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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-05-25 · Heft 22 (25.5.1857) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 22 (25.5.1857)
Date
1857-05-25
Page
Seite 295 (sequence 7)
Language
German
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2S5 her zu kommen brauche, um, ohne zu arbeiten, die goldenen Dollars von der Straße auflesen zu können) finden sie sich getäuscht, so schimpfen sie, und, wenn sie, wie das häufig zu geschehen pflegt, zu träge sind, zu arbeiten, oder unfähig, sich in die hiesigen Verhältnisse einzuleben, gehen unter oder verloren, um — etwa in einem Zuchthause oder in sonstigen nicht viel besseren Anstalten getroffen zu werden. Andere, und dazu gehören die sogenannten Gelehrten oder Gelehrtseinwollenden, bilden sich ein, hier sei Alles wild und ungehobelt, und man warte auf sie, damit sie uns mit ihren hochgeschraubten, unpraktischen, weltverbessernden Ideen und Lehren eines Besseren belehren möchten. Sie kommen an und sind wirklich in ihrer Selbstüberschätzung unbescheiden genug, mit Allem, was sie sehen und hören, unzufrieden zu sein, an Allem etwas auszusetzen zu haben, Alles zu tadeln, und ihre herrlichen Lehren auf eine lärmende Meise zu predigen. Wenn sie nun finden, daß sie entweder ganz unbeachtet bleiben, oder im besten Falle bedauert werden, und nicht den moralischen Muth haben, sich in die hiesigen Verhältnisse zu fügen, so drehen sie „amerikamüde" diesem gesegneten Lande der Freiheit den Rücken, und wissen ihrem getäuschten Ehrgeize, ihrer Mißgunst, ihrer Eifersucht und ihrem Neide auf keine bessere Weise Luft zu machen, als auf Amerika zu schimpfen, um bei Denen, welche es nicht besser kennen, Vorurtheil gegen dasselbe hervorzurufen. Daß bei solchen Motiven und Gefühlen von wahrheitsgetreuen Darstellungen durchaus nicht die Rede sein kann, ist wohl ganz natürlich. Nun denn, das vorliegende Buch, das an der amerikanischen Judenheit auch keinen guten Flecken zu finden weiß, ist sicherlich die Frucht eines solch' getäuschten Geistes. Schon der Titel ist eine grobe Unwahrheit. Statt „Deutsch-Amerikanische" sollte es „Deutsch-New- Uorker" Skizzen heißen) denn der Inhalt des Buches zeigt, daß die Skizzen nicht über New-Vork hinausgehen. — Wie wenig aber der Verfasser die New-Uorker Zustände kennt, oder, wenn dies wirklich der Fall ist, wie sehr er die Wahrheit geflissentlich verdreht, geht aus folgender Stelle (Seite 73.) hervor: „Die Sabbathfeier wird bei den englischen und holländischen Juden — selbst bei denen, die in der Chatamstreet wohnen — streng beobachtet." Nun sind aber die Chatamstreet-Juden in ganz Amerika als Muster der Gemeinheit und Rohheit bekannt — (was braucht es mehr?!twj ö* ab) — und sind solch' strenge Sabbathfeierer, daß die täglichen Blätter New- Norks es jedes Jahr als eine Seltenheit verkünden, wenn die Läden derselben auf einmal geschlossen sind, nämlich — am Jom Kippur! Denn dieses ist — wörtlich! — der einzige Tag im ganzen Jahre, an dem es in Chatamstreet ruhig und stille ist! Dagegen habe ich es mit eigenen Augen gesehen, wie vor ungefähr 6 Jahren ein junger aufgeputzter Chatamstreet-Jude am heiligen Jom Kippur, um selbst an diesem heiligen Tage gemein-roh zu bleiben, einen Greis vor der Thüre ihrer eigenen Synagoge, dem damaligen Tempel gegenüber, auf offener Straße niederschlug und mit Füßen trat, ohne Zweifel, weil er ihn beim Mitzwothversteigern überboten hatte. Und das sind die Juden, welche der Verfasser als Muster hinstellt! Sollte der Verfasser, zumal da dies die einzige günstige Stelle in: ganzen Buche ist, allenfalls mit den Chatamstreet-Juden verwandt sein?-Wäre es auch nicht besser gewesen, die gemeine Verleumdung den Philadelphier Waschweibern zu überlassen, als sie, um Herrn Leeser zu verkleinern, uns (Seite 74.) aufzutischen? Solche Gemeinheiten gehören in kein gutes Buch, und können nur dem Verfasser schaden, und beweisen, wie trübe die Quellen sein müssen, woraus er geschöpft! Was jedoch das dem Herrn Leeser angedichtete Vergehen betrifft, so hat man es vor ungefähr sieben Jahren von Seiten der Stockportugiesm in seiner Gemeinde zum Vorwände genommen, um ihn aus seiner Stelle zu verdrängen, und er zog es vor, diese zu opfern, als durch Nachgeben den Verdacht zu bestätigen. Jndeß ist ihm vor einigen Tagen Gmugthuung geworden. Seine frühere (eine portugiesische) Gemeinde hat sich gespalten und seine Anhänger gründen eine zweite in Philadelphia zu dem einzigen Zwecke, ihn zu rehabilitiren.-In Verbindung mit Herrn Leeser gedenkt der Verfasser auch meiner, indem er mich einen „deutsch-amerikanisch-jüvischen Correspondenten der Allg. Zeit. d. Jud." nennt, es aber unterläßt, eine Erklärung zu geben von dieser „ungeschickten, langen Bezeichnung", die aber, „um ganz zu bezeichnen, nicht kürzer sein konnte". Ich will nun das Versäumte für den Vers, nachholen. Es giebt unter den deutschen Juden Amerikas (wie auch, obwohl seltener, unter den deutschen Christen) Männer, die, nachdem sie längere Zeit in hiesigem Lande gewesen und sich dessen Sprache und Sitten angeeignet, sich so sehr abmühen, ihr Deutschthum zu verbergen, daß sie sogar mit Landsleuten fich nur in englischer Sprache unterhalten. (Manchmal nur haben sie wirklich Recht. Denn während man ihnen, eben weil sie koreiZnerZ sind, ihr schlechtes Englisch nachsieht, würde ihr schlechtes Deutsch ihre selbst nur äußerliche Bildung Lügen strafen.) Sind nun solche Leute gar noch, sei es durch Heirath oder ihre öffentliche Stellung mit den Ein-

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