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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-05-25 · Heft 22 (25.5.1857) · p. Seite 292

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 22 (25.5.1857)
Date
1857-05-25
Page
Seite 292 (sequence 4)
Language
German
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292 kommt darauf an, diesen unter der Souveränität des Sultans stehenden Ländern eine neue Verfassung zu geben, welche eben so dauerhaft nach innen, wie in der Stellung nach außen genügende Garantie für eine kräftige Entwickelung gäbe. Die Donaufürstenthümer haben für das europäische Gleichgewicht eine ganz besondere Bedeutung; es ist die Aufgabe der dahingesandten Commissäre der Großmächte, den Weg zu finden, welcher zur Sicherstellung dieser Staaten nach allen Seiten hin führen mag. Es ist nicht unsere Sache, die schwebende Frage zu ventiliren, ob Union oder nicht, ob fremde oder eingeborene Fürsten? In diesen beiden bis jetzt getrennten Staaten lebt eine ziemliche Anzahl unserer Glaubensgenossen, die, namentlch zu Jassy und Bukarest, bedeutende Gemeinden bilden. Diese standen bis jetzt in den verschiedensten Rechtsverhältnissen, da ein großer Theil als Schützlinge fremder Mächte unter der Obhut und Jurisdiction der fremden Consulen sich befanden, die Eingeborenen ziemlich rechtslos und zu Zeiten schweren Bedrückungen ausgesetzt waren. Die neuere Zeit fand auch unter den Juden der Donaufürstenthümer eine bedeutend vorgeschrittene Bildung, welche insonders durch begabte Ausländer, die das Geschick dahingesührt, genährt und bethätigt ward. Jetzt das eigenthümliche Schauspiel: mitten in dem Umbilvungsproceß der roumänischen Völker das Hervortreten der Juden, mit ihrer Forderung der Gleichberechtigung in der neuen Staatsverfassung eine Stelle zu finden; und zur Erlangung und Vertheidigung dieser Gleichberechtigung die Gründung eines eigenen Journals, das zugleich in roumänischer und französischer Sprache erscheint: ,»Israelitulq romanu“. Dasselbe erscheint in Bukarest, jede Woche eine Nummer. Die erste Nummer wurde am 3ten April ausgegeben. Man erkennt leicht, daß an der Spitze dieses Unternehmens eine Anzahl sehr befähigter Männer steht. Wir geben hier zunächst eine Uebersetzung des ersten Artikels, überschrieben: L’Israelile roumain. ,,Die Israeliten beteiligen sich jetzt sehr an Allem, was dieses Land angeht, das Schicksal der roumänischen Nation wird in der That großen Einfluß auf das unsere haben. Wir glauben daher, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein Journal, welches für die Israeliten bestimmt ist, einem wahren Bedürfnisse entspricht. Wir brauchen nicht in die Kämpfe der Parteiungen, welche ein Land, in dem wir Gastfreundschaft empfangen haben, theilen können, einzutreten, aber wir werden uns stets von Herzen an allen großen Interessen der Ration betheiligen. Damit die Israeliten sich täglich mehr der Sache des roumänischen Volkes anschließen, ist es gut, daß sie seine Vergangenheit kennen; wir werden ihnen die großen Thaten dieses Volkes berichten, und Alles, was es gelitten hat. ,,Die Roumänen, die uns lesen, werden, indem sie uns besser kennen lernen, mehr Sympathie für uns empfinden. Wir haben Alle noch Vorurtheile zu besiegen. Die Erzählung dessen, was in den civilisirten Ländern vorgeht, wird ohne Zweifel hie und da Eindruck machen, und wird die Annäherung der beiden Racen durch den Triumph des Geistes der Duldung unterstützen. ,,Wir wollen die Roumänen nicht von ihrer Nationalsrage, welche das Recht hat, sie ausschließlich zu beschäftigen, abziehen; aber es ist natürlich, daß wir uns selbst um unsere eigene Zukunft kümmern, und daß wir uns auf die Stunde vorbereiten, wo über unsere Rechte verhandelt werden wird. ,,Dieses zugleich französisch und roumänisch geschriebene Journal wird unsere Bedürfnisse den entferntesten unserer Glaubensgenossen bekannt machen und wird die europäischen Commissäre, welche laut dem Pariser Vertrag Herkommen, sich mit den Wünschen aller Classen der Gesellschaft zu beschäftigen und der Reorganisation der Moldau-Walachei vorzustehen, in unsere Ordnung einweihen. Die Geranten Aaron Ascher. I. L. Weinberg." Diesem mit feinem Tacte abgefaßten Vorwort folgt ein schwungreicheres und weitgreisendes vom Prof. Julius Varasch: Pourquoi l’Isradlite roumain est cree? Wir haben zu diesem, so wie andern folgenden Artikeln eine Bemerkung zu machen, die zu ihrem Verständnis und ihrer Beurtheilung beitragen wird. So vielfach auch die europäische Cultur in die Donaufürstenthümer eingedrungen, so haben Staat und Nation doch noch wesentlich den orientalischen Charakter. Dieser besteht insonders in der strengen Geschiedenheit der Racen, die daher auch ihre Sonderinteressen consequent aufrecht erhalten. Ist daher dort das schon ein neuer Begriff, daß der Staat die verschiedenen Nationen zu einer gleichberechtigenden Gemeinsamkeit vereinige, indem man in jenen Ländern noch immer herrschende und unterdrückte Race unterscheidet: so liegt der Gedanke, daß der moderne Staat gar keine Raceverschiedenheit anerkennt, sondern deren Aufgehen in den Staat gebieterisch verlangt, noch außerordentlich fern. Von diesem Standpunkte aus werden Aufsätze wie ,»palri0li8w6 israelite“ in No. 2. vom 12. April und viele andere Aeußerungen erklärlich und berechtigt.

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