Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 29 (13.7.1857)
- Date
- 1857-07-13
- Page
- Seite 390 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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390 alter Zeit; sie sind dort keine bloße Fremde, sie sind nach Dacien in derselben Zeit gekommen als die Römer. Wir lesen in der That in der rühmlich bekannten Geschichte von M. Michel Kogalnitchan folgende Details: Die selbst von den Juden bestätigte Tradition stellt hier ein Geschehniß fest, das sich in Dacien während dieser Epoche zutrug. Titus hatte eben Jerusalem im Jahre 70 nach der gew. Zeitrechnung zerstört; der größte Theil der Juden war gefangen genommen oder verkauft. Man glaubt, daß D6eebal diejenigen in seinen Staaten aufnahm, die der Sclaverei entgangen und daß er ihnen den Ort, den sie Thalmus nannten, und den man heute noch Talmaica nennt, bei dem rothen Thurme nicht weit von Hermannstadt, zur Wohnung gab; diese Stadt wurde im Mittelalter durch ihren Handel berühmt. Dieses ist eine Thatsache, die uns nicht verwundern kann, denn in dieser Zeit war Dacien allein frei und unabhängig, während alle übrigen Staaten unter der Herrschaft oder dem Einflüsse der Römer standen. Die Dacier empfingen fortwährend den Tribut der Römer bis daß Trajan den Thron bestieg. Also fanden sich Römer und Israeliten, nachdem sie sich in Jerusalem auf Leben und Tod bekämpft hatten, fast zu gleicher Zeit an den Ufern der Donau zusammen, aber um sich dort zu versöhnen, an der Wiege einer neuen Nation. Jeder brachte seine Gabe an diese Wiege mit: Rom das Gesetz der zwölf Tafeln und Israel die zebn Gebote des Ewigen, köstliche Erbtheile der beiden Welten und doppelte Verheißung der Zukunft. Die rölnischen Kolonnen erhielten in dieser Gegend den kriegerischen Geist aufrecht und die Flüchtlinge Judäas führten dort Handel und Industrie ein und entwickelten sie. — Wir wollen einige Stellen desselben moldauischen Schriftstellers ciliren: Unter der Regierung Dionysius II., des im Jahre 1376 erwählten Fürsten, erhielten die vom König Ludwig I. aus Ungarn verjagten Juden eine Zuflucht in der Walachei und ließen sich in der Stadt Tournau nieder, die der vorzügliche Handelsdepot wurde. (Kogalnitchan S. 57.) Im fünfzehnten Jahrhundert blühte der Handel in der Walachei: Bra'ila wurde von den Genuesern, den Venetianern und den Ragusanern sebr viel besucht; gegen die Products der Viehzucht, Getreide, Wolle, Salz tauschten sie Quincaillerien, Stoffe und Products aus Italien, ein. Die Juden betrieben indessen vorzüglich den Handel, denn sowohl die Walachen als die Polen betrachteten eS wie einen Diebstahl, für einen Gegenstand mehr zu verlangen, als er gekostet hat. — (Kogalnitchan S. 114.) Im sechszehnten Jahrhundert wurden die Juden in dem Lande als eine nützliche und handeltreibende Nation geduldet; indessen konnten sie keine Würde im Staate erlangen und es war ihnen verboten, Synagogen von Stein zu besitzen. Der Handel war in ihren Händen; sie standen in Verbindung mit den Fabrikanten Deutschlands, führten Tuche, Seidenwaaren und Quincaillerien in die Walachei ein; im Lande selbst waren Einige Banquiers, Andere hatten Fabriken und auch Branntweinläven. — Der dritte Stand fing damals an sich zu bilden. — (S. 238.) Im Anfänge des achtzehnten Jahrhunderts wurde in der „Reform von Maurocordato" verordnet: daß die Kaufleute von Bucharest, die Handelscompagnien von Craiova, die Kaufleute von Silistria, von Kronstadt, die Armenier und die Juden unter der. Aufsicht des Intendanten der Civilliste oder des Groß-Camarasse seien und die Kopfsteuer in vier Raten zu zahlen hätten. (S. 391.) Der dritte Stand festigte sich mehr und mehr. Er war in mehrere Korporationen getheilt, deren jede ihren eigenen Starosten hatte, von ihr selbst gewählt und vom Groß-Camarasse bestätigt. Die beiden ersten waren die der N6aw5pj, von den alten Edlen der ersten und zweiten Klasse abstammend, und die marin, von der dritten Klasse abstammend. Die Juden bildeten die zwölfte Corporation. In den Händen des dritten Standes befand sich nun der ganze Handel der Hauptstadt. Die Griechen und die Armenier beschäftigten sich mit dem Jmporthandel, die Walachen mit dem Erport und die Juden mit dem Kleinhandel. Die walachischen Handelsleute kauften auch auf den Messen von Leipzig, Danzig und Wien ein, während die Griechen und Armenier, die in ihren Händen den Handel mit der Levante hatten, ihre Maaren aus Adrianopel, Konstantinepel, Smyrna und Brusfia holten. Der Geist der religiösen Duldung herrschte in diesem Lande, obgleich das Volk denjenigen als Heiden betrachtete, der nicht dieselbe Religion bekannte; wenn ein Katholik zur griechisch-orthodoren Religion überging, sagte man: er ist Christ geworden, oder: er hat sich Laufen lassen (S. 237). — Erst im Jahre 1777 erhielten die Protestanten durch Vermittelung des schwedischen Geiandten in Konstantinopel völlige religiöse Freiheit (S. 457.). Di^ Juden konnten, obgleich geduldet, sich niemals vermehren in der Walachei, eben so in der Moldau, weil die Regierung ihnen verbot, Grundbesitz zu haben, ihrem