Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 20 (11.5.1857)
- Date
- 1857-05-11
- Page
- Seite 268 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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268 kritisches Auge auf die hiesige Gemeinde wenden sollte, vor Allem Gerechtigkeit lernte, ehe er vorgiebt, den Mantel der Liebe über („gehässige") Vorkommnisse in unserer Gemeinde werfen zu müssen. Das Vorsteher-Amt: A. I. Maier. Michael Neuburge. Ae<j. Dr. I. Röder. Eschwege, im April. (Nekrolog.) Kurhessen hat einen beklagenSwerthcn, nicht leicht zu ersetzenden Verlust erlitten. Am 3. April d. I. starb in Cassel nach zurückgelegtem 56. Lebensjahre Herr Obergerichtsanwalt Levi Heinemann Alsberg. Der Verblichene erwarb sich durch seine vielfachen Verdienste einen ehrenvollen Namen, wie er nur einer geringen Anzahl von Männern zu Theil wird. Als Gelehrter, als praktischer Advocat, als Menschenfreund, als Wohlthäter und liebevoller Helfer seiner schutzdedürftigen Mitmenschen hat er die gerechtesten Ansprüche auf ein unvertilgbareS Denkmal der allgemeinsten Liebe und Verehrung. Seine strenge Gerechtigkeit und Gewissenhaftigkeit, seine gediegenen Rechtskenntnisse haben ihm den Besitz des allgemeinsten bis zu seinem Ende ungeschmälert gebliebenen Zutrauens erworben. Wo daS allgemeine Wohl feine Dienste erforderte, da konnte man auf seinen thätigen und unermüdcten Beistand bauen, und wo irgend ein gemeinnütziges Werk inS Leben gerufen werden sollte, da galt der dahingeschiedene Freund als einer der eifrigsten Factoren. Unermüdet war sein Wirken für die Erlangung und Erhaltung der bürgerlichen und politischen Rechte seiner Glaubensgenossen; er war während eines Zeitraums von 20 Jahren Mitglied des israelitischen Provinzialvorsteheramts, er leistete thätige Hülfe bei Gründung des im Jahre 1848 ins Leben getretenen Gewerbvorschußvereins, dessen leitender Vorstand er bis vor einem Jahre gewesen war; er gehörte seit mehreren Jahren zu den Mitgliedern der städtischen Armenverwaltungs-Commisston und fungirte als Mitglied des Verwaltungsraths der Friedrich-Wilhelm- Nordbahn. Bei allen diesen mit Sorgen und Mühe verbundenen Geschäften bewies er dieselbe Uneigennützigkeit, welche man im schönsten Lichte bei der Entfaltung seiner eigentlichen Berussthätigkeit erblickte. ES konnte daher nicht fehlen, daß sein Ruf in die entferntesten Kreise sich verbreitete und daß er mit einer Masse von Geschäften überhäuft wurde, unter deren Druck sein Körper endlich erliegen mußte« Sein Tod fand die allgemeinste Theilnahme; mehr als 300 Personen aus allen Ständen und Confessionen folgten seiner Leiche; und am Grabe sprach unser verehrter Landrabbiner, Herr vr. Adler, erhebende Worte der Anerkennung für den Verstorbenen und deS Trostes für die Hinterbliebenen. Möge der allgütige Gott der in tiefe Trauer versenkten Familie des Verblichenen Trost und Segen senden. vr. Steinfeld. Eschwege, 22. April. (Privatmitth.) Vorgestern fand hier die Einweihung eines neuen jüdischen Todtenhofes, nahe bei hiesiger Stadt gelegen, statt. Ein derartiges Ereigniß kommt gewiß sehr selten vor, aber um so ergreifender ist ein solcher Act und um so tiefer ist der Eindruck aus das Gemüth, den eine solche religiöse Feier hinterläßt. In andachtsvollster Stimmung betrat zum ersten Male die hiesige zahlreiche Gemeinde den nun geheiligten Ort, der dermaleinst die letzte Ruhestätte für uns Alle werden soll und vorgestern durch die Bestattung der Leiche eines Kindes seiner Bestimmung geweiht wurde. Tief ergreifend wirkte sichtbar die wohlgelungene EinweihungSrede unsres Rabbinen G o l d m a n n auf das in großer Anzahl versammelt gewesene Publikum. Um so eindringlicher mußten die kräftigen Worte unsres Rabbinen wirken, als das herrlichste Frühlingswetter die feierliche Scene begünstigte und man von dem so schön auf einer kleinen Anhöhe belegenen Platze eine freundliche Aussicht auf unser gepriesenes Werrathal genießt, in dem die Bäume jetzt im Frühlingsschmucke stehen und die jungen Saaten im frischesten Grüne prangen. Der bisherige Todtenhof soll, wie alte Denkmäler ausweisen, wohl an 1500 Jahre als letzte Ruhestätte unsrer Vorfahren gedient haben. Wenn auch gewiß Rücksichten der Pietät für die fernere Beibehaltung jenes uralten BegräbnißplatzeS gestimmt haben möchten und gar Manchem der Gedanke schmerzlich sein mag, nun nicht in der Nähe der ihm vorangegangenen Angehörigen dermaleinst zu ruhen, so können wir trotzdem mit Befriedigung den Fortschritt begrüßen, den wir durch die Erwerbung dieses nahegelegenen Grundstückes zum Todtenhofe gemacht haben. Jener alte Todtenhof liegt, 14/r Stunde von hier entfernt,