Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 27 (29.6.1857)
- Date
- 1857-06-29
- Page
- Seite 365 (sequence 7)
- Language
- German
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365 Süddeutsche ein tiefgefühltes, unabweisbares Bedürfniß. Allein nur in Starkenburg sind laut der öffentlichen Blätter jetzt 14 Lehrer- und Vorbeterstellen vacant. Der einzig passende Ort für ein solches Institut wäre jedoch nur Frankfurt. Dort sind die geeigneten Lehrkräfte und alle sonstigen Mittel in vollständigster Weise bereits vorhanden. Es bedürfte nur des anregenden Worts und des einträchtigen Wirkens der ausgezeichnetsten Männer Frankfurts: Leop. Stein, Dr. Stern, Dr. Jost u. A. m. Aber wie wir hören, sind diese Männer völlig entzweit. Diese Entzweiung ist im allgemeinen Interesse tief zu beklagen. Möchten doch diese Männer einsehen, was sie vereint wirken könnten, und wie sie durch Trennung nur ihren Gegnern, der Frankfurter Hyperorthodorie, die eben so einig als eifrig ist, in die Hände arbeiten. Bei der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung, die am 3., 4. und 5. Juni in Frankfurt tagte, sollen sich auch sehr viele Israeliten und in ausgezeichneter Weise beiheiligt haben. Kl. in O. Preuße». Anrath, 11. Juni. (Privatmitth.) Wir erlauben uns, den Artikel des Herrn Laser in No. 24. dieser Zeitung, ohne der Person des Berfasscrs oder der Gemeinde Bochum, welche, so viel wir sie kennen, zu den geachletsten Gemeinden Westphalens gehören soll, nahe treten zu wollen, zu berichtigen. Wenn Herr Laser im angezogenen Artikel die Gemeinde Bochum, deren Lehrer er so zu sagen erst seit gestern ist, zum Baue einer Synagoge öffentlich auffordert, so finden wir das lobenSwerth, und wenn derselbe seine Gemeinde, weil Mitglieder derselben mirabile dictu städtische Ehrenämter bekleiden, zu loben sich veranlaßt sieht, so haben wir, streng genommen, auch dagegen nichts einzuwenden; wenn er aber sagt, daß „man im Sauerlande selten eine Gemeinde mit gebauter Synagoge findet, indem daselbst Gottesdienst und Schule brach lägen", so hat er dieses — wenn wir unö darin nicht irren, daß Herr Laser zuletzt in Padberg Lehrer gewesen ist — ohne reifliche Erwägung, um nicht gegen besseres Wissen zu sagen, geschrieben, und bedarf es daher der Widerlegung. Sie selbst, Herr Redacteur, haben noch im vorigen Herbste die Synagoge in Stadtberge (Unterstadt) eingeweihet (wo, was Sie mir wohl beiläufig zu bemerken erlauben, Schreiber dieses das Glück hatte, Sie persönlich kennen zu lernen, und gern erinnert sich derselbe des Tages, wo er in Gesellschaft von College» das wenn auch nur zu kurze Vergnügen sich Ihres schätzenSwerthen Umgangs zu erfreuen hatte); aber auch die Oberstadt hat eine schöne Synagoge, und vielleicht dürfte sich im ganzen Staate kein ähnliches Beispiel aufweisen lassen, daß zwei so nahe zusammenliegende, wenig zahlreiche Gemeinden zwei Synagogen besitzen. — In der Synagoge der Oberstadt befindet sich in einem desondern Schränkchen ein Manuscript des berühmten kabbalistischen Werkes von Rabbi Chajim Vital in Folio« — Padberg, ein kleines Dorf, hat seit allen Zeiten eine Synagoge und Schule. Die Opfer aber, die diese Gemeinde bringt, wird Herr Laser selbst, wenn wir unö nicht irren, wohl anerkennen müssen. In Madfeld ist die neue Synagoge, da die sehr alte im vorigen Jahre ein Raub der Flammen wuroe, der Vollendung nahe. Brilon, Alme, Meschede, Arnsberg, Winterberg, Lasphe haben ihre Synagogen; fast jedes Oertchen, das sein Minjan hat, hat auch in der Regel seine gebaute Synagoge. Wenn aber Orte, wie Messinghausen und Thilon — im ersten Orte wohnt nur eine, im andern zwei Familien — keine Lynagoge besitzen, so wird das Herr Laser wohl sehr natürlich und daher entschuldbar finden. Daß es aber auch um die Schule im Sauerlande nicht schlechter steht als anderöwo, können wir aus eigener Erfahrung behaupten. Es steht dort an manchen Orlen sogar besser; denn man ist von dem Nachtheile des Lehrerwechsels überzeugt, und engagirt nicht selten, um diesem vorzubeugen, sogar nicht qualisicirte Lehrer auf mehrere Jahre. So wären wir mit unserer Entgegnung zu Ende, möchten hieran aber noch eine auS längerer Erfahrung geschöpfte Bemerkung knüpfen. Wir haben nämlich während der nun fast drei Lustra unserer praktischen Thätigkeit oft die Wahrnehmung zu machen Gelegenheit gehabt, daß Lehrer, wenn sie eine neue Stelle antraten, was in Westphalen und Rheinland wegen des fortwährend auf der Tagesordnung stehenden Lehrerwechsels nicht selten der Fall ist, diese, ohne Ort und Leute, ja oft ohne die Schicksale des Vorgängers, was er geleistet und was er verdient oder unverdient zu leiden gehabt hatte, zu kennen, in den Himmel öffentlich durch die Zeitungen zu heben suchen; sind sie aber ein oder zwei Jahre da in Function gewesen und haben einsehen gelernt, daß mit jüdischen Gemeinde-