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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-08 · Heft 24 (8.6.1857) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 24 (8.6.1857)
Date
1857-06-08
Page
Seite 322 (sequence 4)
Language
German
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322 Richtung überhaupt, nicht für überspannt halten. Jedenfalls ist die Erscheinung, wie ich glaube, eine beachtenswerthe. Und wenn man auch in dem Momente nicht die Mittel gegen das Uebel hat; so dürste eine richtige Diagnose für die Zukunft von Werth sein. Also •aai'i linab'.*) Erlauben Sie mir heute ferner einige Bemerkungen zu der Geschichte des Herrn vr. Stern zu machen. Herr vr. Sterngchörtnichtnur einer Partei mit scharf ausgeprägter Richtung an, er stehet selbst auf der „Zinne der Partei." Es ist ganz klar, daß vom Parteistandpunkte die Geschichte ein anderes Aussehen gewinnt. Wir finden es daher ganz natürlich, daß manches Vorhandene von dem Herrn Verfasser ignorirt wird, und manche ganz unwesentliche, unbedeutende Dinge, vom Parteistandpunkte aus Bedeutung gewinnen. — Ich gedenke jedoch nicht das Buch zu beurtheilen, ich will blos Einiges, so weit cs mir bekannt ist, berichtigen und ergänzen. Zu denjenigen Männern, die in Berlin als Prediger gewirkt haben, bevor die bekannte königliche Ordonnanz, Februar 1824, erschien, gehört auch Herr Mannheimer, und zwar war er eben der letzte. Eigenthümlich genug las er am letzten Sabbath die Haftora aus dem Propheten Ezechiel, welche schließt: „Dir aber will ich das freie Wort gewähren" Cöirü ns yinne in« “fbi. Der Gottesdienst nach neuem Ritus fand auch damals nickt mehr im Beer'schen Tempel statt, sondern in der Hauptsynagoge in der Heidereuthgasse. Es ist ferner unrichtig, wenn Herr vr. Stern meint, der hiesige Tempel sei aus der Religionsschule hervorgegangen. Die Religionsschule, mit welcher damals eine zweiclassige Volksschule in Verbindung stand, führte ein sieches Leben. Mit dem Tempel erst hob sich die Religionsschule. Ob Herr Mannheimer und der hiesige Tempel, in gewissem Sinne ist der Tempel eben Mannheimers Werk, für weitere Kreise maßgebend gewirkt hat, darüber können wir unS jedes Urtheils enthalten. Facta loquuntur. Wir glauben aber, daß selten ein Gotteshaus so segensreich gewirkt hat, wie das Wiener. Wenn im großen Kaiserstaate die Gemeinden im edlen Wetteifer den Gottesdienst veredelten und die Weihe erhoben, so ist das eben das Werk des Wiener Tempels. Ich will durchaus nicht sagen, als wäre der Wiener *) Wir werden über diesen Gegenstand uns aussprechcn. Redact. Tempel eine Erfindung Mannheimers; es ist vielmehr bekannt, daß unter der Leitung Mannheimers ein Mittwochsgottesdienst in Kopenhagen bestand, der dem Berliner Reformgottesdienste, wie er jetzt besteht, nicht nachstand. Bald genug kam jedoch Mannheimer zur Einsicht, daß -pin 17 t«b und daß in dem Fractionenwesen kein Heil liege. Es haben übrigens die Institutionen des hiesigen Tempels auch im übrigen Deutschland Nachahmung gefunden. So fand ich die Agenda, wie sie hier seit 30 Jahren bestehet, in vielen Gemeinden Deutschlands, und sind die meisten, die gedruckt vorliegen, der hiesigen nachgeschrieben oder nachgebildet. Im Interesse der Wahrheit hielten wir uns verpflichtet, diese wenigen Bemerkungen zu machen. Ohne die Wirksamkeit des Herrn vr. Stern in dieser Richtung im Entferntesten antasten oder das Buch selbst, das viel Interessantes enthält, angreifen zu wollen, glauben wir doch in diesem Punkte, wo es gilt: c'ost gu'on f a it l’histoire, uns verwahren zu müssen, nicht im Interesse der Person mn na 1-itiNi, sondern im Interesse der Sache. Um so freudiger wende ich mich der „Geschichte des Judenthums und seiner Seeten" von Jost zu, welche dieses Mal das Institut zur Förderung jüdischer Literatur als herrliches Angebinde seinen Abonnenten geboten hat. Von Herrn vr. Jost gilt das Wort unseter alten Weisen '121 v^r'piaw -,ar ba n'h •apt. Einen sehr wohlthuenden Eindruck macht die Ruhe, mit welcher Herr vr. Jost die Ansichten Anderer widerlegt oder widerspricht. Zum Schlüsse noch einige Localnachrichten: Bei der forst- und landwirthschaftlichen Ausstellung, die jüngst hier stattfand, wurden auch zwei Juden durch Medaillen ausgezeichnet: Herr Ferdinand Wertheim in RamShofen, Oberösterreich, Oekonom für veredelte Viehzucht, und Herr Zwillinger, Chef der k. k. Fabrik künstlichen GuanoS, für einen Ofen mit rauchverzehrendem Apparate. Das neue Gotteshaus in der Leopoldstadt wird nächsten Rosch haschana noch nicht vollendet sein. Es bildet sich eben jetzt ein Frauen-Comite, daS die Ausschmückung des Gotteshauses übernimmt. An der Spitze stehen die Frauen der Herren Heinrich Sichrovsky, Ernst Werlheim und Josef Wertheimer. Wie ich höre, soll Se. Majestät der Kaiser die

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