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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-05-18 · Heft 21 (18.5.1857) · p. Seite 281

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 21 (18.5.1857)
Date
1857-05-18
Page
Seite 281 (sequence 7)
Language
German
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281 namhaft zu machen: „Glaubt Dr. Lilienthal an das Kommen des Sohnes Davids, — an die Auferstehung des Leibes, — welche Vorbereitungen sind zur Aufnahme eines Nichtjuden in den Bund Israels nothwendig? und dergleichen mehr. Dr. Lilienthal erwiderte ihm, „er werde im Laufe seiner Sendschreiben über Reform alle diese Fragen beantworten und versichere ihn im Voraus, daß seine Erwiderung auf viele derselben weder seinem Geschmacke, noch seinen Principien Zusagen werden"; daß es lächerlich sei, die Frage der Reform um die Personen von Leeser und Lilienthal drehen zu machen, — dieselbe heiße: Reform oder Nicht-Reform; er (Dr. Lilienthal) sei für Reform, und habe so weit zwei Punkte festgcstellt: 1) daß unsere Gewohnheiten und Gebräuche verändert werden dürsten, und 2) daß unsere rabbinischen Codices einer durchgehenden Revision unterworfen werden muffen; er habe seine Gründe für diese zwei Punkte offen und unzweideutig dargelegt, und erwarte nun von seinem Gegner, die seinigen entweder für oder gegen zu hören. Hierzu gäbe er ihm Zeit bis nach nvO, da er sich darüber beklagte, daß ihm nur eine monatliche Zeitschrift (Oeeiäent) zu Gebote stünde, während er selbst (Dr. LiUenthal) jede Woche im Israelite sprechen könne. — So weit ist diese Kontroverse vorgerückt, und hat wenigstens so viel zu Tage gefördert, daß die Begründer der Konferenz zur Einsicht gelangt sind, wie der zu Cleveland zu Wege gebrachte Friedensschluß statt Friede, nur bittere Zwietracht hervorgerufen, und demnach sich die Prophezeiungen und Mahnungen der Gegner jenes Friedensschlusses als nur zu wahr bewiesen. -So leicht es sich nun auch so weit Herr Leeser in diesem Streite machte, so hätte er es sich sogar noch leichter macken können. Während nämlich Herr Dr. Lilienthal sich mit allen Waffen abmühte, das „Princip des Zeitgeistes" als die Basis der Reform zu beweisen und begründen suchte, veröffentlichte der Hauptredacteur des Israelite in denselben Nummern des Israelite Leitartikel über „die Principien der Reform", in denen er jene Lehre seines Kollegen geradezu bekämpfte, so daß mir damals ein gelehrter Freund (Laie) schrieb: „Wie schön hat W ise dem Dr. Lilienthal aus seine Sendschreiben, in denen er das Princip der Reform auf den „Spirit ok the age“ basirt, erwidert!" Wäre ich an Herrn Leesers Stelle gewesen, so hätte ich in Erwiderung auf die Sendschreiben meines Gegners den Leitartikel aus dem Israelite vom 9. Januar einfach abgedruckt, und etwa nur noch hinzugefügt: Die Klwclus, lue salta! Ein weit wichtiger, ja heiliger Streit, der in der Geschichte des amerikanischen Judenthums von unberechenbaren Folgen sein wird, ist in Baltimore ausgebrochen. Unter den hiesigen Juden, insbesondere den Eingeborenen, hat sich seit Jahren der den Christen nachgeahmte Gebrauch, oder besser Mißbrauch eingeschlichen, sogenannte Sonntags sch ulen herzurichten, in welchen Damen, die oft das Hebräische nicht einmal lesen, geschweige denn verstehen können — ich spreche aus eigener Anschauung — nach irgend einem Katechismus den mechanischsten Unterricht ertheilen. Daß dieser Unterricht, abgesehen davon, daß sämmtliche bis jetzt in englischer Sprache erschienene und in Diesen Schulen gebrauchte Katechismen der hyperorthoooren Richtung angehören und oft die unjüdischsten Lehren enthalten (der von Dr. Herrheimer ausgenommen, der aber auch kaum von unseren eingeborenen Brüdern gekannt ist, obgleich ihn der sel. Di*. Merzbacher in Verbindung mit dem gleichfalls Heimgegangenen Lehrer Barnarv, in englischer Sprache herausgegeben), geist- und herztöotenv sein muß, liegt am Tage; — und daß das Judenthum dadurch nur Schaden erleiden kann, zumal da gar Mancher und Manche Derer, welche wenigstens bis jetzt an der Spitze solcher jüdischen (?) Sonntagsschulen standen, „am Sonntage die Helligkeit des siebenten Tages predigen, und am Sabbath vorher ihren Gott um einige Silberlinge verkaufen, — die jetzt mit frommer Miene die Wichtigkeit der Speisegesetze einschärsen und dann zur Erholung von ihrem heiligen Eifer ein Stück Schinken in sich aufnehmen", — braucht auch nickt weiter bewiesen zu werden. Baltimore war bis jetzt von einem solchen Humbug verschont geblieben, bis sich vor Kurzem die eingeborenen Juden jener Stadt (darunter auch etliche von portugiesischem Geblüte), die sich bis dahin von allem Gemeindeleben fern gehalten, lohne Zweifel von Herrn Leeser dazu aufgestachelt, der sich auch in die inneru Angelegenheiten der jungen Tempelgemeinde in Philadelphia mischte, um den Feuerbrand der Zwietracht in dieselbe gleich bei ihrem Entstehen zu schleuderii), auf einmal gnädigst herabließen, und ihre German brelhren zur Gründung einer solchen Sonntagsschule einluden, und es auch wirklich dahin brachten, daß sich Einige ködern ließen, und mit ihnen das Werk stifteten. Das Ganze war darauf gerichtet, dem immer mehr steigenden Einflüsse des Dr. Einhorn und seiner deutschen Gemeinde die Spitze dadurch abzubrechen, daß man sich des Religionslebens der Baltimorer Juden zu bemächiigen und Dasselbe dann zu beherrschen trachtete. Diese Schule nun nannte Dr. Einhorn wahrheitsgemäß einen Humbug. Das rief einen Sturm hervor, worauf Letzterer im „Sinai" das ganze

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