Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 20 (11.5.1857)
- Date
- 1857-05-11
- Page
- Seite 267 (sequence 7)
- Language
- German
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267 Bibel drei Jahre nach ihrer Vollendung trotz einer großen Auflage und des hohen Preises einen neuen Abdruck erfordert, uns ein Zeugniß giebt, daß wir „das Wort deS Lebens" in nicht unwürdiger Schale dargeboten haben: so ermuthigt er uns auch, hiermit zu weiterer Verbreitung das Buch der Psalmen, wie eS dort gegeben ist, in einer besonder» Ausgabe zu veröffentlichen. Möge es daher auch dieser Gestalt, in welcher das Buch, das zum Gebetwort der ganzen Menschheit geworden, hier erscheint, gelingen, dem Herzen Vieler nahe zu treten und in den Kämpfen des LebenS Kraft und Trost zu gewähren. „Wir gestatten unS nur einige Worte noch über unsere Arbeit zu sagen. Ein sehr wohlwollender Beurtheiler in der nordamerikanischen Review fand eS nicht recht, daß unsere Uebertragung, die er in jeder anderen Beziehung deS Lobes würdig findet, nicht metrisch sei. Wir sind aber fortwährend der Anstcht, daß die metrische Form der Psalmdichtung etwas Fremdartiges, Einschnürendes geben und den vollen Sinn deS Originals oft beeinträchtigen würde. Unsere Uebertragung ist rhythmisch geordnet, indem fie zwar das genau bestimmte Maß (Metrum) vermeidet, fich aber in geregeltem Tonfall bewegt, wechselnd dem Inhalte des Verses und seiner Glieder sich anschmiegend. Nur in dieser Weise scheint uns dem Genius der hebräischen Poesie, dem Ausdruck deS Inhalts und dem Bedärfniß des WohlklangS zugleich genügt zu werden. „Unsere Erläuterung geht überall von dem Gesichtspunkte aus, daß, um zum richtigen Verständniß zu gelangen, die kritisch-linguistische Erforschung des Wortes zwar unentbehrlich ist, diese aber vorausgesetzt, die Erwägung deS Gedankens, die Ergründung der Idee, wie fie in der Gesammtheit jedes Psalms und in allen seinen einzelnen Theilen enthalten, die Hauptsache ist, und daß die ausschließliche Besprechung des Worts auf Kosten deS Inhalts nicht den Werth in Anspruch nehmen darf, den die Philologen ihr zumeist beilegen. „Man hat es getadelt, daß unsere Kritik über die Abfasser und Abfassungszeit der Psalmen nicht scharf und einschneidend genug sei. Wir müssen uns aber auch heute mit den Ergebnissen unserer parteilosen Untersuchung einverstanden erklären. Wir sind weit davon entfernt, der Ueberlieferung unbedingte Autorität einzuräumen; wir wissen, daß fie vieles Unhaltbar« aufgestellt. Aber wir halten fie wohl für berechtigt, von der Kritik zu fordern, daß sie ihre Gegenbeweise führe, nicht aber ihr die Beweisführung auferlege. Insbesondere ist eS uns durchaus unmöglich, Psalmen in die makkabäische Zeit zu verlegen. So viel auch hierüber geschrieben worden, scheinen uns die Beweise, da sie nur in Andeutungen bestehen, welche auö in späteren Schriften gezeichneten Situationen gezogen sind, höchst mangelhaft. Es fehlt jeder Grund zu der Annahme, daß der kriegerische Aufschwung der Makkabäer von einer schöpferischen Belebung des dichterischen Geistes begleitet gewesen; vielmehr spricht Alles, was wir, in hebräische Sprache gekleidet, auS der den Makkabäern kurz vorangegangenen und aus der ihnen folgenden Zeit (Sentenzen in der Mischna und Gebetformen) haben, dagegen zu streiten. Auch zeigt die Weltgeschichte, daß nur höchst selten mit einer kriegerischen Bewegung sich ein poetischer Aufschwung verband. „Da wir diese Bearbeitung der Psalmen mit der innigsten Hingebung und wahrhafter Erregtheit vollbrachten, so würde es uns sehr glücklich machen, wenn es ihr insbesondere gelänge, fich Zustimmung, und dadurch Wirksamkeit zu erwerben." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Ulm. (Eingesendet.) Mit Bedauern lesen wir den Bericht, der von einem württembergischen Correspondenten eingeschickt, in No. 15. d. Bl. abgedruckt ist. WaS er ausgesprochen hat, ist zum Theil völligunwahr, zum Theil eine Entstellung der Wahrheit. ES ist nicht wahr, daß der Vorstand, um wegen der Lehrerwahl, die nicht in seinem Sinne gewesen sei, sich zu rächen, in pleno aus dem jüdischen Leseverein geschieden sei. Zwei Mitglieder des Vorstands sind mit zwei weiteren Mitgliedern der Gemeinde aus dem jüdischen Leseverein allerdings ausgetreten, aber lange vorher zu einer Zeit schon, wo von der Wahl deS Vorsängers noch gar nicht die Rede war. DaS eine Mitglied deS Vorstandes befindet sich sogar bis auf diese Stunde noch in jenem Verein. Wer aber mit gerechtem Auge in die Verhältnisse der hiesigen Gemeinde schaut, der wird die Unbilligkeit auch deS weiteren Inhalts in jenem Correspondenzartikel leicht erkennen. Am eifrigen Bestreben, hier vorhandene Uebelstände zu überwinden, hat eS in unserer Gemeinde nie gefehlt. Daß eS unö gelingen werde, sie zu überwinden, deß haben wir nicht ungegründete Hoffnung. In jedem Fall wäre eö UNS wünschenSwerth, daß der Herr Berichterstatter, falls er wieder einmal sein