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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-08 · Heft 24 (8.6.1857) · p. Seite 323

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 24 (8.6.1857)
Date
1857-06-08
Page
Seite 323 (sequence 5)
Language
German
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323 Synagoge zu Szegedin bei Allerhöchstihrer Anwesenheit daselbst besucht haben. Ferner vernehme ich, daß nach der letzt stattgehabten Conscription die Zahl der hier wohnenden Israeliten etwas über 16,000 Seelen beträgt. Wien, 31. Mai. (Privatmitth.) Die neu zu errichtende höhere Handelsschule in Wien. Es kann die Aufgabe dieser Blätter nicht sein, nachzuweisen, daß die Errichtung einer hohem Handelsschule hier sehr wünschenswerth sei. Eben so wenig ist es nothwendig, hier zu erörtern, unter welchen Modalitäten eine Handelsschule inS Leben gerufen werden soll. Genug, hier wurde sie auf dem Wege der Subscription, wenn auch noch nicht ins Leben gerufen, doch mit den nothwendigsten materiellen Mitteln versorgt. Es haben diese Blätter auch fortlaufend berichtet, in welcher Weise die Juden sich bei der Errichtung dieses Institutes betheiligen. Jedoch war bei diesen Gaben entschieden die Bedingung ausgesprochen : es dürfe weder bei der Aufnahme der Schüler, noch bei der Anstellung der Lehrer ein Unterschied in confessioneller Beziehung obwalten. (Der erste Punkt wurde und wird nicht bezweifelt, und es handelt sich blos um den zweiten, der eben in Frage gestellt ist.) Es ist also eine Principienfrage, die gelöst werden soll, und wir glauben, sie ist es werth, daß sie in vollem Maße von unfern Glaubensgenossen gewürdigt werde. Wir sind wohl der Mühe überhoben, nachzuweisen, daß Juden nichts sparen, um ihre Kinder unterrichten zu lassen. Eben so wenig verschließen sie die Hand, wenn es gilt, wohlthärige Institutionen, zu welchem Zwecke immer, ins Leben zu rufen. Wir verweisen übrigens darauf, daß namhafte Summen von Seite der Juden für die Bolivkirche gespendet wurden (wie Manche meinen, sei diese Summe größer als diejenige, die zum neuen Tempelbau gespendet wurde); ferner weisen wir auf die Summen, die von jüdischer Seite für den Giebelbau an der Reformkirche eingegangen sind. Wir glauben also, daß nach dieser Richtung hin unS keine Vorwürfe treffen können. Es ist hier eine reine Principienfrage, die hoffentlich selbst unsere Feinde als eine ehrenhafte erkennen werden. Es sind dem Juden in unserem großen schönen Vaterlande manche Branchen verschlossen. Man hält uns vielleicht nicht für befähigt, das eine oder das andere Amt zu bekleiden, trotzdem die Geschichte der alten und neuen Zeit Beweise »ä hominem dagegen hat, aber „aufs Handeln", wie ein praktischer Kaufmann meint, verstehen wir uns, und man sollte daher die Juden nicht von einer Handelsschule ausschließen. Wir werden durchaus nicht plaidiren, daß man eine unbedeutende jüdische Kraft gegen das Interesse der Anstalt, um das Princip zu retten, anstelle. Wir haben aber über Kräfte zu verfügen, die entschieden der Anstalt nützen werden. Wir nennen nur einige wenige: die Herren DDr. Pick und Benisch für Naturwissenschaften, der ehemalige Assistent Spitzer für Mathematik, Dr. Bärwald, dessen historische Arbeiten von Seite der hiesigen k. k. Akademie der Wissenschaften gewürdigt wurden, Herr Neurath für Kalligraphie rc. Wir wiederholen es daher, selbst unsere Feinde können den Kampf um ein Princip nur als einen ehrenhaften ansehen und anerkennen. Man kann es darum Niemandem verargen, der den bedingungsweisen subscribirten Beitrag nicht eher leisten will, als bis die genehmigten Statuten von Seite der hohen Behörden darüber Beruhigung gewähren. — Wir hören übrigens, daß auch christliche Mitbürger erst nach der günstigen Lösung dieser Frage den Beitrag leisten wollen. Hoffen wir übrigens von unserer erleuchteten Regierung, eben so wie von dem provisorischen Comile dieser Anstalt*), daß diese Frage im Geiste der Humanität gelöst werden wird. Bis dahin aber wird es gut sein, wenn die Juden einmülhig, wie sie begonnen, auch ferner für das Princip einstehen, bis dasselbe anerkannt ist. Die Geschichte erzählt, daß Alerandcr der Große die Juden zwingen wollte, am Baue des Belustempels Theil zu nehmen. Als diese jedoch, trotz der strengen Maßregeln, standhaft blieben, ließ Alerander von seinem Vorhaben ab und ehrte die Juden für diese Standhaftigkeit und erließ ihnen manche Steuern rc. Wir leben jetzt in bessern Zeiten. Achten wird man es aber an uns, daß wir für ein Princip, das seine Rechtfertigung in sich trägt, eingestanden sind. Wien, 31. Mai. (Privatmitth.) Es ist bekannt mit welcher Theilnahme das Publikum alles aufnimmt, *) Das Comitö besteht aus neun Mitgliedern, darunter befinden sich drei Israeliten. Die Herren: Friedr. Schey, Theodor Bauer und Di. Heinr. Jacques.

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