Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 28 (6.7.1857)
- Date
- 1857-07-06
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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380 strebte Lesen, Schreiben und die vier ersten Species im Rechnen, und dieses Ziel sollte billig jedes Kind erreichen. Dieses Gesetz haben wir seit dem Jahre 1847 Gottlob! überlebt und ist diese Instruction, nebst jener Pflicht der Corporationsvorsteher, so wie die Überschreitung der Grenzen der Schulpflichtigkeit beseitigt. Merkwürdig nur bleibt die Aufnahme des fraglichen Artikels in die Posener Zeitung, die ich übrigens nicht gelesen, um die Absicht des Correspondenten vermuthen zu können. Ohne Zweifel ist auch diese irrthümlich geschehen, so wie das Abhalten der besonder» Abiturientenprüfungen jetzt unnöthig ist, zumal die Schulinspectoren bei der in der Regel kurz zuvor abgehaltenen Prüfung die abgehenden Kinder sich merken. Die neueste maßgebende Instruction, d. d. Posen 28. December 1852, macht daher bis auf die Ferien — die nach Vorschrift der jüdischen Ritualgesetze zu halten sind — auch gar keinen Confessionsunterschied. Eine derartige, das Nothwendigste in den jüdischen Schulen erzielende Verordnung wäre in der That jetzt überflüssig, da die jüdischen Schulen der Provinz Posen fast durchweg zu den bessern gehören, obwohl das Haus mit wenig Ausnahmen ungezogene, oder was noch schlimmer ist: verzogene Kinder in die Schule schickt, dagegen Alles: Religiosität, Gelehrsamkeit, vorzüglich aber bachur mäßige, geisttödtende Ruhe, selbst von den lebhaftesten Knaben, statt wahrer Sittlichkeit, ausschließlich von der Schule erwartet, während es selbst für all dieses nichts thut oder wohl gar von all dem das Gegentheil bietet. Es vergißt, daß das Beispiel der Eltern und der sonstigen Umgebung weit nachbaltiger wirkt, als das wohlgemeinte, noch so ernst eingeprägte Wort des gewissenhaften, daS Bessere erstrebenden Lehrers. Ein Glück für uns, daß letzteres, aller Hindernisse ungeachtet, größtentheils auf fruchtbaren Boden fällt, so daß der Segen der Schule für die Kinder beiderlei Geschlechts von unberechenbaren Folgen ist. Mich konnte eS fast verdrießen, daß der erwähnte Correspondent des Artikels „Rawicz" die so wohlthätig wirkende Zeitung deS Judenthums mit nichtssagenden, überlebten Dingen zu füllen sucht, während so viel die Schule, vorzüglich aber die Erziehung Betreffendes von weit größerem Nutzen wäre, da, auffallend genug, die jüdische Literatur noch gar nichts hierfür gethan, und doch hängt von der Erziehung der Kinder im Hause so sehr viel abl Wie selten wird in einem jüdischen Hause ein Buch über Erziehung getroffen und wie noch seltener wird darnach erzogen! Möchte das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur sich auch dieses Verdienst zueignen und durch Verbreitung von Schriften über Erziehung den Segen der Schule und der Synagoge zur Freude der Geistlichen und Lehrer und zum Heil der Menschen groß und fruchtbringend machen! Korn. Oesterreichischer Kaiserstaat. Auö dem Tokayergebirge, izn Juni. (Privatmitth.) Die Rundreise Ihrer Majestäten in Ungarn wird von den Israeliten als ein freudiges Ereigniß begrüßt und kaum dürste eS eine Gemeinde geben, die sich nicht an den Festlichkeiten, welche zu Ehren des Allerhöchsten Herrscherpaares veranstaltet wurden, betheiligt hätte. Sowohl in Pestl), Jasbereny, Nagy- Körös, Kecskemet, Szegedin, Großvardein, Debrezin u. s. w. wurden großartige Vorbereitungen getroffen und Huldigungen unserem Allergnädigsten Kaiserpaare dargebracht. Ueberall wurden von den Israeliten Triumphbogen in großartigem Maßftabe mit hebräischen, ungarischen oder deutschen Inschriften errichtet und von ihnen Theil an Volksfesten, Illuminationen u. s. w. genommen. So wurde unter Anderm das israelitische Spital in Pesth am 22. v. M. von Sr. Majestät dem Kaiser besucht und geruhten Se. Majestät, bei dieser Gelegenheit ansehnliche Summen zu spenden und Seinen Namen in das Fremdenbuch einzutragen. Die Feder, welche Sr. Majestät hierbei diente, wird zur Erinnerung in einem goldenen Etui in den Archiven der israelitischen Gemeinde in Pesth aufbewahrt. Auch in unserem Gebirge wurden von den Israeliten die großartigsten Decorationen errichtet und Tokay am Schebuothfeste, als an dem Tage, wo Ihre Majestäten eintrasen, von Hunderten von Israeliten besucht. Mehr als 5V Deputirte waren in Tokay versammelt, um im Namen aller Israeliten desZempliner Comitates ihre Huldigung darzubringen. Vor der zum feierlichen Empfange errichteten Triumphpforte hatten sich 24 junge Mädchen, ungarisch gekleidet, mit weißen und blauen Bändern geziert, in zwei Reihen aufgestellt. Neben der Triumphpforte war ein Baldachin erbaut, worin drei greise Rabbinen mit der heiligen Thora standen. Am ersten Tage Schebuoth erfolgte der Einzug der