Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 28 (6.7.1857)
- Date
- 1857-07-06
- Page
- Seite 381 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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381 hohen und höchsten Herrschaften inTokay, der ganze kaiserliche Hofstaat war erschienen, an dessen Spitze der Generalgouverneur von Ungarn, Se. königliche Hoheit der Erzherzog Albrecht, hatten doch unterdessen Ihre Majestäten Allerhöchstihre Rückreise von Debrezin nach Pesth angetreten, da elterliche Pflichten an das Sterbebett der jungen dreijährigen Erzherzogin riefen. Noch an demselben Tage ertheilte der Generalgouverneur im, Namen Sr. Majestät Audienz. Auch die Israeliten des Zempliner Comitats waren durch eine Deputation vertreten und wurde eine eben so umfassende als zweckmäßig ausgearbeitete Denkschrift, „die Verlegung der Musterhauptschule nach S. a. Ujhely und die Gestattung deS Ankaufes von Grundbesitz" betreffend, Ihrer königlichen Hoheit dem Generalgouverneur überreicht, welcher eine warme Besürsprechung bei Sr. Majestät zustcherte. Die in diesen Blättern erwähnte israelitische dreiclassige Volksschule in Homonna ist vor Kurzem durch hohen Starthaltereibeschluß zu einer öffentlichen mit dem Lehrziel einer vierclassigen Hauptschule erhoben worden und sind an ihr 1 Oberlehrer und zwei Lehrer durch Regierungsdccret angestellt. Auch in anderen Städten dieses Gebirges werden Schulen errichtet und sind es vorzüglich die Herren Doctoren der Medicin und einige wenige Gemeindevorsteher, welche sich für die Erhaltung und Gründung der Schulen warm interessiren. Leiber stehen noch immer viele Rabbinen den Schulen, wenn auch nicht gerade feindlich, doch gleichgültig gegenüber. Wie ich höre, geht man in EperieS damit um, durch einen orthodoxen, jedoch zeitgemäßen Rabbinen das erledigte Rabbinat zu besetzen. Ihr früherer Rabbi ist dermalen als Fiscal in Kaschau thätig. Auch steht daselbst die Errichtung einer Volksschule bevor. Als Curiosum muß ich noch erwähnen, daß viele Chassidim des Gebirges nach Lißca, Ltrapca rc. wallfahren, um noch einmal vom heiligen großen Rebben daselbst vor dem Untergang der Welt, die am 13. Juni sicher zu Grunde gehen wird, benschen (segnen) zu lassen. Rosenmeher. Czernowitz (Bukowina), im Juni. (Privatmitth.) Es ist hier Alles in langsamer Entwickelung begriffen. Der größte Uebelstand ist, daß die Hiesigen keine Lust haben, einen Tempel zu bauen. ES bestehen hier außer der großen Synagoge, die sehr wenig besucht wird und auch außer dem Rayon der gegenwärtigen Stadt liegt, 22 Minjanim. In der Synagoge hält der Landesrabbiner Dr. Igel am bvwf: 'üj und 'an 'w sogenannte Draschoth und im größten Minjan an allen Festtagen und bei allen feierlichen Anlässen deutsche Predigten, die zwar den Zuhörern gefallen, aber leider nur auf einen kleinen Theil der Gemeinde wirken. Sehr erfreulich ist es, daß die hiesige Regierung den Aufschwung der Israeliten sich sehr angelegen sein läßt, die mir auch jeden möglichen Beistand und Aufmunterung mündlich und schriftlich spendet. Besonders haben wir hier einen sehr humanen Landespräsidenten, den Baron v. Schmück. Seit einigen Monaten weilt in Czernowitz ein eigener Schulrath, den das hohe Ministerium eigens für die Volksschulen der Bukowina bestimmt hat und der mehrere Tage hinter einander unsere vierclassige deutsch-israelitische Haupt- und Mädchenschule in allen Claffen inspicirte und seine größte Zufriedenheit mit derselben ausdrückte. Frankreich. Paris, 23. Juni. Unter den vom Moniteur verkündeten Wahlen befinden sich beide Candidaten jüdischer Confession; sowohl der Regierungscandidat Königswarter, als der Oppositionscandidat Goüdchaur sind in Paris gewählt worden. Mühlhausen, im Juni. (Statistik derJsraeliteninFrankreich. Nach dem Lien d’Israel.) Unter dem ersten Kaiserreiche, im Jahre 1808, gab es in Frankreich 13 Consistorialsprengel, die zusammen nur eine israelitische Bevölkerung von 77,162 Seelen umfaßten. Von diesen 13 blieben nach dem Sturze Napoleons I. nur 7 Sprengel übrig, welche gegenwärtig 8 bilden. Hierdurch wurden 30,499 Israeliten (in den Sprengeln Mainz, Trier, Coblenz, Crefeld, Turin und Cassel) von ihnen losgerissen und es blieben als die Bevölkerung des eigentlichen Frankreichs 43,237 Israeliten. Gegenwärtig aber befassen die französischen Sprengel 90,000 Israeliten, und wenn man bedenkt, daß in den großen Städten viele leben, welche ihrer Religion nach nicht bekannt sind, so sind 100,000 Israeliten in Frankreich eine mäßige Schätzung. Die Bevölkerung des Seinesprengels, die ehemals 3,285 Seelen betrug, ist heute auf 20,000 gestiegen. Paris, das damals 2,733 halte, zählt heute 18,000 Seelen; die des Straßburger SprengelS ist von 16,155 28