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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-07-13 · Heft 29 (13.7.1857) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 29 (13.7.1857)
Date
1857-07-13
Page
Seite 388 (sequence 2)
Language
German
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388 dem Oberhause eine größere Verbindlichkeit zur Annahme der Bill auferlegt, sonvern auch daß ein großer Theil der Torymitglieder des Oberhauses überhaupt um diesen Preis ihre Opposition gegen die Bill aufgeben werden. Die torystische Presse erklärt daher schon gegenwärtig, daß die Bill diesmal zum Gesetze würde. Sie erklärt die angenommenen Ausschließungen des Sir Fitzgeral für das trojanische Pferd, in dessen Bauche die siegreichen Feinde durch die Bresche in das christliche Parlament Englands einziehen. Das Frohlocken der Berliner Kreuzzeitung, daß die Bill nun doch keine „Judenemancipationsbill" sei, ist daher nur ein erkünsteltes, denn wenn auch ihre Bemerkung richtig ist, daß jene Clauseln die erste direct gegen die Juden gerichtete gesetzgeberische Acte in England sei: so muß sie sich doch überzeugt halten, daß jene Clauseln ebenso bei der ersten praktischen Veranlassung fallen werden, wie der ausschließende Eid selbst. So eben ist abermals ein Jude, Mr. B. L. Philipps, im Gemeinderath der City von London einstimmig zum Alderman erwählt worden, und hat also ebenfalls Aussicht, zur Zeit Lord-Mayor zu werden. Wir meinen daher durchaus nicht, daß es eine Unmöglichkeit sei, daß ein Jude Lordkanzler, Großsiegelbewahrer u. dgl. werden sollte. Die Beispiele von Frankreich, Holland und Nordamerika erweisen die Möglichkeit. Aber in so fern sind jene Ausschließungen unschädlich, als, wenn die Entwickelung in England so weit gediehen sein wird, daß einem Juden eines jener höchsten Aemter überwiesen werden möchte, jene Clauseln der Bill wie ein Blatt Papier vor dem Winde fallen werden. Die beste Bürgschaft hierfür giebt uns, daß auch das Amt eines Richters zu den Ausschließungen gehört. Hierin wird das praktische Interesse den ersten Anhalt finden und dann eine Bill zur Aufhebung aller noch vorhandenen Beschränkungen aus dem Religionsbekenntniß erfolgen. Der Sieg ist daher doch unser —, denn der E i d wird wirklich um der Juden willen geändert, etwas, was um der Katholiken willen nicht geschehen ist. Am 16. Juni hielten die Häupter des katholischen Adels wieder ein Meeting unter dem Vorsitz von Lord Harrowden, um sich über ihr Verhalten im Parlamente in Bezug auf die neue Eidesbill zu verständigen. Es wurde einstimmig beschlossen, im Widerstand gegen die 5. Clausel der Bill zu verharren, da kraft derselben die alte, blos auf die katholischen Mitglieder bezügliche und anstößige Eidesformel beibehalten werden soll. Eine im Stafford- Street-Club ausliegende Petition ans Parlament gegen diese „gehässige" Ausnahms-Eidesformel für Katholiken ist bereits von vielen Häuptern der Katholikenpartei unterzeichnet worden. Obgleich das Verfahren der katholischen Partei hierbei nicht das logische und sittliche ist, da sie für die Bill stimmen und auf die Aufhebung des besonderen Katholikeneides antragen konnten, so wünschen wir doch ihrer Petition den glücklichsten Erfolg, indem doch nur durch die völlige Gleichstellung aller Religions- Parteien der Sieg der Gewissensfreiheit vollständig gesichert wird. Wie Türkei und Neapel. Ein eigenthümlicher diplomatischer Streit hat sich zwischen der Türkei und Neapel erhoben. Der Sultan hat zu seinem Geschäftsträger am neapolitanischen Hofe den Dr. Spitzer (die Augsb. Allg. Zeitg. nennt ihn irrthümlich Epiker), den früheren Arzt der türkischen Gesandtschaft in Wien, ernannt. Nun ist aber Dr. Spitzer Jude, und seinem väterlichen Glauben treu ergeben. Da sah König Ferdinand diese Wahl als eine Verletzung der ihm schuldigen Rücksichten an, und hat Verwahrung gegen die Ernennung Spitzers eingelegt. Die Entschließung der ottvmanischen Pforte kennt man noch nicht. Ob dies zu einem Bruche der diplomatischen Verbindung zwischen der Türkei und Neapel führen werde, ist ungewiß. Man kann der neapolitanischen Negierung hieraus keinen Vorwurf machen, denn Niemand kann weiter sehen, als er eben Augen hat, und wenn diese noch so blöde sind. Uebrigens muß sich der Sultan freuen, daß König Ferdinand die Türken mehr liebt als die Juden. Freilich hat Karl der Große, als ihm der Kalif einen Juden als Gesandten schickte, auch nicht den geringsten Zweifel über dessen Empfang gehabt — aber Keiner wird verlangen, daß der König von Neapel ein Karl der Große sei. Nicht minder haben die Vereinigten Staaten noch jetzt einen Juden als Gesandten beim Könige von Holland und die holländische Majestät ist jenem wohlwollend zugeneigt. Aber auch das fällt Niemandem ein, Neapel mit Holland zu vergleichen. Vom Institute zur Forderung der israelitischen Literatur. Durch den Tod des Buchhändlers Knöpflmacher in Wien ist die Verschickung der zweiten Sendung der diesjährigen Schriften nach den östlichen und südlichen euro-

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