. Die Gerechtigkeit hatte ihren vollen Lauf, und kann ich nur heute die Strafe, die den Commandanten traf, noch nicht genau berichten. So sind denn unsre Hoffnungen freudig in die Zukunft gerichtet. Denn in der That ist das russische Volk durchaus nicht feindlich gegen uns gesinnt, und wenn nur das Gesetz, wie es von oben erfließt, und die Ausübung desselben, wie sie durch die Fürsten und Großen des Reiches geschieht, gerecht und duldsam gegen uns ist, leben wir in Frieden und Einverständniß, in gegenseitiger Achtung und Liebe mit den Völkern des Landes. — Wir sahen dies in diesem Winter in Odessa. Rach dem Tode des aüverehrten Fürsten Feldmarschall Woronzow am 18. November 1856 beschloß die Gemeinde zu Odessa, dem Dahingeschiedenen für die vielen Wohlthaten, welche er den Israeliten, insbesondere den Bewohnern von Odessa während seines ganzen Lebens erwiesen, ihre Ehrfurcht und Trauer zu bezeugen; es wurden an dem Tage, wo seine Leiche nach der Kathedrale gebracht wurde, alle Gewölbe geschlossen und die Vorsteher und Angesehensten der Gemeinde folgten der Bahre. Am folgenden Tage sandte die Fürstin dem Vorstande 400 Silberrubel zur Vertheilung an die Armen der Gemeinde. Als die Leiche in das Grab versenkt werden sollte, sandte die Gemeinde die 20 ältesten Männer in die Kathedrale mit Zustimmung des Rabbiners als Deputirte, um dem Todten die letzte Ehre erweisen zu helfen. Der Stadtcommandant wies denselben einen Platz neben der Gruft an, und dieser Act unsererseits machte allgemein einen sehr günstigen Eindruck. Außerdem veranstaltete die Gemeinde eine Trauerfeier in der Synagoge, bei der Reden in deutscher und russischer Sprache gehalten, Psalmen und hebräische Gesänge recitirt wurden, und welcher die Behörden und Honoratioren der Stadt beiwohnten. — Im verflossenen Winter beschloß der große Frauenverein zu Odessa, der unter dem Protectorate Ihrer Maj. der Kaiserin steht, und dessen Präsidentinnen die Fürstinnen Woronzow und Gargarin sind, seine wohlthätige Wirksamkeit in Vertheilung von Brot, Holz und Kleidungsstoffen an Bedürftige, auch auf die israelitischen Familien auszudehnen. Die hohen Damen zogen hierzu die Madame Ephrati und den Herrn Alerander Cederbaum zu Rathe, und vertheilten durch diese ihre Wohlthaten an zahlreiche Familien. Es versteht sich von selbst, daß die begüterten Israeliten sich hierdurch um so mehr aufgesordert fühlten, reichliche Gaben dem gedachten Verein zufließen zu lassen. — Der Sohn des gedachten Herrn Cederbaum hatte vor Kurzem seinen Cursus in der botanischen Schule in Odessa vollendet und das Zeugniß der Reife als Kunstgärtner erhalten, womit er die bürgerlichen Rechte erlangt. Die kaiserliche Gesellschaft der Landwirthschaft im südlichen Rußland suchte einen einsichtsvollen Mann zu ihrem Commissionär, um für fie den Ein- und Verkauf von Sämereien und landwirthschaftlichen Maschinen zu besorgen, und ihre Bekanntmachungen und Preiscourante drucken und vertheilen zu lassen. An der Spitze dieser Gesellschaft steht der Graf Stroganoff, Generalgouvernator von Neu-Rußland und Bessarabien. Obgleich sich Viele um das gedachte Amt bewarben, wurde der junge 18jährige Cederbaum gewählt. Wenn derselbe sein Amt treulich vollführt, so erhält er ein großes Stück Land in der Nähe der Stadt, um die Sämereien zu prüfen. Einen anderen jüdischen Jüngling, der zu gleicher Zeit jene Schule verließ, sendet jetzt die Negierung auf ihre Kosten nach dem Auslande, um sich in seiner Kunst auszubilden. (Schluß folgt.) Vom Institute )ur Förderung der israelitischen Literatur. Als neue Agenten haben wir zu nennen: Herrn I. Gold stein in Karlsruhe (Oberschlesien); Religionslehrer Blumenfeld in Bunzlau.