Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 28 (6.7.1857)
- Date
- 1857-07-06
- Page
- Seite 378 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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378 bunt durcheinander gemengt, nach allen Seiten zersprengt, daß es fast unmöglich wird, dessen Meister zu werden. Irgend ein Hauptzweck, ein Plan soll doch derartigen Werken auch zu Grunde liegen, wenn sie wirklich ihre Aufgabe vollkommen lösen wollen. — Es hat der Ozar Nechmad in diesen Blättern bereits eine Anzeige erhalten, und wir wollen darum nur den Inhalt skizziren, um den geehrten Leser auf die Reichhaltigkeit und die Fülle des Gebotenen aufmerksam zu machen. Die vorzüglichsten Beitrage haben geliefert: Geiger, Biographie des Moses und David Kimchi, Notizen und Fragmente aus Manuskripten; Luzzato, kritische Briefe an die Herren Zunz, Sachs und S. Stern über die von denselben herausgegebenen Schriften, Raschis Briefe an die Gemeinde von Cavaillon; Karmoly, Biographie der Familie Abarbanel; Kirchheim, handschriftliche Mittheilungen; Dukes, Collectaneen, Gedichte von Moses ben Esra, Jehuda Halewi, R. Jizchak aus Barcelona u. s. w.; Reggio, Abhandlung über Willensfreiheit, Entgegnung der Kritik des G. Polak über dessen Rechmath Hakabba la; Steinschneider, Aphorismen, Notizen, Bruchstücke von und über verschiedene bisher unbekannte Gelehrte im Mittelalter. Man steht daraus, daß Herrn Blumenfeld die tüchtigsten Kräfte zu Gebote stehen und daß die fleißigsten Schatzgräber in den Bibliotheks-Schächten zu Orford, London und Paris, die Herren Dukes, Karmoly, Steinschneider u. s. w. bei seinem Jahrbuche Mitwirken, was demselben einen um so höheren Werth verleiht. — Es freut mich innig, Herrn Blumenfeld einen würdigen Macen an die Seite setzen zu können. Das folgende Werk ist aus demselben edlen wissenschaftlichen Streben, aus reiner, uneigennütziger Liebe zur jüdischen Literatur hervorgegaugen, dessen Titel aber den Inhalt schwer errathen läßt. Wir meinen nämlich: Amude Haaboda, von L. Landshut. Berlin 1857. — Herr Landshut, vortheilhaft bekannt durch die Edition des Gebetbuches Hegjon Lew, mit historischen Anmerkungen über das Alter der Gebete u. s. w., hat in dem vorliegenden Amiide Haaboda in alphabetischer Ordnung alle religiösen Dichter und Hymnologen nebst deren Gesänge und Gedichte, Poeten und Piutim der Synagoge von den verschiedensten Riten und Agenden, und zwar: von Algier, Avignon, Carpentras, Deutschland, Polen, Rom und Spanien, bibliographisch und biographisch beschrieben und so eben den 1. Theil, —8, edirt. Mit großem Kostenaufwande und mit einem bewundernswürdigen Fleiße hat Herr Landshut alle nur zu erlangenden Gebetbücher, Machsorim, Selichoth und Kinoth theils nach den ältesten Ausgaben, theils nach Handschriften von den angeführten Ritualien gesammelt und studirt und encyclopädisch das Leben der frommen Dichter und deren Gedichte zusammengestellt. Herr Luzzato hat diese Idee bereits vor mehreren Jahren angeregt und ein Verzeichniß der Poetamim, eine bloße Nomenklatur von 516 Dichternamen, darunter eine religiöse Dichterin, die Tochter des Dichterfürsten Jehuda Halewi, angefertigt und veröffentlicht, dem aber die Ritualien von Oran, Fez, Korfu, Montpellier, Romanien, Tetuan, Tripolis und der Karäer auch zugänglich waren. S. Orient, Literaturbl. No. 31. ff. Jahrg. 1848. Es scheint diese Arbeit Luzzatos Herrn Landshut unbekannt geblieben zu sein, obwohl derselbe eine ausführliche Vorrede im 2. Bändchen verspricht.— Wahrhaft staunenerregend ist die unsägliche Mühe und Anstrengung, womit Herr Landshut alles zu seinem Thema Gehörende zusammengetragen, und wir verweisen auf die größern und kritischen Artikel: Iben Esra, von dem 60, Kalir, von dem 163, Jehuda Halewi, von dem 123, Jizchak Iben Gajath, von dem 118 Gedichte und Gebete aufgezählt und nachgewiesen werden, wobei überall genau angezeigt ist, wobei die Piecen in Machsorim, Sammelwerken, Zeitschriften u. s. w. sich befinden. Es bietet demnach dieses Werk eine übersichtliche Darstellung mit den nöthigen literarischen Behelfen der religiösen Poesie der Juden und eine Ergänzung zu den Werken von Zunz, Sachs und Dukes über synagogale Dichtung. Vergleicht man die magere Einleitung Heiden Heims, des Begründers dieser Literatur, zu seiner Machsorausgabe, Rödelheim 1800, mit dem vorliegenden Werke des Herrn Landshut, so kann man nicht umhin, selbst den oft ins Kleinliche gehenden Bestrebungen vieler Gelehrten die gerechte Anerkennung nicht zu versagen, da in diesem halben Jahrhundert Großartiges geleistet und geschaffen wurde. Herr Landshut verspricht nebstdem eine Chrestomathie dex vorzüglichsten Gedichte von Gebirol, Moses ben Esra, Sadias, Gaon u. a. m. herauszugeben, was um so wünschenswerther ist, weil deren Poesien in allen Ritualien zerstreut und in Biblotheken vergraben sind. Möge es Herrn Landshut gelingen, sein schönes Vorhaben bald ausznführen und die Fortsetzung des Amuäo Haaboda, wo eine kritische Einleitung über alle vorhandenen Ritualien und Agenden zu wünschen wäre, ohne Unterbrechung folgen lassen. Zum Schluffe wollen wir noch eines kleinen belletristischen Schriftchens: Keßeth Haßofer, von Jakob La sin aus Rußland, Berlin, Kornegg 1857, erwähnen,