Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 28 (6.7.1857)
- Date
- 1857-07-06
- Page
- Seite 375 (sequence 3)
- Language
- German
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375 die meisten im Reg.-Bez. Posen 5,47 Prct., im Reg.- Bez. Bromberg 5,04 Prct., die wenigsten und zwar unter ^2 Prct. im Reg.-Vez. Merseburg 0,11 Prct., Stralsund 0,ii Prct., Gumbinnen 0,3s Prct., Erfurt 0,41 Prct., Magdeburg 0,42 Prct., Liegnitz 0,43 Prct. Den meisten Ueberschuß an Mehrgeborenen als Gestorbenen hatten unter allen Einwohnern die Juden mit 4,99 Procent, nächstdem die Evangelischen mit 2,15 Procent, bei den Katholiken war solcher nur 1,88 Procent. Der bei der Zählung Ende 1855 Vorgefundene Ueberschuß beträgt bei den Juden 3,2« Prct. bei den Evangelischen 1,68 - bei den Katholiken 1,36 - Am größten zeigt sich also die Volksvermehrung im preußischen Staate bei den Juden; sie war nach dem Zählnngsresultate 1,90 Procent mehr als bei den Katholiken und 1,58 Prct. mehr als bei den Evangelischen. Die Zunahme der Evangelischen überstieg 0,32 Prct. die der Katholiken. Die Iudenmijsionsgesellschaft. Es braucht nicht mit vielen Worten dargethan zu werden, daß die protestantischen Judenmissionsgesellschaften, deren Hauptsitze London und Berlin, längst schon bei ihren eigenen Anhängern das Ansehen, den Werth, die Bedeutung und Anziehungskraft verloren haben. Ihre Ersolglosigkeit, trotz der ungeheuren Summen, die sie verausgaben, der Mißbrauch, den sie theilweise getrieben, und den theilweise jüdische gewissenlose Subjecte mit ihnen getrieben, hat sie zu den veralteten Erperimenten geworfen. Wie es oft geschieht, versucht man in ihrem Schoße bisweilen durch Behauptungen neue Anreizung zu erwirken, Behauptungen, deren Unrichtigkeit, ja Unwahrheit von der jüdischen Presse oft genug erwiesen worden ist. So sprach man jüngst in der Londoner Misstonsgesellschaft von den vielen Hunderttausenden Juden, die zum Christenthume übergegangen, indem man das alte Sprüchwort bethätigte: wenn man eine Unwahrheit glaubhaft machen will, muß man eine recht große wählen. Bei dem letzten Missionsfeste stellte ein gewisser Krüger die Behauptung auf, daß jährlich 20,000 Juden sich taufen ließen. Die deutschen Zeitungen, die dies mittheilten, bemerkten nützlicher Weise dazu, womit dies der Herr Krüger verbürgen wolle? Die Antwort blieb der gute Mann schuldig. In der That melden die Zeitungen meist von jedem einzelnen Falle solcher Art, und dann müßte doch die Menge derselben zu Tage kommen. Zu einem Kontingent von 20,000 Mann jährlich würde schon eine ziemliche Anzahl aus jeder größeren Gemeinde erforderlich sein, und davon müßte man hören. Die ganze Behauptung gehört in das Reich der kühnsten Unwahrheiten, und wir können sie nur aus der außerordentlichen Begeisterung des Herrn Krüger erklären, welche bekanntlich es mit einigen Nullen mehr oder weniger nicht genau nimmt. Im geraden Gegentheil können wir aus den gewissenhaftesten Untersuchungen behaupten, daß seit Jahrzehenden der Uebertritt von Juden bedeutend seltener geworden, als in den Zwanziger und Dreißiger Jahren. Die milderen Gesetze Alexander II. Huben auch den furchtbaren Gewaltmaßregeln ein Ende gemacht, durch welche so viele jüdische Kinder in Rußland ihren Eltern und ihrem väterlichen Glauben entrissen wurden. Unsere Behauptung stützt sich auf die amtlichen statistischen Berichte, nach welchen in allen Staaten die jüdische Bevölkerung sich bedeutend vermehrt, nirgends, selbst in Rußland nicht, vermindert hat. In Preußen ist die Anzahl der Juden seit 1817 von 170,000 auf 234,000 gestiegen, und selbst in den letzten drei Jahren, wo die Bevölkerung des Staates so geringen Wachsthum zeigte, vermehrten sich die Juden um 4 Procent, während die anderen Confesflonen nur um 1 Procent stiegen. In Frankreich hat sich die jüvische Bevölkerung seit 1813 mehr als verdoppelt; in England ist sie auf enorme Weise angewachsen, in Nordamerika hat sie einen außerordentlichen Anwachs erlangt — und doch zeigt sich in keinem andern Staate der Welt eine merkliche Abnahme. Dabei ist es erwiesen, daß die Zahl der Ehen und Geburten bei den Juden eine verhältnißmäßig geringere, und nur die längere Lebensdauer der Individuen diese größere Vermehrung bewirkt. Gerade dieser letzte Umstand nimmt den Behauptungen jener Missionäre den letzten Rechtfertigungsgrund. Wir haben den frommen Erpectorationen jener Herren diese einfache Zurechtweisung nicht ersparen können. Literarischer Wochenbericht. Jamnitz, im Juni. Die liebevolle Pflege, deren sich gegenwärtig die jüdische Wissenschaft und zum Theil auch die neuhebräische Literatur zu erfreuen hat, haben wir vorzüglich dem Wiedererwachen des Nationalbewußtseins im 28*