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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-29 · Heft 27 (29.6.1857) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 27 (29.6.1857)
Date
1857-06-29
Page
Seite 364 (sequence 6)
Language
German
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364 land cursirenden Werkes fei. ES scheint also, da ein A. Stein in Danzig außer mir nicht vorhanden ist, daß Jemand meinen Namen gemißbraucht habe. Ich werde mich bemühen, den Fälscher zu entdecken und daS Resultat seiner Zeit veröffentlichen. Vorläufig sehe ich mich zu der Erklärung genöthigt, daß ich einWerk unter diesem Titel nicht geschrieben habe. Br. A. Stein, Rabbiner. Buchau am Federsee, 31. Mai. (Privatmitth.) Am heurigen Tage wurde die 25jährige Jubelfeier des hiesigen Armenhülfsvereins sehr festlich begangen, sowohl durch gottesdienstliche Feier, als durch ein fröhliches Festessen. Der Verein hat in dieser Zeit sowohl zelne, einsame Erscheinung, sondern in größerer oder kleinerer Menschenvereinigung ihre Thalkraft zu entwickeln und zu bewähren. Ostentation ist allerdings zu vermeiden, liegt aber in der That noch öfter der Wohlthätigkeit der Individuen, als der Vereine zu Grunde. Nichts ist mehr Bedürfniß unter uns Juden, als Gemein sinn zu wecken und zu nähren, und die Vereine bieten hierzu eine kräftige Handhabe. Eben so müssen wir dem Correspondenten bestreiten, daß das Streben, die Masse des Volkes von seinen Leiden möglichst zu befreien und einem Jeden einen kleinen Antbeil an den Gütern der Erde zugängig zu machen, der Neuzeit angehöre; wir müssen dies wenigstens dem Judenthume gegenüber aufs Nachdrücklichste bestreiten. Der Korrespondent hat hierbei das classtsche Alterthum im Auge, aber dies genüget nicht in Dingen, die das letztere betreffen. Wenn der Korrespondent einen tieferen Blick in die mosaischen Institutionen wirft, in die Gesetze über Bodenvertheilung, Zinsverbot, Armenwesen u. s. w., so muß er eingestehen, daß das Judenthum in seiner ersten Grundlage schon nicht aus weichlichen Gefühlen, und nicht aus revolutionären Gelüsten, und nicht aus materiellen Begierden, sondern aus tiefem, ernstem, göttlichem Gesetzgebergeiste heraus thalkräftig gebot, was die Neuzeit kaum in Anfängen will, und leider sehr bald aus Hellem Lichte zu Irrwischen über dunkeln Sümpfen gemacht hat. Liest er dann die Propheten, so wird ihm überall der Geist entgegentreten, welcher zuletzt sich in der bestimmten Verheißung sormulirte: ,,Ein Jeder soll sttzen unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum." Geht er zuletzt die Vorschriften des Rabbinismus durch, und erinnert er sich, daß dem armen Juden nicht blos „Fleisch und Wein zum Feste", sondern auch „die Rosinen zur Sabbathspeise" gereicht wurden — so muß er auch hier als eine uralte Sitte, als einen wesenhaften Bestandtheil des Judenthums anerkennen, was die Neuzeit in ihrer Unwissenheit und Selbstüberschätzung sich als ihr Eigenthum zuschreibt. Es ist dies nichts Neues für uns, aber darf uns nickt abhalten, uns dagegen zu verwahren. Die Redaction. hier als durch sein Filial Kappel höchst segensreich gewirkt, und in dieser Zeit an 3200 Gulden verausgabt, so wie an 4200 Gulden Fond gesammelt. Bei dem Festmahle wurde die Gründung einer Vorschußkasse verabredet und sogleich durch ansehnliche Spenden fundirt. Wörlitz (bei Dessau), im Juni. (Privatmitth.) Herr Stadtchirurg Abraham Lichtenstein Hierselbst wurde vor ungefähr zwei Jahren von mehreren Aerzten und vielen israelitischen Familien aus der Umgegend veranlaßt, daS Amt eines Mohels anzunehmen. An dem ihm damals geborenen Söhnlein vollzog er zum ersten Male diese für den „Vater" schwierige Aufgabe, löste sie aber mit einer solchen Geschicklichkeit, daß der dem Acte beiwohnende Assistenzarzt, Herr vr. Kinner von hier, voller Verwunderung dem Herrn ic. Lichtenstein seine beste Anerkennung zollte. Seitdem sind nun unserem Mohel schon viele dieser Operationen gelungen, und hat sich bei einer solchen Gelegenheit, wie wir gehört, auch Herr vr. Böttcher in Leipzig aufdas Günstigste ausgesprochen, und die Fertigkeit wie auch Sachkenntniß deS Herrn Lichtenstein, die er sich als Chirurgus vielfach zu erwerben Gelegenheit hatte, bewundert. — Wir können nicht unterlassen im Interesse unserer übrigen Glaubensgenossen, denen der Ruf dieses Mannes noch nicht zugckommen, ihnen denselben auf das Beste zu empfehlen. — Möge Gott diesem in seinem Operiren seltenen Manne fernerhin seine Gesundheit erhalten, damit er lange zum Besten Israels wirken möge! Mehrere Väter. 6. U. Rheinheffen, 10. Juni. (Privatmitth.) In No. 19. dieser Zeitschrift wurde uns die Anzeige, daß demnächst die israelitischen Gemeinden Starkenburgs (einer hessendarmstädtischen Provinz) gesonnen seien, ein israelitisches Schullehrer-Seminar zu gründen, und daß bereits auf sechs Jahre eine Rente von 1500 Fl. zu diesem Zwecke gesichert sei; daß schließlich Pfungstadt als Sitz dieser Anstalt bestimmt sei. Aber nichts von alledem. Pfungstadt ist ein unbedeutender Flecken von 400 bis 500 Einwohnern, und die gesammten Lehrkräfte mit sammt dem ganzen Plan und den ebenfalls illusorischen 1500 Fl. eristiren wahrscheinlich nur in dem Kopfe eines Rabbinatscandidaten. Wir können hier eine naheliegende Bemerkung nicht unterdrücken. Ein Schullehrer-Seminar ist für uns

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