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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-07-06 · Heft 28 (6.7.1857) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 28 (6.7.1857)
Date
1857-07-06
Page
Seite 382 (sequence 10)
Language
German
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383 auf 22,800 Seelen gestiegen, und die Bevölkerung der Straßburger Gemeinde von 1,476 auf 2,400; die des Spreu gels von Wintzenheim (heute Colmar) ist von 40,000 auf 17,000 Seelen gestiegen. Die Bevölkerung von Wintzenheim, damals die größte des Ober- Rheins, war 536 Seelen stark, während Colmar heute 1>,250 und Mulhouse 1,700 Seelen zählt. Die Seelenzahl vom Metzer Sprengel ist von 7,517 bis zu 8,000, und die von Metz selbst von 2,400 bis zu 3,470 gestiegen. Der Sprengel von Nancy ist von 4,166 zu 8,000 und die Gemeinde Nancys von 739 zu 1,400 gewachsen. Die Bevölkerung des Sprengels von Bordeaux (Saint-Esprit mit einbegriffen) ist von 3,813 zu 6,200, und der Gemeinde von Bordeaux von 2,131 zu 3,200, endlich der Sprengel von Marseille von 440 bis zu 1,500 angewachsen. Die israelitische Bevölkerung Frankreichs hat sich demnach seit dem ersten Kaiserreich um mehr als Vas Doppelte vermehrt. Großbritannien. London, 16. Juni. Im-Unterhause wurde die Bill über Veränderung der Parlamentseide im Ausschuß berathen, wobei neben den so oft schon vorgekommenen Argumenten auf beiden Seiten zwei Zwischenfälle bemerkenswerth waren, ein Antrag des Irländers Deasy auf Abschaffung des besondern Eides für Katholiken und Sir John Pakington's Uebertritt zur ministeriellen Seite in vorliegender Frage, letzterer wieder ein Beweis von dem geringen Zusammenhalt der Eonservativen. Herr Deasy beantragte ein Amendement zur ersten Clausel auf Abschaffung des den katholischen Mitgliedern auferlegten Eides, und Einführung einer und derselben Eidesform für alle Mitglieder. Er habe nichts gegen die Aufhebung des politischen Unterschieds zwischen Juden und Christen, aber um die Arbeit consequent auszuführcn, solle daS Haus auch die Scheidewand zwischen Katholiken und Protestanten niederreißen. Die Katholiken, das gebe er zu, hätten dem Schatzkanzler noch nicht geholfen Staatsanlehen zu machen, aber jenen nervus rerum, ohne den alle Schätze Rothschilds ohnmächtig bleiben würden, Blut und Knochen hätten sie dem Vaterlande geliefert, und würden sie abermals liefern. Die Stelle des Eides, welche Abschwörung der Lehre über Absetzbarkeit der Fürsten durch den Bann des Papstes bestimmt, sei unnöthig und anstößig; eine zweite welche die Erklärung enthält, daß der Eid ohne sogenannte reservatio mentalis und ohne Doppelsinn geleistet werde, sei für die Katholiken durch die Vor- : Aussetzung beleidigend, als stünden sie den Protestanten an Loyalität und Aufrichtigkeit nicht gleich; was z eine dritte Erklärung betreffe, wodurch die Katholiken gehindert werden sollen, den zeitlichen Besitz der Hoch- . kirche anzutasten, so würde er (Deasy) die Veränderung des Eides gar nicht Vorschlägen, wenn eine solche Gefahr wirklich vorhanden wäre. Die wirklichen Feinde , der Staatskirche dürfe man nicht unter den Katholiken, sondern nur unter den protestantischen Dissenters suchen. Lord Palmerston versicherte: wenn eS an ihm allein läge, würde der Katholikeneid lieber heute als , morgen verschwinden, denn auch der selige Sir R. i Peel. führte ihngegen seinen eigenen Wunsch ein, als ein Zugeständniß, welches die Gegner der Katholiken- . Emancipation von ihrem Widerstand abbrachte. Aber; der ehrenwerthe Antragsteller solle bedenken, daß Alles seine Zeit hat, und daß der Sieg seines Amendements zugleich die Niederlage der ganzen Maßregel wäre. Herr Roebuck bemerkte: der Parlamentseid enthalte überhaupt grobe Unwahrheiten, z. B. daß der Papst; keine geistliche Autorität im Reiche besitze.- Alle Welt wisse, daß dies eine Lüge ist, und daß der Papst allerdings geistliche Macht über einige Millionen Britten besitzt. Zwanzigmal in seinem Leben habe daS Gesetz ihn gezwungen, solchen Widersinn eidlich zu behaupten, und er für sein Theil bitte um Erlösung von einem so unsittlichen Zwange. Sir Fred. Thesiger ersuchte das ehrenwerthe Mitglied für Sheffield sein Gewissen zu beruhigen; der Eid bezeuge nicht das Vorhandensein einer Thalsache, sondern eines Rechtes; er habe den Sinn, daß der Papst von Rechtswegen keine Autorität besitze. Nachdem das Amendement Deasy's mit 373 gegen 83 Stimmen verworfen war, lenkte Sir Fred. Thesiger die Verhandlung auf die ursprüngliche Frage zurück, indem er, wie bei andern Gelegenheiten, die Beibehaltung der Schlußformel „auf den Glauben eines Christen" beantragte. Bemerkt mag es werden, daß er spöttisch äußerte : die Wahl des Baron Rothschild für die City seit zehn Jahren sei kein Grund, weshalb daS Unterhaus die Juden zulassen solle, sondern nur ein Beweis, daß die City sich mit drei Mitgliedern behelfen könne; Lord Palmerston werde diesen Umstand hoffentlich bei der bevorstehenden Resormbill beachten. Auffallend war ferner eine Rede des bekannten Rechts-

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