Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1857)
- Date
- 1857-05-18
- Page
- Seite 282 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Institut beleuchtete und — todtschlug! Da jedoch sein Aufsatz in deutscher Spr-che geschrieben, daher den Nalives unzugänglich war, sv übersetzte ich denselben, ohne Dr. Einhorn vorher darüber zu Rathe zu ziehen, und veröffentlichte ihn in dieser Sprache im „Asmonean“, damit dessen Inhalt auch Denjenigen, für die er eigentlich bestimmt war, bekannt werden würde. Ich denke auch, dieser Humbug von sogenannten jüdischen Sonntagsschulen wird bald zu Grabe gehen.-Dem Verdienste seine Krone! Seitdem Dr. Einhorn unter uns weilt, ist ein ganz andrer Geist ins hiestge Judenthum eingedrungen. Wie sehr er von der Fortschrittspartei geachtet und geliebt wird, und welch' großen Einfluß er auf dieselbe ausübt, ist leicht aus dem Umstande zu entnehmen, daß einzig und allein auf seine Empfehlung hin Dr. Adler von derTempelgemeinde in New-Uorkeinstimmig gewählt wurde, — daß die neue Reformgemeinde in Philadelphia keinen Schritt thut, ohne ihn zu Rathe zu ziehen, trotz den verdeckten, anschwärzenden Warnungen von gewisser Seite her, — in einem Worte, daß er stillschweigend als der Führer der Fortschrittspartei in hiesigem Lande betrachtet wird. Selbst seine orthodoren Gegner zollen ihm den gebührenden Tribut ihrer Hochachtung für seine Gelehrsamkeit, Niedlichkeit und Consequenz. Und mit welch' würdevollem Tacte er seine Cincinnatier Gegner behandelt, geht daraus hervor, daß er alle ihre Angriffe und Schirnpfreden keiner Antwort würdigt, ja nicht einmal polemische gegen dieselben von Anderen geschriebene Artikel in den Sinai aufnimmt. — — (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Darmsiadt, 4. Mai. (Fr. P.-Z.) Zur Berichtigung des Correspondenzartikels von hier, 4. cl. 28. v. M., wird die Erklärung gegeben, daß der Rabbiner vr. Auerbach keineswegs wegen seiner orthodoren Richtung von Seilen der Gemeinde angeklagt oder gar durch allerhöchste Entschließung des Großherzogs seiner Stelle enthoben wurde, vielmehr bildete das Motiv der Beschwerde wie der Entsetzung eine Reihe verschiedener Vergehungen, wegen deren eine mehr als einjährige Untersuchung stattgefunden hatte. Preußen. Königsberg, 1. Mai. (Privatmitth.) Der Prozeß wegen des Attentats in Guttstadt ist nun beendigt. Die Thäter, drei an der Zahl, sind — mirabile dictu — zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Die Anklage wurde bei dem Kreisgericht in Heilsberg, zuletzt am 23. April o. verhandelt. Die Thäter läugneten die That von ihrer Seite hartnäckig ab, die citirten Zeugen wollten von dem Hergange Nichts wissen, die entschiedene Erklärung des vernommenen Arztes 0r. Moritz, der den Unglücklichen behandelt, daß die Verletzung eine schwere sei, wurde verworfen, das Gutachten des Heilsberger Kreisphysikus erklärte, daß die Verletzung eine leichte sei und dieses wurde, trotz des augenscheinlichen Gegentheils und der Opposition des behandelnden Arztes, angenommen. Dies ist das Thatsächliche des Prozesses. Es ist uns nicht gestattet, das Urtheil des Gerichtshofes zu kritisiren — wohl aber können wir es ebenfalls als Thatsache constatiren, daß Alles darüber indignirt ist!! Berlin, im Mai. (Privatmitth.) Als eines der freudigst zu begrüßenden Ergebnisse des regen und thätigen Geistes, welcher die Verwaltungsbehörden unserer Gemeinde beseelt, kann ich Ihnen mittheilen, daß der Bau eines neuen jüdischen Krankenhauses in nächster Aussicht steht. Ein zu diesem Zwecke trefflich geeignetes Grundstück ist bereits angekauft und zwar in der Auguststraße, und so gelegen, daß es mit dem für den Bau einer neuen Synagoge acquirirten Terrain grenzt. Die Kosten für die Erwerbung des Grundstücks und den nach allen Erfordernissen der wissenschaftlichen Krankenpflege auszuführenden Bau sind zum größten Theile auö früher angesammelten Fonds und dem Vermächtniß der sel. Frau Sarah Levy, so wie aus dem in Aussicht stehenden bedeutenden Erlös für die Gebäude des alten Krankenhauses gedeckt und der Rest von etwa 25,000 Thlrn. wirb, man darf dies mit voller Zuversicht behaupten, sich leicht durch freiwillige Beiträge aus der Gemeinde aufbringen lassen. Diese Hoffnung erscheint gewiß nicht sanguinisch, wenn man die Thatsache in Betracht zieht, daß bereits von vier Gemeindemitgliedern Beiträge zur Summe von 9000 Thlrn. (darunter ein Beitrag von 5000 Thlrn.) gezeichnet worden sind, es sich mithin nur noch um 10,000 Thlr. handelt. Derartige Thatsachen bezeichnen wohl am sprechendsten, daß der altjübische Geist des Gemeinsinns und der opferfreudigen Menschenliebe in Berlin noch mit derselben Le-