Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1857)
- Date
- 1857-05-18
- Page
- Seite 285 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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285 decret von der hohem Instanz suspendirt worden, indem zwar einerseits das alte Privilegium respectirt werde, welches die Niederlassung von Juden in Saatz untersagt, aber eben so das Recht der Heimathsscheine zu achten sei, auf welche hin die Juden in Saatz wohnen. Krakau, 4. Mai. (Privatmitth.) Auch bei uns beginnt eS zu dämmern. Im Lager der hiesigen Deutschen wird allen Ernstes davon gesprochen, hier einen Tempel zu bauen und haben schon einige Koryphäen vorläufig freiwillige Beiträge gezeichnet. Es gereicht dieS denjenigen Herren, welche diesen Gedanken hervorriesen und zu dessen Ausführung die ersten Schritte gethan, gewiß zur großen Ehre. Mögen sie nur nicht ermüden. — ES ist wahrlich schon die höchste Zeit, daß die hiesigen Deutschen den häßlichen Vorwurf von religiösem JndifferentismuS, der auf ihnen lastet, von sich wälzen und der Welt zeigen, daß auch bei ihnen der Sinn für unsre ererbte göttliche Religion nicht gänzlich erloschen ist. Intelligenz und Geldmittel stehen ihnen zu Gebote, und — gesellt sich noch dazu guter Wille und eifriges Streben, so können sie ungemein Vieles zur Hebung und Veredlung der hiesigen Gemeinde, die sich leider nicht des besten Rufes erfreut, beitragen. — Von einem nicht indifferenten Deutschen. Aus Galizien, Anfangs Mai. (Privatmitth.) Folgender Bericht, den die ofstcielle „Lemberger Zeitung" mittheilt, dürfte in dieser Zeitung nicht an unrechtem Orte sein. „Seit einigen Tagen circulirt in Lemberg das Gerücht von einem Vergiftungsversuch an zwei jüdischen Kindern mit Zuckerwerk, und ein christliches Weib ward angehalten, welches jenes Zuckerwerk ausgetheilt hatte. Ein Zusammenlauf mehrerer Umstände mochte diesen Verdacht unter dem gemeinen Volke erregt haben. Denn wahr ist es, daß das Weib Zuckerwerk auSgetheilt habe, eben so wahr ist es auch, daß zwei Judenknaben zu eben dieser Zeit plötzlich krank geworden. Doch das wußten die Leute nicht, daß jenes Zuckerwerk das Weib von einem ihrer Bekannten zum Osterngeschenk erhalten, daß mehrere Personen davon gegessen und Niemand krank geworden — und auch das wußte man nicht, was aber erwiesen wurde, daß die zwei Jungen heimlich Branntwein getrunken und Tabak geraucht haben, und daß sie auS Furcht vor Strafe ihre plötzliche Ohnmacht dem Genüsse von Zuckerwerk zugeschrieben." — ,.ES ist dies im Verlauf der letzten acht Tage daS zweite unstatthafte Gerücht, welches unter dem gemeinen Volke viel böseS Blut verursacht hatte. Am Char« samstag nämlich verbreitete sich ein Gerücht, die Juden hätten zum Hohn und Spott der Christen ein Kreuz schänden wollen, und das öffentlich im VorhauS zur Eisenhandlung deS H. I., wo auch der Durchgang zu einer Schenke ist;, und wirklich stand im Vorhang ein ungefähr drei Centner schweres Kreuz an einer Leiter festgebunden. DieS fiel den Angetrunkenen, die auS der Schenke herauskamen, auf, und weil sie nicht wußten, daß es der Ladendiener auS Vorsicht um ihrer selbst willen gethan, nämlich damit das Kreuz von den Betrunkenen nicht umgestoßen werde und die Vorübergehenden nicht verletze, so verfielen sie auf den Gedanken, dies möchte zum Spott der eben gefeierten Kirchenandacht geschehen sein. Ein betrunkenes, altes Weib klagte nun öffentlich dessen die Juden an, was an diesem Tage bei dem gemeinen Volke leicht Eingang fand. Groß war das Aergerniß und eS dauerte mehrere Tage, bis nach den Feiertagen der mehr nüchterne Sinn deS Volkes die Wahrheit eingesehen. —" Rußland. Brody, 22. April. Von dem neuen, ächt liberalen Erlaß deS russischen Kaisers, welcher den Israeliten den Ankauf und Besitz von Gütern gestattet, haben bereits mehrere dortige Capitalisten Gebrauch gemacht, und sich zu Eignern von Liegenschaften gemacht, die in Folge der neuen Concurrenz einen steigenden Werth gewinnen dürften. (Oesterr. Ztg.) Großbritannieu. London, 7. Mai. Die Regierung wird dem neuen Parlamente eine Bill über die Emancipation der Juden vorlegen. Anzeigen. n ia 3 Restauration und Gastwirtschaft von 8. Hirschei, Dresden, Töpfergasse No. 13. 1. Etage, empfiehlt freundliche Wohnung und Nachtquartier. 21 **