Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 26 (22.6.1857)
- Date
- 1857-06-22
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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351 solchen praktischen Methodenvorführung verhalten sich die übrigen Vereinsmitglieder ganz ruhig, und erst nachdem die Schüler entlassen, beginnt die freundschaftliche Besprechung der betreffenden Unterrichtsweise. Dies der kurze Abriß der beabsichtigten Wirksamkeit des Vereins; die äußere Einrichtung desselben kann ich füglich übergehen. Diese Arbeit der Statutenrevision nahm die ganzen Vormittagsstunden bis 1 Uhr in Anspruch. Nachdem hierauf die Sitzung zur Erholung und Einnahme eines frugalen gemeinschaftlichen Mittagsmahles auf eine Stunde lang unterbrochen, wurde sie um 2 Uhr wieder fortgesetzt. Jetzt kamen Fragen einzelner Mitglieder, als: 1) Ist es in der israelitischen Schule nicht blos thunlich, sondern sogar angemessen und ersprießlich, mit dem Uebersetzen der heil. Schrift, vornehmlich des Pentateuchs und mancher hebräischen Gebetstücke Religionsunterricht zu verbinden, und wie ist das am füglichsten zu bewerkstelligen? 2) Wie ist die Geschichte (1 Sam. Cap. 28.) „Saul bei der Todtenbeschwörerin zu En-Dor" in der Schule zu behandeln? 3) Welches dürfte die einfachste und zweckmäßigste Methode beim Uebersetzen aus dem Hebräischen ins Deutsche sein? 4) Ist das Verhalten bez. das Vergehen der Schüler außerhalb der Schule ins Bereich der Schuldisciplin zu ziehen? Bejahendenfalls: wie weit soll und darf diese sich erstrecken: 5) Welche Mittel sind anzuwenden, um ächtjüdischreligiösen Sinn der Schüler nicht nur für die Schulzeit, sondern fürs ganze Leben zu erzielen? zur Besprechung. Die Discussionen darüber wurden recht lebhaft, ordnungsmäßig und freundschaftlich, und das um so umsichtiger geführt, als der Dirigent — Herr Kreisrabbiner Goldmann — selbst seit 25 Jahren praktischer Schulmann ist, auch außerdem durch seine rabbinischen Kenntnisse über manches Schwierige Aufschluß zu geben vermag. Wegen vorgerückter Zeit (es war gegen 6 Uhr Nachmittags), um welche die entfernt wohnenden Mitglieder ihre Rückreise antreten mußten, konnten die obigen Fragen nur zum Theil zur Erledigung kommen, die Verhandlung der übrigen mußte für die nächste Conferenz, welche auf den 16. August, so Gott will, zu Reichensachsen abzuhalten bestimmt worden, Vorbehalten werden. — Sämmtliche Mitglieder gingen, mit dieser ersten Conferenz recht zufrieden, von dannen, und war ihnen das freundschaftliche, gleichsam collegialische Benehmen des ehrwürdigen Vorsitzenden recht wohlthuend. Gott gebe ferner seinen Segen zum Gedeihen unseres Instituts zur Verherrlichung seines Namens!*) Westheim» Oesterreichischer Karserstaat. Aus dem westlichen Ungarn. Die Gemeinde Raab hat eine vierelassige Knabenschule und eine Mädchenschule, die unter die Aufsicht des umsichtigen und intelligenten Direetors, Herrn I. Deutsch, gestellt sind und wo 7 Lehrer und 3 Lehrerinnen mit Liebe und Hingebung für ihren Beruf wirken. Die Dotation der Lehrkräfte ist eine ziemlich gute, für geeignete Lehrmittel ist hinlänglich gesorgt, und eS läßt *) Aus dem Conferenz-Protokoll wird noch dem Vorstehenden hinzugefügt, daß Frage I. nach lebhaft gepstogener Debatte dahin beantwortet wurde: Die Ersprießlichkeit der Anknüpfung von Religionslehren an das Schriftwort bei dem Uebersetzen desselben aus dem Urtert wird zugestanden, jedoch mit dem Bemerken, daß dieses nur in sehr beschränktem Maße auszuführen sei, wenn dadurch dem eigentlichen Uebersetzen der Bibel, für welches wöchentlich nur wenige Stunden bestimmt sind, und bei der Menge der übrigen Unterrichtsgegenstände bestimmt sein können, nicht Eintrag geschehen solle. In der Uebersetzungsftunde müsse das Uebersetzen, das allgemeine und sprachliche Verständniß des heil. Wortes vorzugsweise ins Auge gefaßt, und nur hin und wieder manche Religionslehre an paffenden Stellen angebracht werden. Das eigentliche Feld für die Religionslehre sei der systematische Religionsunterricht und die biblische Geschichte. In diesen Stunden seien alle Lehren der heil. Schrift im weitesten Sinne zu erörtern und mit passenden Stellen aus Bibel, Talmud, Midrasch u. s. w. zu belegen und zu begründen und den abstracten Begriffen durch solche Concreta zu Hülfe zu kommen. — Frage II. lieferte das Resultat: Die Bibel erzähle diesen Vorgang so, wie er dem Saul vorgekommen und von dem damaligen Zeitalter aufgefaßt worden sei. Die ganze Handlung der sogenannten Todtenbeschwörerin sei ein Betrug, eine Täuschung gewesen. Das, was auf eine künstlich betrügerische Weise sie selbst oder vermittelst Gehülsen dem Saul verkündet, als wenn es aus dem Munde Samuels, den sie zu sehen vorgab (während Saul keine solche Gestalt sah), waren Dinge, die aus der Sachlage und aus den Umständen, namentlich aus Sauls Verzagtheit und weil Gott von ihm gewichen, gefolgert werden konnten. Vielleicht, daß der Erfolg, Sauls Tod durch diese Voraussagung herbeigesührt wurde, da er das baldige Eintreffen desselben erwartete und sich ihn deshalb selbst gab. —