Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 26 (22.6.1857)
- Date
- 1857-06-22
- Page
- Seite 353 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226039-3226066--16190-3245030- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
353 geschätzten Organe unserer jüdischen Presse jüngst unangenehm auffiel, zu erwähnen. — Da hieß es nämlich bei der Nachricht von der Amtsabdicirung des vielgeehrten vr. Salomon in Hamburg: „wo sind die Männer, die einst Salomon, Mannheimer ersetzen sollen?" In ähnlichem Sinne spricht sich ein sehr würdiger Rabbiner in seiner dem Andenken Schwab's gewidmeten Trauerrede aus«— Wenn es nun auch jeden glaubenstreuen Israeliten innig freuen muß, die Verdienste unserer jüdischen Heroen der Theologie gewürdigt zu sehen, so muß doch die Art und Weise, wie bei dieser Gelegenheit einem gegenwärtigen und kommenden Geschlechte gleichsam alle Tüchtigkeit und Entwicklungsfähigkeit abgesprochen wird, schmerzen. — Wir sind weit entfernt, den jungen Streblingen der Jetztzeit auf rabbinischem Gebiete Vollkommenheit oder auch nur glänzende Aussichten zu großen Hoffnungen zuzumuthen, auch wissen wir, daß Manche diese unsere Aeußerung als pro domo belächeln dürften, aber so viel dürfen wir doch im Vertrauen auf den göttlichen Beistand aussprechen: noch ist Israel nicht so arm sowohl an bereits tüchtigen Männern, als auch an mit Willenskraft begabten Streblingen, die wenigstens den Muth und die Energie haben, jenen würdigen Vorbildern nachzustreben, und dem guten Willen, unterstützt durch ein gotterfülltes Herz und durch Hingebung für den heiligen Beruf, ist schon Manches gelungen. — Warum nun das ohnehin fürs Judenthum nur allzuwenig begeisterte jüdische Volk durch solch trüben Blick in die Zukunft entmuthigen? warum das Vertrauen zu den künftigen Seelsorgern im Vorhinein schwächen? Jede Zeit hat ihre großen Männer, und wie nach dem Ausspruche Napoleons I. jeder gemeine Soldat der französischen Armee den Marschallstab in der Patrontasche trägt — so hat jeder strebsame, für seinen Stand begeisterte und seine Zeit nicht verkennende Rabbiner die Anwartschaft auf eine hervorragende Stellung im Judenthume. — Nur ein wenig mehr Vertrauen auf den Beistand Gottes, dessen Gnadensonne alle Früchte eines rüstigen Strebens herrlich reifen wird; nur ein wenig Vertrauen auf die geistige Kraft Israels, die nie ausstirbt, und wir können ruhig in die Zukunft blicken. vr. Adolf Ehrentheil, Rabbiner. Tachau, im Mai. (Privatmitth.) Den israelitischen Frauen der Gemeinde Tachau wurde die große Ehre zu Theil, ein Anerkennungsschreiben von Ihrer Majestät der Kaiserin für die Gründung -es Talmud- Torah-Frauenvereins, der Allerhöchstihrer Majestät gewidmet wurde, zu erhalten. Das Tachauer Rabbinat, durch dessen Veranlassung der Verein am Osterfest 1856 als Ftstopfer für die damals bevorstehende Entbindung Allerhöchstihrer Majestät gegründet und gewidmet wurde, ward durch daS hohe k. k. Ministerium des Innern auf Allerhöchsten Wunsch Ihrer Majestät aufgefordert, sämmtlichen Vereins gliedern Allerhöchstihre Anerkennung bekannt zu geben und daß diese Widmung Ihre Majestät sehr erfreut hat. —. Das Bürgermeisteramt der Stadt Tachau hat einen schlagenden Beweis gegeben, wie sehr demselben das Armenwesen am Herzen liegt. Einige Israeliten der Gemeinde Tachau haben aus Vorliebe zum Ackerbau nach der provisorischen Beschränkung vom Oktober 1853 einige Grundstücke mit der Absicht gekauft, sich hierzu das Erwerbungsrecht von der Allerhöchsten Gnade Ihrer Majestät, wie dies seit dieser Zeit nicht selten war, zu erbitten. Damit es aber nicht den Anschein habe, als hätten die Käufer das Gesetz umgangen, haben selbe den Kauf amtlich angemeldet, zugleich um die vorläufige Pränotirung angesucht, die auch bewilligt wurde. Auch um die Steuerbemeffung ward angegangen, die ebenfalls erhalten wurde. Jedoch nach einiger Zeit kam ein unerwarteter Schlag. Das löbliche Bezirksamt hat sämmtliche Grundstücke zum Besten des Armenfondes confiscirt. Die Betreffenden jedoch, zu hart betroffen, da diese Grundstücke ihr ganzes Vermögen bilden, haben sich in ihrer Noth au die hohe Statthalterei gewendet, die sogleich die Confiscirung widerrufen hat, mit dem Bedeuten: entweder haben die Betreffenden ihre Grundstücke innerhalb eines Jahres zu verkaufen, oder sich das Erwerbung Sr e ch t zu erwirken. Dagegen hat nun unser Bürgermeisteramt zu Gunsten des Armenfonds (obgleich die Betreffenden hierdurch selbst verarmen müßten) einen Recurs an das hohe Ministerium eingebracht, mit dem Wunsche, daß eS bei der Confiscirung bleiben möge. Wir Alle sind auf den hohen Bescheid sehr gespannt. Großbritannien. London, 9.Juni. Unterhaus. Sitzungvom8. Juni. Die auf den parlamentarischen Eid bezügliche Bill wird zum zweiten Mal verlesen. 26