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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-07-06 · Heft 28 (6.7.1857) · p. Seite 376

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 28 (6.7.1857)
Date
1857-07-06
Page
Seite 376 (sequence 4)
Language
German
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876 Judenthum zuzuschreiben und zu danken. Wir können diese an sich schon so wohlrhuende Erscheinung nicht freudig genug begrüßen, weil der moralische Einfluß der nationalen Literatur auf die Kräftigung und Erstarkung des Nationalbewußtseins wiederum nicht ausbleiben kann. Beide wirken stets wechselsweise auseinander und können allein das Volk zu den edelsten Gefühlen und Empfindungen, zu den schönsten und herrlichsten Thaten begeistern. Liebe und Begeisterung für Volk und Vaterland ist innig verknüpft und verbunden mit der Liebe und Begeisterung für dessen Geschichte und Schriftthum. Für das Judenthum aber ist dies von höherer Bedeutung, da seine Literatur den schlagendsten Beweis liefert, daß nämlich das Wort der Schrift:, ,,Wahrlich, ein weises und verständiges Volk ist diese große Nation" (5. B. M. 4, 6.) zu allen Zeiten sich bewährt hat. — Es verdienen darum jene Edlen unsere vollste Anerkennung und Hochachtung, die mit aufopfernder Hingebung und Selbstverläugnung unermüdlich an dem An - und Ausbau der jüdischen Literatur arbeiten und mit rastlosem Eifer die Bausteine aus allen Zonen und Welttheilen zur Vollendung des großen und heiligen Werkes zusammentragen. Es ist dies der einzige Lohn, den wir ihnen bieten können, da bei der Ungunst der Verhältnisse, die bisher ohne Ausnahme über die jüdischen Schriftsteller gewaltet, vom materiellen Nutzen und Vortheil gar nicht die Rede sein kann. Bei dem gänzlichen Mangel an Aufmunterung und Unterstützung von Seite des Publikums, bei der völligen Zersplitterung der Kräfte und Arbeiten bleibt immerhin dasjenige, was bisher geleistet wurde, merkwürdig und großartig genug. Doch läßt sich auch nicht läugnen, daß ein regerer Fortschritt sich hierin jetzt kund giebt, von dem das Beste zu erwarten ist, und vorzüglich find die deutschen und hebräischen Zeitschriften und Jahrbücher dazu berufen, nach und nach mehr Einheit in den Bestrebungen anzubahnen.-Wir haben vor uns mehrere Novitäten liegen, die von der geistigen Rührigkeit und Strebsamkeit der jüdischen Gelehrten in Italien wie in Polen, in Deutschland wie in Rußland ein rühmliches Zeugniß ablegen und die wir hier, um sie weitern Kreisen bekannt zu machen, kurz besprechen wollen. Wir beginnen unsere Revue mit dem wissenschaftlichen Jahrbuche, das stets zu den vorzüglichsten Erscheinungen auf diesem Gebiete gezählt wurde — und dessen neue Folge unter folgendem Titel erscheint: LeremCliemeä. Neue Folge. Band IX. Briefe und Abhandlungen, die jüdische Literatur und Wissenschaft betreffend, von den bekanntesten jüdischen Gelehrten, nebst Mittheilungen aus alten Handschriften. Herausgegeben von Senior Sachs. Mitunterstützung deS jüdischen Literatur-Vereins. Berlin 1856.- Herr Sachs hat die Elite der jüdischen Literatur aus den fernsten Kreisen, aus Norden und Süden in seinem Kerem Chemed versammelt, und wir begegnen in den beiden von ihm herausgegebenen Bänden, 8. und 9., den berühmtesten und geschätztesten Namen, die als Mitarbeiter in dem „lieblichen Weinberge" thätig sind. Der Kerem Chemed Iste Folge war seiner Zeit das vermittelnde Organ, das die polnischen und russischen Literaten den deutschen und italienischen (ich erinnere nur, abgesehen von den Leistungen Napoports, an die Aufsätze von N. Krochmal und Slonimsky) näher gebracht und bekannt gemacht hatte, und auch die neue Fortsetzung strebt diese Idee zu realisiren. — Wir müssen bei der Mannigfaltigkeit der Gegenstände darauf verzichten, in eine Analyse derselben einzugehen und können höchstens die größer» Artikel hervorheben. Eine kritische und gründliche Abhandlung von Herrn Luzzato, eine Sammlung von 150 Correcturen falscher, in den meisten Ausgaben der heiligen Schrift vorkommender Tonzeichen, eröffnet den Reigen, worauf dann mehrere inhaltreiche, größere Artikel von Krochmal, Geiger über französische Punctatoren, Plungian aus Wilna über die Bildung der Quadrilitera im Hebräischen folgen. Den Kern des Werkes bildet aber diesmal der gelehrte Briefwechsel zwischen dem bekannten Mathematiker Slonimsky und Pineles über das jüdische Kalendersystem, der von beiden Seilen mit vielem Scharfsinne und vieler Sachkenntniß geführt wird. Herr Slonimsky hat bekanntlich das jüdische sogenannte Hillel'sche Kalendersystem einer kritischen Prüfung unterzogen, dessen hohes Alter bestritten — und deshalb mit mehreren Gelehrten und hauptsächlich mit den Herren Reggio und Pineles einen Briefwechsel angeknüpft, wobei vorzüglich Letzterer die recipirte Meinung vertheidigte. Das Resultat seiner Forschungen hat Herr Slonimsky in einer kleinen gediegenen Schrift, Jessode Haibur, Warschau 1852, veröffentlicht, die aber bisher noch nicht die verdiente Verbreitung gefunden hat. Wir verweisen übrigens auf unfern Artikel: über das Alter des jüdischen Kalenders in Frankel's Monatsschrift, 1856, Novemberheft, wo wir ausführlich diesen Streitpunkt besprochen haben, und noch darauf zurückkommen werden. Außerdem werden noch werthvolle Auszüge, Fragmente aus Manuscripten von Jellinek und G. Polak aus Amsterdam, eine freisinnige Abhandlung über die Anrufung der Engel im Gebet von R. A. Halewi nebst mehreren geistreichen Briefen verschiedenen Inhalts

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