Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 29 (13.7.1857)
- Date
- 1857-07-13
- Page
- Seite 394 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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394 5) Utrum anima sit creata. (Ob die Seele geschaffen ist) 6) An una anima, an mullae. (Ob es eine Seele oder mehrere giebt.) 7) An luerint animae creatae ab initio mundi. (Ob die Seelen von Anfang der Welt an geschaffen seien.) 8) Utrum anima creata sit a nihilo. (Ob die Seele aus Nichts geschaffen sei.) 9) Utrum anima sit immortalis. (Ob die Seele unsterblich ist.) 10) De viribus animae. (Die Kräfte der Seele.) 11) De propriis viribus hominis, (lieber die eigenthümlichen Kräfte des Menschen.) Das vierte Capitel ist vielleicht später eingeschaltet worden, denn in dem Prolog ist es nicht erwähnt, wo doch der Uebersctzer kurz den Inhalt des Werkes angiebt. Indem man das Werk durchlieft, kann man leicht erkennen, das; es einem Verfasser, der zu den im Fons vilae ausgestellten Doctrinen sich bekennt, angehört, und welcher eine allgemeine, den körperlichen und geistigen Dingen gemeinschaftliche Materie annahm, indem er behauptet, daß alle Substanzen, Gott ausgenommen, eine Materie haben. Diese letzte These ist im 8. Capitel weitläufig entwickelt, was man als eine kurze Zusammenstellung des Fons vitae an sehen kann, und besonders des vierten Buches, von dem ein großer Theil darin wörtlich wiedergegeben ist. Die andern Capitel bieten auch hie und da Absätze, welche an die berühmte Abhandlung des Avicebron erinnern. Wir führen hier nur folgenden Satz aus dem neunten Capitel an: „Simplex auteni non potest conjungi spisso sine medio quod habet sirniüludinem cum extremis. Item, anima non apprehendit sensibilia per se nisi medianle spiritu, qui est subslantia senliens consimilis utrisque extremis et est media inter corporeilatem sensibilium et Spiritualitäten) animae ralionalis.“ Wenn diese Abhandlung aber das Werk von Avicebron ist, so muß man nothwendig voraussetzen, daß der Uebersetzer sich hie und da Einschaltungen erlaubt hat. Das letzte Capitel besonders bietet uns einige Citate aus dem neuen Testamente und eins aus Boöthius, welche weder durch einen Juden, noch durch einen Muselmann gemacht sein können. Man findet darin auch eine Bemerkung über die Etymologie des lateinischen Wortes mens, die auch auf einen christlichen Schriftsteller deutet. Aber diese Einschaltungen können uns nicht wundern. Sicher aber ist, daß das Werk aus dem Arabischen übersetzt worden ist, das darin festgehaltene System ist das des Fons vitae. Der Verfasser spricht immer in seinem eigenen Namen, und nichts widerspricht unserer Annahme, daß Avicebron der Verfasser der „Abhandlung über die Seele" sei. Ich füge noch hinzu, daß dieses Werk den jüdischen Schriftstellern nicht unbekannt war. Rabbi Gerson ben Salomon von Catulonien hat im 12. Capitel seines Buches Scha'ar huschamaim (die Pforte des Himmels), einer Art Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften, beinahe wörtlich verschiedene Capitel unserer Abhandlung wiedergegeben, jedoch haben die Passagen, welche uns besonders Jbn-Gebirol erkenntlich machen, darin keine Spur zurückgelassen. Was noch unsere Voraussetzung unterstützt, ist, daß in einer kürzlich veröffentlichten hebräischen Sammlung, welche mehrere ungedruckte Stücke enthält*), man ein Capitel über die Seele, das dem Jbn-Gebirol zugeschrieben wird, und welches vorzugsweise einer der Fragen aus unserm Tractatus de anima geweiht ist, findet. Das Capitel behandelt die Frage: ob die Seelen nach oder vor der Schöpfung derWelt geschaffen worden sind? Es ist wahr, daß dieses Capitel sich nicht wörtlich in unserer Abhandlung findet, und es scheint uns sogar entschieden, daß es einem christlichen Schriftsteller angehört, und daß es aus dem Lateinischen ins Hebräische übersetzt worden ist; aber der Titel, den es trägt, beweist immer, daß man ein Werk über diesen Gegenstand von Jbn-Gebirol kannte. (Schluß folgt.) Büren, 22. Juni. Herr Honcamp, „dessen das Judenthum wie die Judenheit mit gleicher Liebe würdigende Arbeiten" gewiß manchem Leser dieser Zeitung aus K. Klein's Jahrbuch für Israeliten bekannt ist, hat fast dreißig Jahre lang als Lehrer, insbesondere als Gesanglehrer an einem Schullehrerseminar fungirt, und einen Schatz mannigfaltiger praktischer Erfahrungen in einer Gesanglehre für Schulen in Anwendung gebracht. Das Werkchen würde auch für israelitische Schulen recht brauchbar sein, wenn in demselben auf den Synagogengesang hätte können Rücksicht genommen werden. Um nun das praktische Schulbuch auch für unsere Schulen brauchbar zu machen, hat Herr Honcamp dasselbe überarbeitet und dabei sowohl die Rathschläge Sachverständiger, als auch die besten liturgischen Arbeiten sorgfältig benutzt. Das Werkchen erscheint nächstens unter dem Titel: „F. C. Honcamp's Gesanglehre, unter Mitwirkung eines israelitischen Lehrers und Cantors eingerichtet *) S. nnaa n-wn von Edelmann, Königsberg 1856.