Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 23 (1.6.1857)
- Date
- 1857-06-01
- Page
- Seite 312 (sequence 10)
- Language
- German
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312 mehrere Männer um die Hebung Md Förderung der Mischen Volksschulen verdient gemacht haben; denn alle diese Thatsachen berechtigen zu dem Schluffe, daß die Nothwendigkeit und Nützlichkeit eines wohl geordneten und fruchtbringenden Unterrichts auch bei der jüdischen Bevölkerung immer mehr anerkannt wird. Man könne daher einer weiteren Besserung des Zustandes der israelitischen Volksschulen in Mähren um so mehr entgegensetzen, als die k. k. Statthalterei der vollständigen Regelung dieser Schulen dieselbe Sorgfalt zugesichert, welche sie den Schulen der christlichen Consessionen zuwendct. Auf einen fleißigen Besuch deS Wiederholungsunterrichtes sei indessen nachdrücklich einzuwirken, Behufs dessen sich die Schuldistricts- Aufseher im Falle der Nothwendigkeit an die Localbehörden zu wenden haben. „Hievon werden Euer Hochehrwürden in Folge k. k. Statthalterei'ErlasseS vom 12. l. M. Z. 31,230 mit dem Belangen in die Kenntniß gesetzt, für die Hinkunft auch noch wegen Richtigkeit der Daten hinsichtlich der Jndustrialschulen und der in denselben befindlichen Lehrerinnen, und dann wegen genauer Erhebung und Angabe der den Israeliten gehörigen und zu den betreffenden Schulen zugewiesenen Häuserzahl, welche in dem bezogenen Berichte nicht in Uebereinstimmung gefunden wurden, Sorge zu tragen." Gegeben im ban. Consistorium zu Brünn, am 29. Januar 1857. —. Der in Deutschland sich so breit machende Pietismus, ein natürlicher Sohn des in sich gespaltenen Protestantismus , zählt bereits unter den jünger» Rabbinen und Gelehrten Deutschlands durch den Besuch deutscher Universitäten, — der gewöhnliche Jude so wie das Judenthum kennen einen solchen erkünstelten Pietismus nicht, — zahlreiche Anhänger. DaS katholische Oesterreich kennt natürlich diese Erscheinung nicht und auch die österreichischen Rabbiner sind meist von diesem Vorwurfe frei zu sprechen. Der Versuch, die sogenannte Bernays'sche Schule, wenn 5—6 Anhänger eine Schule bilden können, auch in Oesterreich einzubürgem, ist gänzlich gescheitert. Vielleicht ist Galizien, wo der bildungsseindliche Chassidäismus sein Unwesen treibt, der Boden, wo er mit mehr Glück austreten wird. blous verrons! Vorläufig wollen wir jeden Act registriren, um dessen Gebühren besser würdigen zu köimen. Folgende Notiz der „Presse" aus Lemberg vom 6. Mai möge auch hier ihr Plätzchen finden: „Eine Hauptrolle.in unserer Tagesgeschichte spielen religiöse Angelegenheiten. Die „Presse" hat bereits gewisser Vorfälle erwähnt. Ich will hier die Sache nicht weiter verfolgen und,nur von etnom Gerüchte sprechen. Nach diesem soll der Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde die Hülfe des weltlichen Armes angesucht haben, um seine Glaubensgenossen von der öffentlichen Uebertretung gewisser Religionsgebote, als da sind: Cigarrenrauchen, Kartenspielen am Samstage rc. zurückzuhalten."-Früher wurden die österreichischen Rabbinate von polnischen Rabbinen überschwemmt — und nun von deutschen Mystikern! Was diese Rabbiner geleistet, können Sie in den Gemeinden „JeschmiiMs" Nikolsburg, Teschen rc. sehen, ob Galizien ein fruchtbarer Boden sein wird, kann erst die Zukunft lehren. Wenigstens wird jetzt die Zeitschrift „Hachalutz" auch Gelegenheit haben, ihre goisselnden Artikel auch auf die sogenannten deutschen Rabbanien auszudehnen. Die dentschen Soharisten sind unerquicklicher, als die polnischen, die nur betrogene Betrüger sind. Horie, im April. (Privatmitth.) Wie wir am Fuße des Riesengebirges hier die ersten glänzenden Frühlingshcrolde, die warmen Sonnenstrahlen, etwas später als die glücklichem Bewohner südlicher Himmelsstriche empfange«, so kommen auch gewöhnlich die glänzenden Geistesstrahlen, die der von Ihnen, Herr Redacteur, im Verein mit würdigen Männern herausgegebene literarische Hausschatz verbreitet, immer etwas später zu uns; doch freuen wir uns derselben nicht minder, und hat vorzüglich Ihr „Saron" so manchem jüdischen Leser und so mancher jüdischen Leserin eine angenehme, anregende Lectüre verschafft, und was der größte Triumph für Sie sein dürfte, manches edle Gefühl erweckt, manche jüdische Brust mit wahrhaft edlem Nationalstolze erfüllt. — Einen großem Erfolg wünschen Sie wohl kaum; möge dieser Erfolg Sie fortan begeistern zu neuer literarischer Thätigkeit, mögen Sie es auch fortan nicht verschmähen, nebst wissenschaftlichen Arbeiten auch in den Quell der Romantik auf jüdisch nationalem Gebiete Ihre gewandte Feder zu tauchen und unfern Lesern und Leserinnen von Zeit zu Zeit eine geistige Kost verschaffen, wie sie unsere Tagesliteratur nur selten oder nie gewährt. Eine glückliche Idee