Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 22 (25.5.1857)
- Date
- 1857-05-25
- Page
- Seite 294 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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294 gelitten, in diesen Tagen der Freiheit den Staub des Mittelalters von sich schüttelt und überall ein festliches Ansehen annimmt, indem sie ihrem Cultus Chöre zugesellt, wie in der Zeit, da Israel unabhängig war; es ist in dieser Petieion gesagt, wie sehr die Israeliten hoffen, ein solches von dem Fürsten, dessen Toleranz bekannt ist, gebilligt zu seben. Der neue israelitische Tempel wird das sichtbare Zeichen der definitiv geheiligten Toleranz sein. Man wird mit Wahrheit sagen können, daß es ein moderner Tempel sei, weil er einen Glanz haben wird, der nur den Zeiten der Freiheit angehört. Aber es wird nicht die geringste Neuerung in dem religiösen Ritus eintreten, denn das ist eine Sache, welche zu entscheiden kein Individuum das Recht hat. I. L. Weinberg." Hierauf erfolgte ein Erlaß des Fürsten und des Cultusministeriums, in welchem der Gegenstand der Petition mit Ausdrücken freudiger Anerkennung bewilligt wurde. Indem wir dieses kräftige Streben unserer Glaubensgenossen in jenen Ländern mit Freuden anerkennen, werden wir nicht anstehen, den weiteren Verlauf zu berichten. Nord - Amerika. Charleston, S. C., im März 1857. (Schluß.) Von literarischen Neuigkeiten weiß ich wenig zu melden; Versprechungen wurden gemacht, aber noch nicht erfüllt. Schon vor einem Jahre versprach Dr. Wise den zweiten Theil seiner „Geschichte des israelitischen Volkes" in „wenigen, kurzen Monaten" erscheinen zu lassen; diese „wenigen, kurzen Monate" sind nun zu mehr als fünfzehn angeschwollen, ohne daß sie das Buch zu Tage förderten. — Dr. Lilienthal versprach gleichfalls vor mehr als einem Jahre, eine englische Uebersetzung von Hechts „Israels Geschichte" „im Laufe des nächsten Sommers" zu veröffentlichen; wir gehen nunmehr einem zweiten Sommer entgegen, und das Werk ist noch nicht erschienen. Wir besitzen leider noch nicht ein einziges gutes Schulbuch für jüdische Schulen in englischer Sprache! Aber auch dieses ist wahr: daß jüdisch-literarische Werke im hiesigen Lande wenig Unterstützung finden.-In Cincinnati ist man eben mit der Abfassung eines neuen Gebetbuches beschäftigt, gegen dessen Titel Minhag America wir eine kleine Einsprache zu machen haben; nicht einmal sämmtliche Gemeinden jener Stadt werden dasselbe einsühren, geschweige denn alle Juden Amerikas, in welchem Falle allein jener Titel gerechtfertigt wäre. — Wie mir Dr. Raphall vor einigen Wochen mündlich mittheilte, wird der 3. Band seiner „Post-Biblical History of the Jews“ nächsten Herbst erscheinen, nachdem derselbe, wie die beiden ersten, zuerst in einzelnen Abtheilungen in einem Philadelphier Wochenblatte veröffentlicht worden.-Jndeß haben wir drei neue Zeitschriften zu erwähnen. The Voice of Israel, von Rev. Bien, und Aclvocat 8abatt in St. Francisco wurde schon in der Allg. Zeit. d. Jud. besprochen; dieses Blatt vertritt die Reform. — In derselben Stadt gründete Dr. I. Eckmann ein Opp o sitionsbla tt, genannt: The Gleaner (Der Sammler, Ueber dieses Blatt spricht Einhorn sehr bezeichnend folgendermaßen: „Der uns vorliegenden ersten Nummer nach zu schließen, scheint der Herausgeber — damit sich die religiösen Richtungen Deutschlands bis auf die feinsten Schattirungen in der amerikanischen Journalistik abspiegeln — die religiöse Romantik vertreten zu wollen, die das talmudische Judenthum keineswegs als Lebensnorm betrachtet, aber in jeder nur möglichen Weise zu idealisiren liebt." — In New-Uork wird von drei Schulknaben (wörtlich!) The Messenger (Der Bote) herausgegeben; unter den Auspicien des Rev. Jsaacs stehend, bekennt es sich zur, und vertritt die Sache der schwärzesten Orthodorie. — Ein viertes Blatt soll, wie ich dieser Tage von New-Vork erfuhr, daselbst bald ans Tageslicht treten, unter dem bezeichnenden und hochtrabenden Namen: „The Cosmopolite“. Dem Namen nach zu schließen, wird dasselbe, obgleich mir drei wohlbekannte Juden als Redacteure genannt wurden, und es als ein religiöses Blatt in die Wett treten soll, keine Religion vertreten. — Auch Herr Leeser zeigt schon seit beinahe einem Jahre an, daß er außer dem Oceident noch ein wöchentliches Blatt herauszugeben gedenke. Sein Plan scheint keinen Anklang zu finden, da die bis jetzt bei ihm gemachten Anmeldungen ihn zur Ausführung desselben noch nicht berechtigt haben. — Da ich gerade am Punkte der Literatur bin, so muß ich eine kleine Kritik beifügen. Ich gehöre gewiß nicht zu Denjenigen, welche in Amerika ein Utopien erblicken; das beweisen alle meine früheren Berichte an die Allg. Zeit, d. Jud., und gewiß auch der gegenwärtige; aber so schwarz und traurig sieht es denn doch dahier nicht aus, als es der anonyme Verfasser des von dem „Institute zur Förderung der isr. Literatur" so eben herausgegebenen Büchleins: „Deutsch-Amerikanische Skizzen" die Leute glauben zu machen sucht. — Es giebt Leute, welche unter dem Eindrücke nach Amerika kommen, daß man nur hier-