Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 22 (25.5.1857)
- Date
- 1857-05-25
- Page
- Seite 299 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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299 immer im Angesichte der Gefahren, mit denen sie der Fanatismus der Menge bedrohte, nur Ruhe und Glück in der vollständigsten Abgeschlossenheit. Von der Gesellschaft ignorirt, weihten die indischen Gelehrten den Wissenschaften einen uneigennützigen Cultus, welcher ihnen weder Ehre, noch materielle Vortheile versprach. Nur wenige Aerzte konnten die Gelegenheit finden, ihre Kunst bei den Herrschern geltend zu machen, und einige muselmännische Schriftsteller haben es nichr verschmäht, sie zu erwähnen und einige Details über ihr Leben anzugeben. Die jüdischen Gelehrten, ganz von den religiösen und speculativen Studien eingenommen, suchten in der Ideenwelt das Vergessen einer traurigen Wirklichkeit, beschäftigten sich sehr wenig mit dem äußerlichen Leben und trieben diese Verachtung der materiellen Thatsachen bis zum vollständigen Vergessen der Geschichte, welches eine so sehr bedauerliche Leere in der jüdischen Literatur deS Mittelalters zurückgelafsen hat. Die größten Geister des Judenthums sind uns nur durch ihre Werke bekannt, und kaum ist es den vereinigten Anstrengungen mehrerer Forscher unserer Tage gelungen, einige der Hauptsachen aus dem Leben eines Maimonides, des größten Sternes der Synagoge, sestzustellen. „Es giebt wenige, unter den Juden so populäre Namen als den Salomon ben-Gebirol; ein großer Theil seiner Hymnen hat sich bis auf unsere Tage in der synagvgalen Liturgie aller Länder erhalten. Aber Alles, was wir über sein Leben wissen, ist, daß er in Malaga geboren ist, und daß er seine Erziehung in Saragossa empfing, wo er im Jahre 104b eine kleine moralische Abhandlung schrieb.*) Wir kennen weder das Datum seiner Geburt, noch das seines Todes. Nach der Chronik des Abraham Zaruto wäre er in Valencia im Jahre 1070 gestorben, aber man hat Zweifel über dieses Datum erhoben. Eine der Poesien, die ihm zugeschrieben werden, trägt das Datum 461 der Hegira (1069). Wir wissen, daß er eine Elegie auf Häya Gaon, des Chefs der Akademien der *) Cf. Wolf, Bibliotheca hebrea, T. I. Seite 1045; T. III. Seite 1029; De Rossi, Dizionario storico degli autori ebrei, T. I. Seite 123, Diz. stör, degli autori arabi, Seite 78; L. Dukes, „Ehrensäulen und Denksteine^ (Wien 1837), Seite 9. u. s. f. Unser Schriftsteller wird gewöhnlich von den jüdischen Schriftstellern Salomon, Sohn des Jehuda ibn-Gebirol, genannt, und er hat selbst seinen Namen p nvbiü geschrieben in der Form eines Akrostichons an den Anfang seiner hebräischen Grammatik und in die ersten Worte seines Gedichtes über die 613 Gebote, unter dem Titel rminttf. Im Arabischen hieß er Abu Ayyule Soleiman ben Ba'hya der orientalischen Juden, gestorben 1038, schrieb, und wir haben von ihm noch eine andere Elegie über einen gewissen Jekouthiel, getödtet 1040; und da es wahrscheinlich ist, daß diese Elegien kurze Zeit nach dem Tode der zwei Personen, welche sie behandeln, geschrieben worden sind, müssen wir seine Geburt wenigstens bis 1025 zurückschieben. Es scheint uns also entschieden, daß der Poet Jehuda al'-Harizl (aus dem Anfänge des 13. Jahrhunderts) im Jrrthum war, wenn er sagte, daß Gebirol im Alter von 29 Jahren starb, welches schon überdies unzulässig ist, wenn man die Größe seiner Arbeiten betrachtet, in welchen man überall andauernde Forschungen eines durch die Jahre gereisten Geistes erkennt. Eine Tradition, deren Authentität mehr als zweifelhaft ist, sagt, daß Salomon ibn-Gebirol dem Dolche eines Muselmannes erlag, welcher auf sein großes Talent eifersüchtig war. Die Legende fügt hinzu, daß der Mörder sein Opfer unter einem Feigenbäume seines Gartens vergrub; der Baum trug darauf Früchte von außerordentlicher Größe und herrlichem Geschmack, und der König, von dieser Erscheinung benachrichtigt, ließ den Eigenthümer des Gartens kommen, welcher, mit Fragen bestürmt, endlich sein Verbrechen eingestand und es mit dem Leben büßte. Diese Erzählung beweist wenigstens die große Popularität, welche der Name Jbn-Gebirols erworben hatte. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, im Mai. (Privatmitth.) Die wegen Anstellung eines Candidatcn für den hiesigen Tempel erlassene Aufforderung scheint, nach den eingegangenen Erkundigungen zu urtheilen, im Auslande nicht ganz richtig verstanden zu sein. Die Direktion hat „unverheirathet" gesagt, weil der angesetzte Gehalt ibn-Djcbirul. Unter diesem letzter« Namen wird er von Moses bcn-Esra citirt, in seiner Abhandlung von der Rhetorik und Poetik, von der ich anderswo schon gesprochen habe (.lourn. »s., Juli 1850, Seite 22, Note I.). Dieser Schriftsteller giebt unserm Ibn-Gebirol auch den Beinamen Al-Kortobi, woraus man schließen kann, daß er auch einige Zeit in Cordova gelebt habe. Wir werden an einer andern Stelle dieses Werkes den ganzen Satz des Moses ben-Ksra geben, wo er Ibn-Gebirol sehr rühmt und worin es ausdrücklich gesagt wird, daß et in Malaga geboren ist, in Saragossa erzogen wurde und in Valencia starb. 22**