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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-15 · Heft 25 (15.6.1857) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 25 (15.6.1857)
Date
1857-06-15
Page
Seite 333 (sequence 3)
Language
German
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383 Der wesentliche Einwand, den man erhebt, ist: daß selten zwei oder mehrere gleichberechtigte Theologen friedlich und im Einverständniß neben einander wirken, daß Eifersucht, Streitigkeit, Parteiung bald erfolgen werde. Indeß kann dem schon vorgebeugt werden, wenn einem jeden derselben ein abgegrenzter Sprengel oder bestimmte Ressorts zugewiesen werden. Etwas Eifersucht und Parteiung, sobald sie nur nicht zur Erbitterung führen, schadet gar nichts, sondern erhöht die Anstrengung und Thätigkeit. Zuletzt setzen sich solche Verhältnisse nach kurzer Zeit. Andererseits ist nicht zu übersehen, daß durch den Bestand mehrerer Rabbinen neben einander jene Selbstüberschätzung sonst würdiger Männer vermieden wird, welche bei einem Einzigen in einer großen Gemeinde so leicht einreißt, und die dem geistlichen Amte so vielen Schaden thut. Wir geben das Obige den betreffenden Verwaltungsbehörden in größeren, großen und mittleren Gemeinden zu reiflicher Erwägung. Wir haben vor Kurzem über die Theilnahmlosigkeit und Unthätigkeit betreffs aller gemeinnützigen Interessen auf jüdischem Gebiete in den großen Gemeinden Klage geführt — die Hebung des religiösen Geistes in den letzteren wird zu einer immer drängenderen Pflicht, je mehr die großen Gemeinden an Individuen aus unserm Bekenntnisse an sich ziehen. Es ist immer schlimm, wenn die hauptsächliche Lebensthätigkeit sich aus dem Herzen, aus dem Mittelpunkt des Organismus herauszieht und nach den einzelnen, äußeren Gliedern sich wirft. Forb Palmerston und die Kreuzzeitung in Preußen. Ein Vergleich. (Aus der Didaskalia.) Lord Palmer st on scheint in der neuen und neuesten Literatur sehr zurück zu sein. 3n der Sitzung des Unterhauses vom 15. Mai sagte er („Galignani Messenger" vom 1&./19. Mai d. 3.): „Die christliche Religion lehrt ihre Bekenner Liebe gegen das ganze Menschengeschlecht, Anderen nicht zu thun, was wir nicht gegen uns gethan haben wollten, kurz unsere Nebenmenschen wie uns selbst zu lieben", und zieht daraus den Schluß, „also alle die Grundsätze zu bekennen, denen wir untreu werden, indem wir unsere jüdischen Mitbürger willkürlicher und unnöthiger Weise vom Parlamente ausschließen (by the arbitrary and unecessary exclusion of our Jewish fellow-counlrymen)." Weiß der edle Lord nicht, daß nach den neuesten Entdeckungen des Herrn Oberkirchenraths Stahl und der mächtigen Partei, deren Fahnenträger dieser berühmte Mann ist, dergleichen „Redensarten" längst „abgethan" find? 3st ihm die berühmte, aus der evangelischen Kirchenzeitung besonders abgedruckte und von der Kreuzzeitung hochgepriesene Rede dieses frommen Mannes „über christliche Toleranz" unbekannt geblieben, worin bewiesen wird, daß „das Christenthum als die Religion der 3ntoleranz in die Welt getreten, deren Keim die Erclusivitär ist"? Weiter sagt der edle Lord: „3n den letzten 3ahren ist der Grundsatz: „bürgerliche und religiöse Freiheit" zu großer Ausdehnung gelangt. Wir haben die ungerechten Bestimmungen abgeschafft, welche den protestantischen Dissenter hinter seinen Mitbürger stellten. Da habt 3hr den „Lord Feuerbrand!" „Die Toleranz", so fängt jene berühmte Rede Stahl's an, „ist ein Kind des Unglaubens; die Forderung der Gewissensfreiheit, als Recht gesetzlicher Staaten und verfassungsmäßig regierter Völker ist ein Theil jenes Werks der Zerstörung und Umwälzung, welche die moderne Wissenschaft bezeichnet und die Ruhe Europas bedroht." Lord Palmerston fährt fort: „Wir haben die ungerechten Bestimmungen beseitigt, welche unsere katholischen Mitbürger verhinderten, Theil an den Berathungen dieses Hauses zu nehmen." Daß ist endlich einmal recht, jedoch nicht, weil es der „revolutionären" Forderung der Gewissensfreiheit entspricht, sondern weil „die katholische Kirche" — nach den Lehren des protestantischen Oberkirchenraths Stahl — „die Seite der geschichtlichen Continuität, des ununterbrochenen Entwicklungsgangs von der apostolischen Zeit her vertritt." Aber nun weiter: „Die Ausschließung der 3uden (vom Parlament) ist beinahe der letzte Lumpen (rag) des Vorurtheils und der Unduldsamkeit, welcher noch abzuthun ist. Fürchten wir etwa, die Zulassung jüdischer Abgeordneten werde das Christenthum erschüttern? Zch habe wohl von Juden gehört, die Christen, aber nicht von Christen, die Zuven wurden.*) Eher führt das alte Testament zum neuen, als das neue Testament zum alten."**) Das kommt *) Das ist nun doch nicht wahr, wir können ihm viele Beispiele angeben, und wenn es seltener geschieht, so liegt der Grund in ganz anderen Umständen, als in den RUigionen selbst. Red. d. A. Z. d. Jud. **) Diese Behauptung des christlichen Lorvs wollen wir diesem Nachsehen. Der Wirklichkeit nach sind die Anführungen des A. T. im N. N., wenn wir uns einmal dieser Namen bedienen wollen, sehr häufig und klar — wie es aber mit den Andeutungen des A. T. auf das N. T. beschaffen ist, weiß 3evermann. Red. d. A. Z. d. 3ud. 25*

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