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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-05-25 · Heft 22 (25.5.1857) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 22 (25.5.1857)
Date
1857-05-25
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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297 flüssig geworden. Jetzo finde ich aber, daß dieselben nicht nur nicht überflüssig, sondern sogar zur Verlheidigung des Judenthums und der Juden Amerikas gegen Verleumdung, Beschimpfung und Verdrehungen unumgänglich nochwendig geworden. So Gott mir Leben und Gesundheit erhält, sollen meine Skizzen von kurz nach nvL an in kleinen Zwischenräumen in diesem Blatte veröffentlicht werden. Bis dahin sage ich dem Herausgeber und den Lesern desselben ein herzliches Lebewohl! Mayer. Nachbemerkung der Redaction. Wir haben unfern geehrten Correspondenten sich unbehindert aussprechen lassen. Aber, wie es einerseits uns leid thut, daß in den „Deutsch-Amerikanischen Skizzen" auch unser Correspondent sich verletzt fand, da wir in ihm stets einen höchst schätzbaren Charakter fanden; wenn andrerseits die Leiter des Instituts niemals die Verantwortlichkeit für den Detailinhalt der vom Institute edirten Schriften übernehmen können — das würde von ihnen selbst Einer für des Andern Werke nicht vermögen — so müssen wir doch offen bekennen, daß das, was uns aus Amerika bis jetzt zugekommen, ja was aus den Berichten unsres geschätzten Correspondenten selbst, und nicht minder aus dem vorliegenden, entgegentrat, im Allgemeinen den Eindruck von Zuständen macht, wie sie jene „D.-A. Skizzen" schildern!.. Wir glauben, daß man uns über Persönliches und Persönlichkeiten hinweg halt— wären wir es nicht, wir würden noch anders gegen gewisse Leute in Amerika zu verfahren genügende Veranlassung haben — aber wir können es nicht verhehlen, dieses Haschen rein aus persönlichem Ehrgeiz, dieses Sich-Geltendmachen kleiner Männer, dieser Wechsel religiöser Ansichten, wie es der Vortheil verlangt, dieses heuchlerische und sophistische Spiel in der Theologie, dieser Humbug, die da in Allem zu Tage liegen, und von den amerikanischen Juden selbst zugelassen wird, ist nur widerwärtig. Fürwahr! die Aufgabe des modernen Judenthums ist inmitten einer riesenhaften Strömung des Lebens groß und schwer — wenn Ihr, Träger des modernen Judenthums, insbesondere Ihr, die Ihr Euch zu Führern des Judenthums in Amerika ansgeworfen, wenn Ihr nichts als Kleinlichkeit zeiget und nach Kleinlichem strebet —^ so wird der Schwamm der Vergessenheit über Euch hinweggehen, ehe Ihr es glaubet! Die deutsch-amerikanische Judenheit hat sich bis jetzt gegen ihre Mutter, das deutsche Judenthum, nur undankbar erwiesen, sie hat dieses in keiner seiner Bestrebungen, in keinem seiner Institute unterstützt, sie war für dieses eine — Null. Gut, Ihr könntet eine Ziffer vor diese Null schreiben. Thut Ihr es nicht, nun, so wollet wenigstennicht wehr als eine Null gelten. Literarischer Wochenbericht. M61anges de Philosopilie juive et arabe par 8. Munk. Premier livraison. Paris 1857. Diese neue, ausgezeichnete Gabe unseres trefflichen Munk enthält den Abdruck der tPTi -npD D^üipb, die französische Übersetzung derselben, ein Capitel über das Leben unv die Schriften Jbn Gebirols und eine Analyse der „Quelle des Lebens". Bevor wir unsere Bemerkungen machen, geben wir aus der Abhandlung Munk's Einiges in getreuer Uebersetzung. Er beginnt: „Unter der kleinen Anzahl arabischer Philosophen, welche sich durch Neuheit und Unabhängigkeit ihrer Doctrinen auszeichnen, und welche eine große Berühmtheit bei den christlichen Theologen des 13. Jahrhunderts erlangten, bemerkt man in erster Linie denjenigen, welcher unter dem Namen Avicebron bekannt ist, und dessen Hauptwerk, betitelt Fons vitae, einen betrachtungswerthen Einfluß in den christlichen Schulen geübt zu haben scheint und die heterodoren Doctrinen wahrscheinlich veranlaßt hat, welche die Theologen für so gefährlich hielten, daß sie sich gegen dieselben mit allen Argumenten bewaffneten, welche die religiösen Dogmen und eine seine Dialektik liefern. Die häufigen Cirationen des Buches Fons vitae, welchen wir in den Werken Alberts des Großen und des heiligen Thomas d'Aquino begegnen, beweisen, wie sehr das Buch damals gelesen war, und welches Aufsehen die darin entwickelten Doctrinen machten. Ein orientalischer Gelehrter, welcher eben so bewandert in den Werken der Scholastiker als in der arabischen Literatur war, sagt sogar, daß man die Philosophie des 13. Jahrhunderts nicht kenne, wenn man nicht das Uber de causis und das Fons vitae analysirt hätte, und daß er sich wundere, daß keiner der Geschichtschreiber der Philosophie ins Detail dieser zwei Werke gegangen sei.*) Seitdem sind einige Historiographen der Philosophie, z. B. Degerando, Ritter und Haureau, etwas specieller in die Doctrine Avicebrons eingegangen, aber sie konnten nur einige Citate des heil. Thomas und Albert des Großen zusammenstellen, und nur der kurzen Auseinandersetzung des Letztem in seiner Abhandlung ve eausis et processu universitatis (1. I. tract. L cap. 5.) folgen, ohne irgend *) Jourdain, Recherches sur les traductions d’Ari* stote, Seite 197, Note (2. Ausgabe). 22

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