Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-01 · Heft 23 (1.6.1857) · p. Seite 311

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 23 (1.6.1857)
Date
1857-06-01
Page
Seite 311 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226063--16147-3244984
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

311 ren zu lassen, ihr Geltung zu verschaffen, wer mehr als der Rabbiner! In unsem ungarischen Gemeinden aber stehen leider Rabbiner und Lehrer, entweder als sich abstoßende Pole — der alte R. sicher in dem Lehrer den Sauerteig alles Uebels — oder der halbgebildete Rabbiner fürchtet vom Lehrer überragt zu werden, und feindet ihn im Vorhinein an, macht seine Stellung von seiner Willkür so abhängig, daß wehe ihm, wenn er in Schulsachen bessere Ansichten hat, als der Rabbiner. Nur einzelne Ausnahmen, oder besser: als einzelne mir bekannte Ausnahme stehet der Rabbiner zu Neustadt an der Waag als Dirigent der dortigen von ihm ins Leben gerufenen Schule vor, und den Lehrern als feste Stütze zur Seite, der ihnen Achtung, ihrer Wirksamkeit Anerkennung und ihrer Zukunft Sicherheit verschafft hat. Die Schule wird aber nunmehr, nachdem sie zwei Mal eingegangen ist, bestehen. Die fruchtbringenden Folgen werden ihm als Gründer und der Gemeinde als Erhalter Segen bringen, während die andern Gemeinden heute bauen und morgen niederreißen. Kaum ist eine Schule entstanden und Ein Lehrer hat das Unglück, Einem Einzelnen — natürlich Reichen — zu mißfallen, so fängt die Opposition gegen die Schule an, und die neugeborene Schule gehet wieder zu Grabe. So bestanden auf kurze Dauer Schulen zu Tyrnau, Freistadtel, Sered, Senitz, Sobotisch, Ziffer, Bösing, Serdahell, Kittsee, Karlburg, Frauenkirchen, Kreutz, Schaschin, Waitzen, Gran u. m. a., lauter bedeutende und wohlhabende Gemeinden. Gutgesinnte regten die gute Sache an und brachten, Opfer nicht scheuend, die Schule zu Stande, Eigensinnige rissen sie wieder nieder. Die Rabbiner halfen zum Verfall, oder legten anstatt die Hand ans Herz, auf den Mund. Das Chedarwesen und die Privatschulen waren noch beffer daran; der Unzufriedene ging von Chedar zur Privatschule, von der Schule zum Chedar; aber der Neid der Eltern über die etwaigen Fortschritte der Kinder und die Concurrenz der Lehrer ließen wenigstens keinen gänzlichen Stillstand eintreten. Bei der Schule aber heißt es «8 w *>8 ru '■»ir entweder die Schule ist, wie ich es will, oder gar keine. — So sagt selbst der Vorstand der Preßburger israelitischen Gemeindrschule, und dieser ist wieder nur das Orakel eines einzelnen Priesters. Um nicht der Vorschrift der hohen Schulbehörde Nachkommen zu müssen, hat die hiesige Gemeinde die Oeffentlichkeit ihrer Schule, die als erste im Lande, von weil. Kaiser Joseph sanctionirte, bestand, aufgegeben. Aufgegeben, um die Schulstunden und Lehrgegenstände nach Belieben vertheilen zu können und um den in ihrer Schule ergrauten Lehrer ohne Mitleid und ohne Pension gegen einen jungen, kräftigen zu vertauschen. Die hohe Regierung will 5 Musterschulen nach den 5 Distrikten des Landes von der Million Schulfond errichten, will die Lehrer besolden und pensioniren, will eine Präparandie für israelitische Lehrer anlegen, die übrigen Schulen des Landes sollen die Musterschulen zum Vorbilde haben; ja die hohe Regierung hat von Gemeinde zu Gemeinde die Anfrage ergehen lassen, den Ort, wo sie die Musterschulen am gelegensten glauben, zu bestimmen, hat ihnen das Repräsentationsrecht der Lehrer zugestanden — aber Alle wie Eine gaben ausweichende, unbestimmte Antworten. Der in No. 15. der Ztg. d. Judth. ertheilte Rath ist wohl lobenswerth, aber nicht zum Ziele führend« Vielleicht wäre zuzufügen: Rabbiner, die um das Glück der jungen Generation besorgt sind, Gemeinden, die oberwähnten Absurditäten nicht huldigen, und Lehrer, die Muth und Kraft haben, sollen Schritte bei den Regierungen thun. Das Gute zu befördern soll keine Mühe scheuen Ein gewesener Lehrer. Aus Mähren, im Mai. (Privatmitth.) Mit Vergnügen theile ich Ihnen, Herr Redacteur, folgenden Erlaß mit, der ein rühmliches Zeugniß von dem edlen Streben und dem raschen Fortschritt der Juden in Oesterreich und namentlich in Mähren ablegt und darum die möglichste Verbreitung verdient. Ein ähnliches Rescript des hohen CultuSministerium ist im Jahre 1853 ergangen, worauf wir den geehrten Leser zum bessern Verständniß des gegenwärtigen Erlasses verweisen. S. Wertheimers Jahrbuch 3. Jahrgang. 1856. S. 106. „ Laut hohen Erlasses vom 28. Oktober 1856, Z. 6377 hat das Ministerium des CultuS und Unterrichtes aus dem über den Zustand der jüdischen Volksschulen für das Schuljahr 1854 erstatteten Berichte mit Befriedigung entnommen, daß sich die Zahl der die Wochenschule besuchenden Kinder bedeutend vermehrt habe, dann daß die Lehrer ihren Berufspflichten mit einem lobenswerthen Eifer Nachkommen, und daß sich in dem gedachten Schuljahre bereits 23

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.