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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-01 · Heft 23 (1.6.1857) · p. Seite 309

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 23 (1.6.1857)
Date
1857-06-01
Page
Seite 309 (sequence 7)
Language
German
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309 stand nach Abschluß des Jahres 1856 zu veröffentlichen. An Darlehen, die in eben so vielen Kreuzern wöchentlich zurückgezahlt werden, alö Gulden erborgt wurden, erhielten im vorigen Jahre 3 Parteien k 20 Fl., 1 ä 25 Fl., 5 » 30 Fl., 1 -»35 Fl., 11 ü 40 Fl., 3 ü 50 Fl., 11» 60 Fl. u. 1 ä 100 Fl.; im Ganzen erhielten 36 Parteien einen Darlehensvorschuß von 1620 Fl. Seit dem Bestehen des Vereins wurden 273 Darlehen mit einem Betrage von 10,072 Fl. verabreicht. Das Vermögen dieses Vereins, der im Jahre 1850 mit 250 Fl. gegründet wurde, betrug beim Abschluß des Jahres 1856 die Summe von 1408 Fl. 10 Lr. C.-M. Die Einnahmen betrugen im vorigen Jahre 47 Fl. 51 Zcr. an Jahresbeiträgen und 56 Fl. 21 Lr. an milden Spenden. Dem srommcn rastlosen Wirken der Vereinsvorsteher Herren Jsak Schur und Nathan Wintern i tz und des Kassiers Herrn S a m u e l G o l d sch m i ed, denen hiermit die wohlverdiente öffentliche Anerkennung gezollt wird, ist es zu verdanken, daß der Verein sich in solcher Ausdehnung bewegt und so viel des Guten leistet, daß der früher wie ein Wurm nagende Wucher, welchem so viele arme Gewerbsleute ihren mit Schweiß erworbenen Verdienst opfern mußten, nun aus unserer Gemeinde verbannt ist, und daß bereits einzelne Gewerbsleute, welche sich durch das Segen bringende Wirken des Vereins aufgeholfcn, nicht mehr die Unterstützung desselben in Anspruch nehmen. Noch einige Jahre und es dürften sich bei uns nicht mehr Parteien finden, welche kleine Summen beanspruchen werden, und nach einer Reihe von Jahren wird der Verein über Summen gebieten können, welche erst daS Großartige des scheinbar kleinen Wirkungskreises ins hellste Licht stellen und — so Gott will— auch die Armuth aus unserer Gemeinde verdrängt haben werden; dann dürste vielleicht auch einst eine Zeit kommen, wo der Verein über die Verfügung mit seinem Vermögen nach den ursprünglichen Statuten, d. h. Darlehen in kleinen Beträgen, in Verlegenheit gerathen dürfte. Die sichtbar vorschreitende Wirkungsfähigkeit unseres Vereins, und ein Vergleich der Leistungen desselben mit einer diese Woche in der Prager Zeitung veröffentlichten Notiz über die Leistungen eines solchen Vereines in der Hauptstadt geben den schlagendsten Beweis von der Vorzüglichkeit eines solchen Vereins für kleinere Gemeinden, in welchen sich dessen Gebühren viel wirksamer entfalten kann, und es ist wahrhaft zu beklagen, daß solche Vereine in den zahlreichen Jsraelitengemeinden unseres Vaterlandes so selten — ich möchte sagen gar nicht — angetroffen werden. So wie unser Verein in materieller Weise sein wohlthätiges Wirken entfaltet, so wird er andererseits auch durch ein moralisches Agens gehoben, da Derjenige, welcher vom Vereine ein Darlehen erhalten will, durchaus nicht dem Spiele huldigen darf, und bei Verheiratheten muß es bekannt sein, daß sie im häuslichen Frieden leben. Schließlich den wärmsten Dank dem Gründer des Vereins, Herrn Leopold Pick, Kaufmann in Prag, der sich durch dieses Werk allein schon ein bleibendes Verdienst um seine Vaterstadt erworben. —e — e— Wien, 14. Mai. (Privatmitth.) Der „Oesterreichische Volksfreund", eine Zeitung herausgegebcn vom Severinusvereine, brachte jüngst einen Artikel: „Juden und Hunde." Ich füge nichts mehr hinzu, derartige Dinge richten sich selbst. Früher hieß es in Geographien: Juden und Zigeuner, jetzt Juden und Hunde. Wer wird es wohl wagen, dem geehrten „Volköfreunde" Humanität, Liebe und Duldung absprechen zu wollen.*) Auch der Herr Bürgermeister zu Saaz in Böhmen hat sich ein Denkmal der Menschenfreundlichkeit errichtet, indem er den Juden befahl, daß sie binnen 14 Tagen die Stadt räumen müßten. Die Regierung hat allerdings diesen Erlaß annulirt und ich kann mich nicht enthalten, hier verdientes Lob dem Herrn Kreispräsidenten Pokorny zu zollen, der sich jetzt in Saaz befindet. Derselbe war früher Kreispräsident in Olmütz und man wendete sich an denselben mit der Klage, hervorgegangen aus Krämerneid, daß in der Nähe von Holleschau, abgelegen vom Orte eine Spodiumfabrik sich befinde, die, wie cs natürlich ist, einen üblen Geruch verbreitet. Der Herr Kreispräsidcnt hörte ruhig die Klage an und führte dann die Kläger zum Fenster. Da zeigte er ihnen, daß sich ihm gegenüber ein Seifensieder befinde, und so oft die Seife bereitet wird, wodurch ebenfalls ein sehr unangenehmer Geruch verbreitet wird, schließe er die *) Wir unserer Scits müssen jedoch unsere Verwunderung aussprechen, daß man eine solche Zusammenstellung betreffs einer, fast eine Million fassenden StaatSbürgcrklasse wagen darf, ohne sowohl in der Volksstimmung eine wahrhafte Vcrurtheilung zu finden, als auch von den Vertretern derer, die cs betrifft, vor Gericht gezogen zu werden. Die Redact.

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