Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 28 (6.7.1857)
- Date
- 1857-07-06
- Page
- Seite 377 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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377 von Zeitgenossen, der Herren Beer, Dubs in Lemberg, Jost, Löw, dem Herausgeber u. s. w. mitgetheilt. — Im Vorübergehen erlauben wir uns zu bemerken, daß die Vermuthung des Herrn Löw, daß die vor einigen Jahren aufgefundene Threnodie desR. SalomonJbenGebirol auf den Tod des gemordeten, von Gebirol vielgepriesenen, aber sonst ganz unbekannt gebliebenen R. Jekuthiel, eigentlich auf den Tod des berühmten R. Scherira Gaon verfaßt wurde, der aber vom Dichter poetisch Jekuthiel, ein Name, den die Sage auch dem Moses angedichtet, genannt wurde, ganz falsch und grundlos ist. Fürs Erste besitzen wir ein prächtiges Lob - und Preisgedicht des R. Salomon Iben Gebirol auf R. Jekuthiel, und es wäre sonderbar, auch hier wiederum anstatt R. Jekuthiel R. Scherira zu supponiren. S. Orient, Literaturbl. No. 37. Jahrg. 1846 und No. 34. Jahrg. 1847 die Mittheilungen von Luzzato. Ferner lautet nach dem Zeugniß des Herrn Dukes in einigen Handschriften die Aufschrift der Threnodie „auf den Tod des N. Jekuthiel Al-Hassan", wobei natürlich an eine poetische Licenz gar nicht zu denken ist. S. Orient 1848, No. 19. Col. 304. Vielleicht giebt der vollständige Name R. I. Al-Hassan eher Aufschluß über dessen Träger und man könnte auf Al-Hassan Hadajan, Richter in Kordova, einen trefflichen Mathematiker, rathen!-Man sieht daraus, um zu unserem Referate zurückzukehren, daß Herr Sachs, als gründlicher Kenner und Forscher der mittelalterlichen Philosophie rühmlichst bekannt, sein Möglichstes gethan hat, um allen gerechten Anforderungen zu genügen; nur wäre es zu wünschen, daß der Herausgeber sein Terrain genauer abgrenzen, mehr und mehr nach einem Zielpunkte concentriren und die rein wissenschaftliche Tendenz des Jahrbuches einzig und allein vorwalten lassen möchte; wobei also Briefe über die Grundsteinlegung der Synagoge in Odessa, in stylistischer Beziehung noch so ausgezeichnet, wegbleiben müßten. Es haben sich die geschätzten Leiter des Literatur-Institutes um die Förderung dieses Werkes ein wahrhaftes Verdienst erworben, und ich glaube hier einen von Vielen getheilten Wunsch auszusprechen, daß die geschätzten Leiter des Institutes ferner den wissenschaftlichen Unternehmungen und Bestrebungen des Herrn Senior Sachs die kräftigste Unterstützung angedeihen lassen möchten. Das Institut würde sich dadurch einem so würdigen und verdienten Gelehrten wie der hülfsbedürftigen jüdischen Literatur zum innigsten Dank verbinden, und auf diese Weise ihren wohlthätigen Einfluß um so segenreicher nach allen Seiten bewähren. — Als ein glückliches, vielversprechendes Unternehmen müssen wir folgendes Jahrbuch bezeichnen, das dieselbe Tendenz und Richtung wie der vorerwähnte Kerem Chemed zu verfolgen scheint. 0^3? Nechmad, Briefe und Abhandlungen jüdische Literatur betreffend, von den bekanntesten jüdischen Gelehrten. Herausgegeben von Ignaz Vlumenfeld. 2ter Jahrgang. Wien 1857. Herr Blumenfeld gehört zu den leider immer seltener werdenden aufrichtigen Verehrern und Beförderern der Wissenschaft in Israel, die es sich zur heiligen und angenehmen Pflicht machen, derselben bereitwillig jedes Opfer zu bringen und alle möglichen Liebesdienste zu erweisen. Es läßt sich darum von diesem ans reiner Liebe zur Wissenschaft begründeten Institute das Beste erwarten und eine gedeihliche hoffnungsvolle Zukunft Voraussagen. Es verdient auch mit Recht dieses Jahrbuch den bezeichnenden Namen Ozar Neclrniad, köstlicher Schatz, da es reich an kostbaren Mittheilungen und Auszügen aus seltenen Handschriften, wie an trefflichen interessanten Abhandlungen ist. Die Veröffentlichung der Briefe des Abarbanel, Maimuni, Raschi u. dgl. ist eine wahre Bereicherung der Literatur, die für den Historiker wie für den Gelehrten gleich nützlich und schätzbar sind. Denn so dankenswerth z. B. die gelehrte Biographie der Familie Abarbanel von Karmoly ist, so liegt doch hauptsächlich deren Werth und Bedeutung in der Mittheilung des schönen Briefes des R. Jizchak Abarbanel an R. Jechiel aus Pisa, wo sich der edle Charakter des Schreibers in jeder Zeile verräth und in dem Abdruck des Klagegedichtes des R. Jehuda Abarbanel auf seine Zeit und seine eigenen traurigen Schicksale. Solche Charakteristiken sind höchst selten und darum für jüdische Geschichte, deren Quellen erst ausgesucht und aufgegraben werden müssen, um so werthvoüer. — Es ist wahrlich befremdend, daß in unserer auch in dieser Hinsicht schöpferischen Zeit sich noch kein Verein, kein Institut gebildet hat, die zerstreuten Reste der jüdischen Geschichte, diese disjecta membra zu sammeln, zu ordnen und als monumenta historica herauszugeben. Vielleicht dürfte Herr Blumenfeld sein Ozar Nechmad diesem Ziele zu führen, wenigstens in Bezug auf hebräische und literar-historische Quellen, da am Ende mit den bloßen durcheinander geworfenen Ercerpten aus Manuscripten, mit der planlosen Notizenkrämerei nichts gethan und nichts gefördert wird. Es liegt bereits in Zeitschriften, Sammelwerken viel Stoff aufgespeichert; aber abgesehen davon, daß diese so wenig verbreitet und nicht allgemein zugänglich sind, ist dies Alles