Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 25 (15.6.1857)
- Date
- 1857-06-15
- Page
- Seite 338 (sequence 8)
- Language
- German
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338 (welche, nebenbei bemerkt, momentan wieder zum Gegentheil umgeschlagen ist), so nahm die hiesige Gemeinde in dem Maße zu, daß wir schon im August 1S4S (i7:na rau:) unseren eigenen Gottesdienst einrichten konnten, und unS in Folge dessen zu einer förmlichen Gemeinde constituirten. Wir wendeten uns damals, da die meisten Gemeindeglieder nicht den alten Gottesdienst, wie er leider noch in den meisten Gemeinden unserer Provinz besteht, wünschten, an Herrn Rabbiner Stein in Frankfurt a. M., der uns mit dankbarer Anerkennung bereitwilligst darin an die Hand ging und uns die ganze Cultusordnung der Hauptsynagoge zu Frankfurt a. M. unter einem wohlwollenden Schreiben übersandte; in der Hauptsache richteten wir uns nach diesem vereinfachten und veredelten Cultus, ohne jedoch den dreijährigen Cyclus anzunehmen und mit Auslassung der Gesangspartien wegen damaligen Mangels eines dazu befähigten Lehrers. Letzterem Uebel ist jetzt abgeholfen, indem wir seit einiger Zeit in der Person des Herrn Religionslchrers Oppenheimer aus Gleichcrwiesen einen tüchtigen Cantor acquirirt haben, der mit den zwar noch wenigen Kindern unserer Gemeinde einen Chorgesang einführte, der auf das Herz eines jeden wahrhaften, für seine angestammte Religion begeisterten Israeliten einen riefen Eindruck zu machen nicht verfehlt, und in jeder Hinsicht den Cultus hebt, namentlich sind es, Herr Doctor, die Lieder aus Ihrem Gesangbuche, welche sehr erhebend auf den Gottesdienst wirken. Würden sich unsere Rabbinen ein klein wenig mehr um Schulen und Cultus bekümmern, und nicht jede Gemeinde sich selbst überlassen sein, so stünde es wahrlich ganz anders darum; der alte, ohne Ordnung und Feierlichkeit abgehallene Gottesdienst müßte dann einem würdevolleren, begeisterten Cultus Platz machen. Preußen. Magdeburg, 9. Juni. (Privatmitth.) Heute überreichte der Borstand beS hiesigen großen, über 1000 Mitglieder fassenden „H a n d w erkSmeistervereins" dem Dr. Philippson als Zeichen der Anerkennung für vier im Winterhalbjahre von demselben gehaltene Vorträge (über Geschichte der Erfindungen rc.) ein schönes Rohr mit prächtigem, höchst geschmackvoll gearbeitetem goldenen Knopfe. Aus der Fläche des letzteren, der von massiven Guirlanden umgeben ist, steht, von der Widmungsschrift umgeben, daS alte jüdische Wappen, daS sogenannte „Schild Davids", von zwei aufrechtstehenden Löwen gehalten, eingegraben. Gerade diese letztere Aufmerksamkeit Seitens eines Vereines, der nur drei Juden in seiner Mitte zählt, beregte den Empfänger aufs freundlichste. — Möchte auch dieses Beispiel der Anhänglichkeit und Anerkennung beitragen, der in gewissen Kreisen angestrebten Intoleranz entgegenzuwirken. Berlin, im Juni. Die „Mittheilungen des statistischen BüreauS" haben in jüngster Zeit eine Ueberstchr der Ergebnisse der im preußischen Staate im December 1855 stattgefundenen amtlichen Volkszählung der Oeffentlichkeit übergeben. In dieser Uebersicht ist auch das Ergebniß jener Zählung nach den Religionsunterschieden enthalten. Daraus ersehen wir, daß der preußische Staat am Schluffe des genannten Jahres insgesammt 10,534,754 evangelische Christen, 6,418,310 römisch-katholische Christen, 1380 griechische Christen, 14,139 Mennoniten und 234,248 Israeliten zählte« Die evangelischen Christen machten somit 61,r« pCt. der Gesammlbevölkerung des preußischen Staates (17,202,831) aus, die Katholiken 37,n pCt., die Griechen 0,oi pCt., die Mennoniten 0,v8 und die Bekenner des mosaischen Glaubens 1,3° pCt. (Wir werden hierauf zurückkommen. Redact.) Nordamerika. Charleston, 1. Mai. (Privatmitth.) Das Nachspiel zu dem tragikomischen Stücke, betitelt: „Das Zions- Collegium in Cincinnati", wirb so eben aufgeführt. Der Secretär der Gesellschaft, Dr. Dessar, fordert die Mitglieder derselben zu einer Generalversammlung auf, „um wichtige Geschäfte zu verhandeln, und zwar besonders um die Schulden der Gesellschaft zu decken und das verfügbare Eigenthum derselben zu verwenden." b2 lo’pnnb rreio TN D'i:b D©b WNiö!*po:a —. Wie mir berichtet wird, besteht die neue für Herrn Leeser in Philadelphia gestiftete „portugiesische" Gemeinde, mit Ausnahme eines einzigen Mitgliedes, aus lauter Deutschen. Schon in letzterem Sommer, als ich auf meiner Reise nach dem Bade Saratoga im Staate New-Pork Herrn Leeser in Philadelphia besuchte, theilte derselbe mir mit, daß es nur sehr gerin-