Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 19 (4.5.1857)
- Date
- 1857-05-04
- Page
- Seite 257 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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/ 257 die meisten Chancen, in Krotoschin gewählt zu werden.— Die Realschule zu Rawicz, ein Noch sehr junges Institut, hatte im vergangenen Schuljahre 34 jüdische' Zöglinge. Der Religionsunterricht wurde denselben durch den ersten Lehrer an der dortigen jüdischen Elementarschule, Rector M. Cohnertheilt. Letzterer ist auch Prediger, Vorbeter und Religionslehrer der jüdischen Cottigenden im Zuchthause daselbst^ — In ' den Gemeinden Wollstein, Pinne und Neustadt find, wie aÜjährlich, auch Heuer einige Tage vor Peßach die Ärmen und Dürftigen aus CorporatlönSmitteln mit baaren Geldgaben unterstützt worden, um sich dafür die nöthigen Bedürfnisse fürs Fest verschaffen zu können. In Wittkowo wurden dagegen Mazzoth in natüra, UNd zwar circa 2500 Stück, unter die Armen vertheilt. Der „Verein zur Bekleidung armer Schulkinder" in der Gemeinde Wittkowo hat am verflossenen Crew Pefach wiederum Itz arme (größtentheils verwaiste) Knaben mit vollständig neuen Anzügen ver-; sehen. — Herr Moritz Russak in Gnesen, ein Israelit,: ist ünkängst zum „Stadtältesten" ernannt worden. Magistrat, und Stadtverordnete waren übereingekommen,■ Herrn Russak mit Verleihung des erwähnten Titels zu ehren, um dadurch seinen vielfachen Verdiensten um die Stadt Gnesen eine gebührende Anerkennung werden zu lassen. In einem Berichte der P. Z. über diesen Gegenstand wird namentlich hervorgehoben, daß der prachtvolle jüdische Tempel in Gnesen, welcher der ganzen Stadt zur Zierde gereicht, sein Dasein größtentheils dem Herrn Russak verdankt, eben so, daß die Organisation der jetzt aus 5 Classen bestehenden jüdischen Schule sein Werk ist, in Anerkennung wessen er Seitens der Königl. Regierung zu Bromberg auch schon vor eini-. gen Jahren zum beständigen Mitglied des Schulvorstandes, ernannt worden. — Zum Schlüsse noch eine statistische Notiz. — Im Jahre 1816, kurz nachdem unsere Provinz wieder an Preußen gekommen war, lebten hier — nach der damals vorgenommenen allgemeinen Volkszählung, — nicht mehr als 50,300 Juden. Alsdann würde bei jeder Zäblung von Triennium zu Triennium eine Steigerung der Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung wahrgenommen, bis diese endlich nach Verlauf voll 30 Jahren, nämlich Ende 1846, Hon eine Höhe von 81,000 erreicht hatte. Von da ab jedoch trat das Gegentheil, nämlich die Verminderung, ein, so daß bei der letzten Volkszählung (Ende 1885) nicht mehr viel über 74000 Juden in der ganzen Provinz vorgefunden wutden. - Sie machen daher kaum noch den dritten Theil der gefammten preußischen Judenschaft aus, welche nach den neuesten statistischen Berichte» schöit über 234,000 Köpfe stark sein soll. Vor 10 Jahren hatte unsere Provinz noch zwei Fünftel aller Juden der Monarchie. Die Ursachen der Verminderung sind bekannt, die Auswanderung aus der Provinz nach Berlin, den übrigen preußischen Provinzen und Amerika ist enorm. — Australien. Das Jewish Chronicle hat Auszüge über ein sonderbares Document über Australien veröffentlicht : nämlich über die Berechnung der Einnahmen und Ausgaben der Synagoge von Melbourne vom Jahre 1855 bis 1856. Die Gesammteinnahme ist während dieses JahreS bis zu circa 12,000 Thaler gestiegen; die Ausgaben haben die Zahl von circa 15,000 Thlr. überschritten; daS Deficit von 3000 Thlrn. war durch frühere Ersparnisse gedeckt. Die bedeutendsten Ausgaben bestanden in der Besoldung der Beamten und in den Zinsen der Schulden. Matt bemerkt, daß die Gemeinde von Melbourne zu der Besoldung des Oberrabbiners vr. Adler in London 75 Thlr. beiträgt. Es wurden nicht mehr als 53 Thlr. für Beerdigung von Armen und 30 Thlr. für an Arme zu vertheilende Osterkuchen verwendet, was erweist, wie gering die Zahl der HülfSbedürftigen dort ist. Brasilien. Rio de Janeiro. Die Arch. isr. de Fr. haben ein Statut der in Rio de Janeiro constituirten jüdischen Gemeinde erhalten, welches in der Generalversammlung vom 5. Oktober 1856 beschlossen worden. Der Eintritt ist auf eine Abgabe von 10,000 Reis (26 Thlr.) und eine monatliche Abgabe von 2000 Reis (5'/» Thlr.) festgestellt. Die Gemeindeversammlung und Vorstandswahl ist jährlich auf den Tag vor dem VersöhnungStage festgestellt. Anzei gen. 11Ö3 Restauration und Gastwirtschaft von S. Hirschei, Dresden, Töpfergasse No. 13. 1. Etage, empfiehlt freundliche Wohnung und Nachtquartier. 19**