Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 26 (22.6.1857)
- Date
- 1857-06-22
- Page
- Seite 352 (sequence 8)
- Language
- German
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332 sich hoffen, daß bei zunehmender Ueberzeugung Von dem günstigen Resultate die wenigen noch obwaltenden Uebelstände, die aber blos der Befangenheit Einzelner zugefchrieben werden müssen, schwinden werden, und es unS bald gegönnt sein wird, über die Gesammtverhältniffe der genannten Gemeinde mehr und nur Gutes berichten zu können. — Bevor wir unfern Blick weiter richten, können wir nicht umhin, eines ManneS rühmend zu erwähnen, der durch Wort und That das Gedeihen gut begonnener Bestrebungen herbeizusühren sucht. Es ist dies der im talmudischen Gebiete wie in philosophischen und andern Wissensfächern gleich tüchtige RabbinatSasseffor und Religionslehrer Herr Rayschberger, der in Gotteshaus und Schule unverdrossen und segensreich,wirkt, und durch Bescheidenheit und edlen Charakter sich die Achtung jedes Besserbenkenden erwirbt. Einige Stunden weit von Raab ist Totis, eine viel kleinere und weniger reiche Gemeinde, die aber durch Opferwilligkeit einiger Gemeindeglieder, unter denen der Vorsteher, Herr Singer, hervörleuchtet, und durch das energische Wirken des Oberlehrers, Herrn Lederer, in ihrem Schulwesen den größten Gemeinden deö Landes als Muster vorgeführt zu werden verdient. Wir finden daselbst ein herrliches Schulgebäude, ausgestattet mit Lehrmitteln in solcher Auswahl und solcher Zweckmäßigkeit, wie sie vielleicht keine Landschule besitzt, und die beinahe alle durch Freigebigkeit einiger edlen Schulfreunde herbeigeschafft wurden. Seit zwei Jahren ist diese so treffliche Schule aus Anerkennung der großartigen Leistungen von der Regierung zur Musterhauptschule erhoben worden. Möge nur die Gemeinde bedacht sein, bei dem Abgänge des Herrn Lederer, der, wie wir hören, zum Wintercurse einen öffentlichen Lehrerposten in Pesth antreten soll, einen Mann zu wählen, der das so schön begonnene Werk im Geiste und mit der Energie seines Vorgängers weiter führe. Eine Schilderung minder günstiger Schulverhältnisse wollen wir uns für ein nächstes Mal Vorbehalten. Fischer. Horie, im Mai. (Privatmitth.) Vor mir liegt nun bereits die vierte Nummer eines den Interessen deö Judenthums in der Moldau-Walachei gewidmeten, in französischer und roumänischer Sprache geschriebenen, wöchentlich ein Mal in Folio in Bukarest erscheinenden Blattes, betitelt: L ’ I s r a e 1 i t e Romaine, redigirt von den Herren Ascher und Weinberg. Es ist seinem Inhalte nach weniger für daS jüdische Volk selbst, als vielmehr für die nichtjüdischen Leser, zunächst aber dazu bestimmt, der zur Regelung der innern Verhältnisse der Fürstenthümer zusammentretenden Commission Winke über die Verhältnisse und Bedürfnisse der dortigen Judenschaft zu geben, und deren Aufmerksamkeit in dieser Beziehung zu erregen. So schön und löblich dieser Zweck nun an und für sich auch ist, so sieht man es dem Blatte doch allzu sehr an, daß die Redaction mehr guten Willen als wirkliche Gewandtheit bis jetzt an den Tag legt — so bemüht sich in Nro. 2. Herr Ascher, dem übrigens ein schöner fließender Styl nicht abgesprochen werden darf — vergebens, den jüdischen Patriotismus aus einigen Gebetstücken und sonstigen verschiedenen Ausdrucksweisen unserer Liturgie nachzuweisen — wozu dies? wozu den Beweis für jüdischen Patriotismus im Gebiete der Worte suchen, warum nicht lieber ins thatenreiche Leben greifen? warum nicht lieber auf die unverwelkbaren Kränze Hinweisen, mit denen zu allen Zeiten, im Frieden wie im Kriege, die jüdischen Söhne aller Völker in der Geschichte der neuesten Zeit sich geschmückt? warum nicht auf die jüdischen Helden des Befreiungskrieges, warum nicht auf die vor Venedig und Novara gefallenen oder mit der Tapferkeitsmedaille geschmückten jüdischen österreichischen Krieger, warum nicht auf die russisch-jüdischen heldenmüthigen Kämpfer an der Alma oder am Malakoff Hinweisen, auf die Männer, die mit ihrem Blute es besiegelt haben, daß sie für ihr Vaterland zu leben und zu sterben wissen; oder sind die von jüdischen Händen bei jedem Anlasse auf dem Altar deö Vaterlandes so reichlich niedergelegten Opfer minder sprechende Beweise für jüdischen Patriotismus als bloße Gebetformeln? — Doch das Blatt ist noch zu jung und dessen Tendenz zu rein, als daß man es einer strengen Rüge unterwerfen dürfte — nur möge cs überhaupt mehr dem jüdischen Volke selbst sich zuwenden, möge es versuchen Licht zu verbreiten im jüdischen Kreise der Fürstenthümer, auf daß der dort nur allzu sehr vorherrschende Geist des Jndifferentismus aus allen Schichten unserer Glaubensgenossen weiche, das thut vor Allem noth. — Ich kann bei dieser Gelegenheit nicht umhin, auch einen andern kleinen Tactfehler, der in einem sonst sehr