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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-22 · Heft 26 (22.6.1857) · p. Seite 354

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 26 (22.6.1857)
Date
1857-06-22
Page
Seite 354 (sequence 10)
Language
German
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354 London, 11. Juni. Der Herzog von Norfolk begab sich gestern an der Spitze von 30 bis 40 katholischen Parlamentsmitgliedern zu Lord Palmerston, um gegen die Fassung der EidabänderungSbill (Judenbill) zu protestiren. Wenn der den Katholiken 1829 auferlegte besondere Eid nicht abgeschafft werde, gab die Deputation zu verstehen — so würden die katholischen Mitglieder ein Amendement zu dem Zwecke stellen, und wenn auch dadurch die Judenbill ganz und gar scheitern sollte. Lord Palmerstons Vorstellungen, daß dies eine sehr unzeitgemäße Empfindlichkeit von Seiten der katholischen Mitglieder wäre und daß er den Katholikeneid für jetzt nur aus Rücksicht auf die Vorurtheile der Majorität unangetastet lasse, schienen auf die Deputation keinen Eindruck zu machen. Welchen Weg die katholischen Mitglieder bei der Comiteberathung einschlagen und ob sie wirklich der ultraprotestantischen Opposition in die Hände arbeiten wollen, darüber verlauten widersprechende Gerüchte. Der „Globe" scheint einen Fall der Judenbill für rein unmöglich zu halten; die „Times" dagegen halten den irischen Eigensinn jeder Verrücktheit fähig. Am Ende sei der Katholikeneid bei allem seinem Unsinn, den er mit politischen Eiden überhaupt gemein hat, kein nennenswertber Beschwerdegrund, da er keinen englischen Papisten von Aemtern und Würden ausschließt. Aus bloßem Groll über die verletzenden Erinnerungen, welche die Fassung desselben wach rufen mag, die Abschaffung eines anderen Eides, der ein wirklich häßlicher Riegel für eine gekränkte Volksclaffe sei, hindern zu wollen; das wäre ein Beweis von Selbstsucht, der sich bei künftigen Gelegenheiten rächen würde. So die „Times". Darf man jedoch dem „Advertiser" Glauben schenken, so würde die katholische Opposition nur dem Oberhause einen langweiligen Abend ersparen und das Unterhaus endlich zur Erledigung der Judenfrage durch eine einfache Beschlußfassung (wie beim Falle des Quäkers Pease) bewegen. Da Baron Rothschild sein Wort gegeben hat, in diesem Falle sein Mandat niederzulegen, so stünde eine neue Parlamentswahl in der City bevor. Schweden. Gothenburg, im Juni. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde, welche erst seit 60 — 70 Jahren besteht, mit anderen in gar keiner Verbindung stand und aus den verschiedenartigsten Elementen zusammengesetzt ist, besitzt dennoch Anstalten, namentlich wohlthätige, wie sie nur wenige Gemeinden aufzuweisen haben. Es besteht hier 1) eine nw'Np mit einem ansehnlichen Fonde; 2) seit 30 Jahren ein Verein zur Unterstützung von Handwerkern und Kaufleuten, ein Vorschußverein mit einem Fonde von 6000 Thlrn. Pr. Crt.; 3) zwei Stiftungen zur Ausstattung von Bräuten; 4) ein Fond zur Unterhaltung der jüdischen Schule (Göttilda-Schule)) 5) der H. I. Heyman'- sche Stiftungsfond, aus welchem verschämte Arme ihre Miethe erhalten; 6) ein vor vier Wochen gestifteter Stipendienfond mit einem Capital von 5000 Thlrn. Pr. Crt. — Außerdem hat die Gemeinde eine herrliche Synagoge und ein herrliches Schulhaus, beide so gut wie schuldenfrei, einen Rabbinen, einen zweiten Prediger und Religionslehrer, zwei Cantoren, die zugleich a^amw sind. Auch werden aus der npiL mehrere- Male im Jahre Holz, Mehl und andere Victualien, am nös die nöthigen msa und regelmäßige Geldspenden ausgetheilt. Wenn wir uns fragen: was hat in einer so kleinen Gemeinde so Großes und Herrliches geschaffen? so müssen wir uns sagen: die ewig neue, ewig frische Kraft des Judenthums allein konnte solches bewirken. Diese Erfahrung hat mich ungemein gestärkt und gehoben. Was den religiösen Sinn in der Gemeinde betrifft, so ist er im Allgemeinen befriedigend; namentlich zeigt sich eine allgemeine Betheiligung am Gottesdienste, in letzterer Zeit auch von ganzen Familien, welche sonst dem Judenthume fern standen. Dazu hat natürlich die neue Gottesdienstordnung viel beigetragen. Daß der vr. Heinemann sein Amt niederlegte, weil die Gemeinde Reformen einführen wollte, die er für religionswidrig erklärte, ist Ihnen gewiß bekannt. Er war 20 Jahre Rabbiner und hat darum mit tiefem Schmerze den Hirtenstab aus der Hand gegeben. Die Gemeinde beabsichtigt jetzt die Herausgabe eines Gebetbuches mit einer schwedischen Uebersetzung, die hier eine Nothwendigkeit ist. Man hat das Geiger'sche zu Grunde gelegt, wird aber in der Messias- und Opferfrage noch konsequenter verfahren. Ich bin auch Mitglied der Commission, habe mich aber entschieden gegen ein Streichen solcher Stellen aus unserem Gebetbuche erklärt, die den Wunsch um Wiederkehr nach dem heiligen Lande enthalten. Ein solches Streichen ist entgegen der göttlichen Verheißung, die enthalten ist 5. B. M. 30, 3 — 7. Uebrigens ist die hebr. Sprache die öffentliche Ge-

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