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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-05-25 · Heft 22 (25.5.1857) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 22 (25.5.1857)
Date
1857-05-25
Page
Seite 296 (sequence 8)
Language
German
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296 geborenen in enge Verbindung getreten, so ist es in vielen Fällen gar nicht mehr mit ihnen auszuhalten; dann verläugnen sie sehr oft selbst ihren Ursprung, und schämen sich alles deffen, was Deutsch heißt. Solche verächtliche Menschen nun nennt man, „um ganz zu bezeichnen", Deutsch-Amerikaner, und unter diese zählt der Vers, auch mich, wahrscheinlich weil ich durch meine Stellung und meine Heirath — sogar in eine ächte, alt-portugiesische Familie — mit Eingeborenen so enge verknüpft bin, daß ich im Jahre gar wenig Gelegenheit habe, mich in meiner Muttersprache zu unterhalten. Nun könnte ich dem Herrn Vers, sagen, daß meine Gemeinde keine solche ist, in der man deutsch-amerikanisch zu werden braucht, da sie, obgleich eine alt-portugiesische, in ihrer Reform so weit ging, daß sie, wie das von ihr als der durch Intelligenz, Bildung u. s. w. anerkanntermaßen ersten Gemeinde Amerikas zu erwarten ist, schon gar lange allen Nativisten- und portugiesischen Ahnenstolz abgelegt hat, und daß daher obiges Epithet auf mich nur auf die ungerechteste oder unwissendste Weise angewendet werden kann; ich Lin mit Dem, was meine Freunde hiesigen Landes von mir betreffs dieses Punktes denken, völlig zufrieden und beruhigt. Doch dem Herrn Vers, muß ich so viel eingestehen, daß ich seine „Bezeichnung" in so fern verdiene, als ich Alles, was acht deutsch, d. h. rein gemüthlich, ehrlich, wahr und offen ist, achte, liebe und unterstütze, und bei jeder Gelegenheit vertheidige; aber stockamerikanisch bin ich gegen Alle, die durch inneren oder äußeren Schmutz dem Namen „Deutsch" Schande bringen, und dieselben auch demgemäß behandle. Haben daher eigene Erfahrungen oder die Berichte Andrer ihn bewogen, mich deutschamerikanisch zu nennen, so hat er sich oder seinen Berichterstattern das schönste Armuthszeugniß ausgestellt.- Es scheint den Berf. gar sehr zu wurmen, daß ich in einem meiner Berichte an die Allg. Ztg. d. Jud. die lebenslängliche Anstellung der hierländischen jüdischen Geistlichen vertheivigte. Daß ich nicht mich selbst im Auge hatte, wirv er, sofern er alle meine Verhältnisse kennt, und nur etwas Wahrheitsgefühl noch besitzt, zugestehen. Er gehört wahrscheinlich zu Denen, die gar so gern ihre Rabbiner, Prediger, Dorbeter u. s. w. so abhängig als möglich zu sehen wünschen, um dieselben wie gemeine Diener in ihrer Gewalt zu haben, wie ein gewisser orthodorer Parnaß einer gewissen orthodoren Synagoge New-Uorks, der dem Rev. seiner Gemeinde Trauungen in den sogenannten drei Wochen vorzunehmen verbot, während er selbst sogar am 9. Ab sich das Essen an der tadle ll'dote eines christlichen Gasthofes in einem Badeorte recht wohl schmecken ließ! Und wie dieser, giebt es gar Manche unter uns, die, wie er, als arme Handwerksbursche ins Land kamen, und nun durch solch' heuchlerisches, tyrannisches Benehmen den bezahlten Beamten ihrer Gemeinde gegenüber, nachdem ihr Geld, und nur ihr Geld allein, das sie sich hier erworben, ihnen Macht und Ansehen verschafft, ihre niedere Abkunft, und noch niedrigere Natur zu vertuschen suchen! Und das Bestreben der Geistlichen, sich solchen Beamten gegenüber unabhängig zu machen, nennt unser Vers, „pfäffisches Herrschgelüste"!-Noch ein Beispiel sei erwähnt, um zu zeigen, mit welch' hämischem Vorurtheile, oder krasser Unkenntniß das Büchlein geschrieben. In dem Capitel über den „Geheimen Orden der B’nai B’rik“ schreibt der Vers, unter Anderem Folgendes (S. 96.): „Die mehr deutsche noch, wie jüdische Unart: sich der Heimath und der heimischen Sprache und Weise zu schämen, wird in mancher Lage von den Begründern auch schlau benutzt, um nur die englische Sprache bei den Versammlungen zu gestatten. Dadurch ist dem Neuangekommenen, der noch Klarheit des Blickes genug bat, um dieses Treiben zu durchschauen, die Rede benommen; und bis er der fremden Sprache kundig wird, ist ihm in der Dunstatmosphäre, oder durch andere Mittel, längst die Nebelkappe aufgesetzt." Hat der Vers., obgleich Mitglied des Ordens, wirklich so wenig Kenntniß desselben, oder hat er in der That aus die muthwitligste Art nur Unwahrheit reden wollen, daß er solches niederschreiben konnte, während selbst ein Kind einsehen muß, daß man englische Logen nur deswegen gründete, um auch unsere nur englisch redenden Glaubensgenossen in den Orden zu ziehen? Over hätte man den Orden rein deutsch, und dadurch unjuvisch machen sollen? Gehören dem Verfasser unsere englisch redenden Brüder nicht schon von Geburt zu deu B’nai Berik? Mit demselben Rechte könnte man auch diejenigen Herausgeber jüdischer Zeitschriften der „mehr deutschen noch wie jüvischen Unart" zeihen, die, obgleich Deutsche von Geburt, dennoch die hiesige Landessprache, d. h. die englische, in ihren Blättern adoptirten. Doch es ist Zeit, von diesem Buche Abschied zu nehmen, zumal da ich später noch öfters auf dasselbe zurückkommen werde. Wie mir der Herr Herausgeber dieser Zeitung bezeugen kann, faßte ich schon im letzten Herbste den Plan, „Amerikanisch-jüdische Skizzen" in der Allg. Ztg. d. Jud. zu veröffentlichen, unterließ es aber, weil mich die Ankündigung der Veröffentlichung dieses Buches durch das Institut zur Annahme verleitete, daß meine Skizzen über-

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