Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 22 (25.5.1857)
- Date
- 1857-05-25
- Page
- Seite 298 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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298 welche Bemerkungen über Avicebron und über das Buch, welches seinen Namen verherrlichte, geben zu können. „Welcher ist der arabische Philosoph, der unter dem verdorbenen Namen Avicebron verborgen ist? Welchem Lande, welcher Zeit gehört er? Wenn er Arabisch geschrieben hat, wieso kommt es, daß die zahlreichen Werke des Averrhoös von ihm keine Spur geben? Ein glücklicher Fund, den ich vor mehreren Jahren in der kaiserlichen Bibliothek machte, während ich mich mit der Nedacrion eines Katalogs der hebräischen Manuscripte beschäftigte, hat mich in den Stand gesetzt, auf diese verschiedenen Fragen zu antworten, und erlaubt mir, etwas detailirt die Lehre des Avicebron bekannt zu machen. In einem hebräischen Manuscripte, welches verschiedene philosophische Abhandlungen enthält, fand ich einen Auszug des Schem-Tob ibn-Falaquera, eines jüdischen Philosophen des 13. Jahrhunderts, aus einer Abhandlung Namens Mekör’ liayyim (Quelle des Lebens)*^ und in welchem ich sogleich dieselben Doctrinen, die dem Avicebron zugeschrieben werden, erkannte. Das Original war arabisch geschrieben, und ich habe mich bald überzeugen können, daß Schem-Tob sich nicht begnügt hat, eine einfache Uebersicht zu machen, sondern daß er die Hauptpartien deö Originals wörtlich ins Hebräische übersetzt hat. In dem kurzen Vorworte, welches er an den Anfang stellte, versichert er, daß seine Auszüge die ganze Doctrin des Autors enthalten, und daß er nur davon Discusfionen ausgelassen habe, welche dem Gesammtinhalte der Doctrin nichts hinzufügen. Der Schreiber der Abhandlung ist Salomon ibn-Gebirol aus dem 1 l. Jahrhundert, sehr berühmt unter den Juden als religiöser Dichter und Philosoph, und ihn muß man unter dem verdorbenen Namen Avicebron wiedererkennen; denn die Documente, welche ich veröffentliche, lassen keinen Zweifel über die Identität der Abhandlung des Ibn-Gebirol und des berühmten Fons vitae. Diese Identität habe ich schon durch unwiderlegliche Gründe in einem Artikel, welchen ich in einem literarischen Journale Deutschlands drucken ließ, dargethan.**) Mein Artikel war hauptsächlich an Herrn Ritter gerichtet, welcher in seiner Geschichte der Philosophie den jüdischen Philosophen des Mittelalters keinen Platz angewiesen hatte, welcher aber, ohne es zu wissen, einen jüdischen Philosophen als den originellsten Denker der arabischen Epoche hingestetlt hatte. Ritter zögerte nicht, mit der Freimüthig- *) Hebräische Mscpt. der kaiserlichen Bibliothek, ancien fonds No. 239, Fol. 146 b. bis 159 b. **) Lireraturblatt des Orients 1846, No. 46. keit, welche man von einem so gewissenhaften Gelehrter* erwarten konnte, öffentlich zu bekennen, dass er in Irrthum über den Antheil, den die Juden an der philosophischen Bewegung des Mittelalters genommen hatten, gewesen sei. In den Göttingischen „gelehrten Anzeigen" sagt Ritter, indem er von meinem Artikel im „Orient", spricht: „In meiner Geschichte der Philosophie (T. VIII, p. 94. u. s. w.) habe ich, gemäß der alten Tradition Avicebron unter die arabischen Philosophen gestellt, und nach der Idee, die ich mir von seiner Doctrin gebildet, habe ich ihm seinen Platz zwischen Avenpace und Jbn- Tofail angewiesen, s Dies sind Jrrthümer, welche ich jetzt verbessern, aber nicht bereuen kann, denn, wie mir scheint, haben sie dem Herrn Munk die Gelegenheit gegeben, Nachsuchungen über diesen geheimnißvollen Avicebron anzustellen, und zu einer schönen Entdeckung zu gelangen, welche er in dem bezeichneten Artikel mittheilt. Es ist ihm nicht besser als dem Degerando gelungen, das Buch Fons vitae, welches dem Avicebron zugeschrieben wird, aufzufinden; aber er hat durch genügende Beweise festgestellt, daß unter dem Namen Avicebron ein Jude verborgen war, welcher Poet und Philosoph war, Salomon ben-Gebirol von Malaga, welcher in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts blühte.".... „Ich glaubte (sagt Ritter weiter unten), daß die Philosophie des Mittelalters den jüdischen Philosophen keinen fruchtbaren Einfluß verdanke; die Entdeckung des Herrn Munk hat mich von diesem Jrrthum geheilt." Diese Worte Ritters überheben mich der Verpflichtung, mich hier mit den Beweisen, durch welche ich die Identität Jbn-Gebirols und Avicebrons seststellen konnte, zu befassen; überdies ist es mir seitdem gelungen, in der kaiserlichen Bibliothek die lateinische Uebersetzung des Fons vitae wieder aufzustnden, welche Degerando dort Vergebens suchte, und diese Entdeckung hat vollkommen meine Conjecturen über das Buch Mekör’ hayyim, von dem ich die Auszüge des Ibn-Falaquera oben gegeben habe, bestätigt. Um das Verständniß dieser Auszüge zu erleichtern und um dem, was sie Aphoristisches haben, etwas hinzuzufügen, werde ich versuchen, hier eine kurze Analysis des ganzen Werkes nach dem lateinischen Manuscripte zu geben; aber ehe ich diese Analyse beginne, glaube ich einige Details über Ibn-Gebirol und seine Werke geben zu müssen. „Es fehlt uns im Allgemeinen an biographischen Details über die jüdischen Celebritäten des Mittelalters. In der muselmännischen wie in der christlichen Welt fanden die Juden, ausgeschloffen vom öffentlichen Leben, dem Hasse und der Verachtung durch die herrschende Religion geweiht, im nw der W len no foi sch ftc ni lei eii ne m de de de D ih st ni di w st a tt r n f< n o t t (