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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-05-18 · Heft 21 (18.5.1857) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 21 (18.5.1857)
Date
1857-05-18
Page
Seite 280 (sequence 6)
Language
German
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280 ohne Nachfolgerin geblieben, habe ich, wenn ich mich recht entsinne, dem Herausgeber dieser Zeitung schon früher mitgethcilt. Dem seitdem von den Begründern der ersten gemachten öffentlichen Zugeständnisse zufolge, daß dieselbe ein Fehlgriff (failure) gewesen, ist auch eine zweite sobald nicht zu erwarten. Natürlich wird dieser Fehlgriff auf Andere geschoben. Nun ja, dieser Kniff ist nichts Neues) er ist so alt wie das Menschengeschlecht, datirt sogar aus dem Paradiese her. Dagegen hat sich der Sturm, den die erste Conferenz hervorgerufen, noch nicht gänzlich verzogen, obgleich, einem abziehenden Donnerwetter vergleichbar, nur mehr tioch fernes Knurren und Murren vernehmbar ist, hier und da variirt mit kurzem Wetterleuchten, als da sind: offene und verdeckte Angriffe auf die Gegner der Conferenz, u. dgl. m. Doch genug hiervon; laßt die Todten ruhen! Interessant, ja piquant und amüsant ist der Streit zwischen Herrn Dr. Lilienthal und Herrn Leeser, der durch das Mißverstänoniß des Letzteren zu einem persönlichen geworden, jedoch durch das feine und kluge Benehmen des Ersteren wieder ins rechte Geleise gebracht worden zu sein den Anschein hat. Doch ich muß den Lesern der Allg. Ztg. d. Juv. die Geschichte dieser kontroverse erzählen; sie gewährt einen weiteren Einblick in unsere religiösen Zustände. Wie sich meine Leser aus meinen früheren Berichten erinnern werden, wurden alle Angriffe, Anspielungen und Proteste, welche er gegen seine reformatorischen Mir-Conferenzler zu dem Zwecke schleuderte, sich von dem Verdachte zu reinigen, als habe er sein Princip (der Orthodorie) geopfert, und sie zu dem Geständniß zu zwingen, daß vielmehr sie ,feierlichen Widerruf ihrer Reformsünden" gethan und zur Schulckan-Aruch-Fahne zurückgekehrt, von Letzteren mit unerschütterlichem Gleichmuth ausgenommen, und mit Stillschweigen behandelt. Statt dessen suchte einmal Dr. Lilienthal, der Mitredacteur am Israelite ist, dadurch, daß er einen Satz aus einem Aufsätze des Herrn Leeser riß, zu beweisen, daß Letzterer Reformer geworden. Dagegen prvtestirte Herr Leeser. Worauf Herr Dr. Wise, Hauptrevacteur des Israelite, erklärte, daß e r sich nie des von Herrn Leeser bezeichneten Vergehens schuldig gemacht habe! (Wer Chr. Schmidts ..Erzählungen für kleine Kinder" gelesen, wird sich zweier Knaben mit der gestohlenen Gans erinnern!) Doch endlich brach die Geduld des Herrn Leeser. Er trat gegen Dr. Lilienthal direct auf, und fragte, nachdem er dessen Artikel als „geschrieben in einem verschiedenen Tone als der, womit der Hauptrevacteur seine Gegner zu behandeln gewohnt ist", nannte, — erklärte, „daß er sich freute zu bemerken, daß man zuletzt doch die Aussicht habe, religiösen Discussionen zu begegnen, ohne Gefahr zu laufen, von Strömen von Beschimpfungen und gemeinen Schmähungen überhäuft zu werden", und bewies, daß sein Auftreten immer ein conftquent-orthodores gewesen, wörtlich folgendermaßen: „Erinnert sich Dr. Lilienthal, daß, als er in Amerika ankam, der Herausgeber des Oceiclents ihm schrieb, daß der bedauernsnrerrhe Zustand der Religion es notwendig machte, die Zügel einzuziehen, statt schießen zu lassen? Erinnert er sich ferner, daß der Herausgeber (Herr Leeser) ihm damals sagte, Mißbräuche werden von selbst fallen, so daß Niemand in voller Kriegsrüstung gegen dieselben zum Kampfe zu ziehen brauche? Daß das Geschrei über Kleinigkeiten unser Volk zum Glauben irre leiten würde, unsere Religion wäre in Wahrheit eine mangelhafte und bedürfe der Abänderung? Sagte Dr. Lilienthal damals nicht, daß er kein Reformer wäre, sondern für die Wiederherstellung der Religion zu wirken wünsche?" Ausweichen war nunmehr unmöglich; der Angriff war zu direct. Und so begann denn Herr Dr. Lilienthal, „offene Sendschreiben über Reform an Herrn Leeser" im Israelite zu veröffentlichen, in denen er aus der Geschichte nachzuweisen sich bestrebte, daß die Nothwendigkeit und Berechtigung der Reform auf dem Principe des Zeitgeistes beruhe. Als er auf die Gegenwart zu sprechen kam, fragte er Herrn Leeser, ob er sich des Rasirmssers enthalte, — keinen -jod *p trinke, und den Frauen verböte, ihr eigenes Haar zu tragen, — all Dies sogar noch in unserem aufgeklärten Zeitalter? Und hier war es, wo Herr Leeser, unabsichtlich oder absichtlich — ich wäre beinahe geneigt, das Letztere anzunehmen — mißverstand. Statt diese Fragen, wie Ersterer ohne Zweifel beabsichtigte, als an die gesammte Orthovorie gerichtet zu betrachten, bezog er sie persönlich auf sich, und antwortete sehr kurz: daß er in früheren Artikeln Herrn Dr. Lilienthals Princip des Zeitgeistes schon widerlegt habe, — d. h. er verlangte von seinen Lesern nichts Geringeres, als die 14 Jahrgänge seines Oeeiclent. durchzugehen, und seine Gründe gegen Dr. Lilienthals Princip zusammenzulesen; — daß er die Fragen desselben dahin offen und ehrlich beantwortete, daß er kein Rastrmesser benutze, daß er keinen trinke, und es für jüdische Zucht und Sitte besser halte, daß Frauen falsches Haar tragen sollten! Da er nun Dr. Lilienthals Fragen so offen beantwortet, so müsse Letzterer auch ihm einige Fragen erlauben, und hoffe, eben so offene und gerade Antworten zu erhalten. Diese Fragen bestehen aus etwa einem Dutzend, worunter folgende

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