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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-05-25 · Heft 22 (25.5.1857) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 22 (25.5.1857)
Date
1857-05-25
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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300 vollkommen zur Erhaltung eines einzelnen Mannes, aber bei weitem nicht für eine Familie ausreicht. Andererseits ist ja wohl anzunehmen, daß ein Gelehrter, dem sein Unterhalt gesichert, dessen Stellung eine vollkommen unabhängige ist und ihn in einen Kreis von erwünschten Bekanntschaften führt, sich durch Unterricht oder wissenschaftliche Arbeiten noch einen Weilern Erwerb schaffen würde, da die jährliche Abhaltung von 16—20 Predigten, von denen die meisten auf Feiertage fallen werden, dem Fähigen ja nur wenig Zeit kostet. Dann wird aber die Stelle eine treffliche Vorschule für künftige Aemter sein, und ein junger Mann, der mehrere Jahre hier mit Beifall gewirkt hat, ist dadurch für jede europäische oder amerikanische Stelle bestens empfohlen. Findet sich aber ein verheirarheter Mann, der anderweitige Subsistenzmittel hat und dies Emolument mitnehmen möchte, so würde dies wohl kein Hinderniß sein. Die Abschiedspredigt des Herrn Dr. Salomon ward am 7. Peßachtage gehalten und hernach auf allgemeines Verlangen unter dem Titel „Allgemeines Wohlwollen und Familicnliebe" gedruckt. Obgleich zur Vermeidung allzu großer Rührung erst Tages zuvor annoneirt, halte sie doch ein sehr zahlreiches Publikum herbeigezogen und alle Räume des Hauses waren dicht gefüllt. Bei den Eingangsworten: „Gesegnet bei deinem Kommen, gesegnet bei deinem Scheiden", so rufe ich Euch zu beim Schluffe dieses Festes, und so hoffe ich, rufet Ihr auch mir nach fast vier Jahrzehenden zu beim Austritt aus diesem Amte", war manches Auge mit Thränen, jedes Herz mit Rührung erfüllt. Salomon nimmt bei seinem Austritt nicht nur den Ruf eines großen Kanzelredners und eines thätigen Gelehrten, sondern auch den Ruf eines braven, wohlwollenden Mannes mit. Möge der Abend seines Lebens noch lange dauern und stets heiter sein. Der Synagogenbau schreitet rüstig fort und der Theil des Publikums, der sich für eine Verbesserung des Cultus interessirt, setzt seine Bemühungen eifrigst fort. Es ist von demselben jetzt für die Sabbathe Abends und Morgens ein Muster-Minjan errichtet, in welchem die gesungenen Piecen nicht von einem abgesonderten Chor, sondern von der Gemeinde selbst unisono gesungen werden, indem eine Anzahl Männer und Knaben, die die neuen Melodien einstudirt, zwischen der Gemeinde vertheilt, die Ucbrigen unwillkürlich mitzusolgen nöthigen. Bekanntlich ist auch beim Gottesdienst des hiesigen Tempels die Theilnahme des ganzen Publikums Grundbedingung. Großbritannien. London, 13. Mai. Unterhaus, Sitzung vom 12. Mai. Lord Palmerston zeigte an, daß er am nächsten Freitage die Constituirung des Hauses zum General -Comite behufs Erörterung der von den Parlamentsmitgliedern abzuleistenden Eide (Zulassung der Juden ins Unterhaus) beantragen werde. Rußland. Wien, im Mai. Man schreibt der Wiener „Presse" aus B r o d y vom 5. Mai: Aus dem benachbarten Rußland vernehmen wir, daß der kaiserliche Ukas und die zur selben Zeit im Nachhange erschieneneSenatsbestimmung über die Erwerbsfähigkeit von adeligen Gütern durch Juden schon in die Thal überzugehen anfängt. Ein verbürgtes Gerücht spricht von der Erwerbung der Güter Berdyczew (wichliger Handelsplatz und bedeutende Stadt im Gouvernement Kiew) durch einen der reichsten israelitischen Capitalisten. Australien. Sldney. Der Gemeindebericht über das Jahr 1856 ist veröffentlicht worden. Der Zustand der Gemeinde ist in jeder Beziehung blühend. Unter Anderem enthält jener Bericht, daß der Chasan der Gemeinde, Herr Jacob Jsaacs, da er vorgerückten Alters wegen seinen Dienst hat aufgcben müssen, von der Gemeinde mit einer Pension von 200 Lstr. (1300 Thlr.) versehen und auf Kosten der Gemeinde mir seiner Familie nach England geschickt worden. — Vor Kurzem langte in Adelaide das Schiff GeorgeS- Marshal an, auf welchem 22 Israeliten auf Kosten deS desfallsigen Damenvereins in London milfuhren. Sie wurden sehr gur behandelt und der Capitän räumte ihnen ein besonderes Cabinet zum Gottesdienste am Jom Kippur ein. Anzeigen. Restauration und Gastwirtschaft von 8. Hirschel, Dresden, Töpfergasse No. 13. 1. Etage, empfiehlt freundliche Wohnung und Nachtquartier.

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