Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 27 (29.6.1857)
- Date
- 1857-06-29
- Page
- Seite 366 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Brilon 2× ep/1047853
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366 Mächten wegen des schnellschreitenden Unglücks kein ewiger Bund zu flechten ist, so möchten sie dieselben gern öffentlich in die Hölle werfen, fürchteten sie nicht, sich hierdurch selbst zu blamiren. In der Regel nimmt alsdann auch die öffentliche Meinung, weil sie dieselbe mißbraucht haben, von ihren Klagen keine Notiz. Wir könnten Falle anführen, wo Lehrer durch daS Anfangs ihrer Gemeinde gespendete Lob selbst ihrem Rufe geschadet haben und zum Danke von der gelobhudclten Gemeinde nicht wenig gemaßregelt worden sind. Darum, Ihr Herren College», esset erst mit Euren Gemeinden einen Scheffel Salz, und lobet sie dann tüchtig darauf los, wenn Ihr noch der Ueberzeugung seid, daß sie des Lobes würdig sind. Nur macht Euch nicht selbst lächerlich! — —. Nach dieser Zeitung könnte man glauben, daß der Rabbinersitz des Nestors der neuen Rabdinen, des hochwürdigen, seligen Joseph Friedländer zu Brilon wieder besetzt worden sei. Dem ist aber nicht so. Herr Landauer ist von der Gemeinde Brilon nur als Lehrer engagirt. Das ist das Thatsächliche an der Sache. Wie lange noch der Sitz des unvergeßlichen Friedländer wird unbesetzt bleiben, oder ob er je wieder besetzt werden wird, können wir nicht Vorhersagen, aber auch die Behauptung nicht unterdrücken, daß die Juden Westphalens wegen des Unbesetztlassens dieses ihres einzigen Rabbinerstuhles den strengsten Tadel verdienen, zumal bei Erwägung, daß der Regierungsbezirk Arnöbcrg — das sogenannte Herzogthum Westphalen — aus früheren Zeiten einen Fond besitzt, woraus der Rabbiner besoldet wird. Die Familie Friedlänber zu Brilon könnte gewiß nicht in würdigerer Weise das Andenken ihres Vaters und Großvaters feiern, als dadurch, daß sie Sorge trüge, daß dem würdigen Dahingeschiedenen ein würdiger Nachfolger im Amle gegeben würde, da dieselbe vorzugsweise durch die in ihr vorhandene Intelligenz befugt und berechtigt ist, sich an die Spitze dieser Angelegenheit zu stellen und die Sache in die Hand zu nehmen. Doch für heute genug. Wir kommen, mit Ihrer Genehmigung, Herr Redacteur, vielleicht recht bald nochmals auf dieses Thema zu sprechen zurück. R. Wolfsdorf. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, 7. Juni. (O. Bl.) Vom Physikus der Stadt Pesth ist „eine Statistik der Bevölkerung in Osen-Pesth und deren Bewegung im Jahre 1854—1855" erschienen, die interessante Daten bietet. Auch da gelangt man zu der mehrfach gemachten Beobachtung, daß die Trauungsziffer am niedrigsten sich bei den Juden herausstclle, und daß somit die offenkundige Zunahme des israelitischen Stammes, da sich auch die Geburtsziffer bei denselben weit ungünstiger als bei den übrigen Glaubensgenossen zeigt, einzig dem auffallend günstigen Mortalitätsverhältnisse dieser in der Regel einer ungleich längeren Lebensdauer sich erfreuenden Race zuzuschreiben sei. (Die gleiche Erfahrung ist bereits in vielen Ländern gemacht worden, daß also die größere Zunahme der jüdischen Bevölkerung nicht von der größeren Zahl der Geburten, sondern von der bedeutend geringeren Zahl der Sterbefälle herrühre. Die Ursachen werden in Folgendem gefunden: 1) die ungleich geringere Zahl von unehelichen Kindern, deren Behandlung niemals so sorgfältig ist, wie die der ehelichen Kinder; 2) die größere Zärtlichkeit und Friedfertigkeit der Ehen, gehoben durch die weniger leichtfertige Schließung der Ehen, da in der Regel der Jude erst dann heirathet, wenn er Aussicht auf Ernährung einer Familie hat, »deshalb auch die Trauungsziffer eine geringere ist; 3) die schonende Behandlung der Schwangeren, weshalb die Zahl der todtgeborenen Kinder bei den Juden außerordentlich gering ist; 4) die Pflege der Kinder, weshalb die Zahl der unter 14 Jahren versterbenden Kinder eine minder große ist; 5) eine nüchterne, mäßige, den Ausschiveifungen weniger ergebene Lebensweise. Ob hierzu eine genetische Anlage der Race zu einer größeren Lebensdauer komme, ist weder nöthig anzunehmen, noch irgendwie erweislich. D i e Redaction der Allg. Zeit. d. Jud.) Wien. Nach den amtlichen Angaben ist unsere Stadt von 442,207 Köpfen, darunter 15,376 Israeliten (fast 3000 mehr als Protestanten) bewohnt. Staniölau, im Juni. (Privatmitth.) Oesfentliches Geständniß eines christlichen Staatsmannes. In einer Zeit, wo so oft Uebelwollende zu ihrer eigenen Schande die gehässigsten Gesinnungen offen zur Schau tragen, um eine ganze Nation der unsinnigsten, mittelalterlichen Erdichtungen zu beschuldigen, und einen neuen Kreuzzug gegen sie heraufzubeschwören, wie z. B. die absurde Blutbeschuldigung eines Herrn Sebastian Brunner, eines Herrn Jarisch und Consorten, in einer solchen Zeit mag das öffent-