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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-05-04 · Heft 19 (4.5.1857) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 19 (4.5.1857)
Date
1857-05-04
Page
Seite 249 (sequence 3)
Language
German
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249 vom Judenthmn ein, so daß sich jeder Jude gleichsam erst Persönlich die Anerkennung erkaufen muß. Eben so hat man gegen die Deutschen das Vorurtheil, sie seien phantastisch, unpraktisch,, unentschlossen u. s. w., und jeder Deutsche muß sich die Anerkennung, daß er nicht phantastisch, nicht unpraktisch, nicht unentschlossen ist, erst mühsam erkämpfen. Es ist angenehm, wenn man wie die Edelleute, einen Empfehlungsbrief für die „gute Gesellschaft" bereits in seinem Namen mit sich trägt, und es ist unangenehm, wenn sich an die Abstammung im Gegentheil ein Vorurtheil anknüpft, aber das Eine wie das Andere reicht doch nur für die erste Bekanntschaft aus. Es haben sich in dem gegenwärtigen Jahrhundert so viele Juden in allen Zweigen der Kunst und der Literatur ausgezeichnet, daß in jedem bestimmten Fall jenes Vorurtheil sich auf einen einzigen zweifelhaften Blick beschränkt; nie wird die wirkliche Tüchtigkeit eines Juden ihr Ziel, die allgemeine Anerkennung verfehlen; aber es wäre für sie zweckmäßiger, wenn sie nicht in ängstlicher fieberhafter Unruhe, sondern in ausdauernder gelassener Thätigkeit diesem Ziele nachstreben." Wir haben diese mit einem sehr wohlfeilen guten Rathe abschließende Stelle nicht kürzen mögen, damit Jeder selbst nach Ausscheidung der völlig lächerlichen Angaben (z. V. nicht das Nechtsgefühl, sondern Börne und Heine, das Ziel die allgemeine Anerkennung— ohne Brot? —), die absichtsvolle Unordnung in dem fortwährenden Durcheinanderwerfen der Begriffe von Nationalität und Neligionsbekenntniß bemerken und würdigen könne. Es ist am Ende doch nur der alte Urtheilsspruch: der Jude muß die Scheiben bezahlen, weil er sich gebückt hat, als der Stein nach ihm sieg! Wenn Herr Schmidt einen Auerbach, der das tiefste deutsche Volksleben in sich auffaßt und es ungetrübt wiedergiebt, einen Rießer, den die deutsche Nationalversammlung, deren übergroße Deutschheit (man denke an Malmö) eben ihr Sargengel war, zu einem ihrer Präsidenten erwählte, ja einen Kalisch, der das Gesammtvolksleben der Hauptstadt Nordgermaniens spiegelt, zu Nichtdeutschen stempeln will, so mag das seine Manier sein, die deutsche.Nation zu ehren, um die ihn Engländer und Franzosen nicht beneiden werden, die vielmehr wohl Jeden, der den Theil ihres Volkes, der ihnen bisweilen ihre Lordmayors, ihre Generäle, ihre Heeresärzte, ihre Oberrichter, ihre Minister geliefert hat, für nicht zum Volke gehörig erklärte, nach Bedlam und Chaxenton schicken würden. Indessen, das ist Geschmackssache, Aber noch etwas mehr wie naiv ist die Gleichstellung der Rüge derjenigen liebenswürdigen Schwächen und Aeußerlichkeiten, die der Ausländer dem deutschen Christen sowohl als dem deutschen Juden vorwirft, mit den schändlichen und grausamen auf das Innerste unsres Seins zielenden Beleidigungen, denen wir Juden noch immer und fast ausschließlich von Deutschlands Schriftstellern, weniger vom Volke ausgesetzt sind, und die sich hier durch ins blutende, zuckende Fleisch eingeschnittene Kreuze, und dort durch boshafte Romanschilderungen, hier durch Versagung der verdienten Avancements, und dort durch schwarze Vallotagen hervor- Ihun. In dem „geschäftlichen Zweige der Literatur, der Journalistik (die andern Schriftsteller arbeiten wohl nur um Gotteswillen —) bilden die Juden jetzt die große Mehrzahl?" Das ist erstlich einmal nicht wahr; von den großen Zeitungen und Journalen Deutschlands wird, so viel bekannt, gegenwärtig kaum ein einziges von einem Juden, der irgend noch an sein ehemaliges Judeiithuin denkt, geleitet. Sonst aber sind alle diese jüdischen Literaten Versemacher, Pfennigzeilenschreiber, meist Leute, die mit ihren Talenten und Kenntnissen ihrer Religion wegen von jedem andern Brot ausgeschlossen, gern jeden Tag ein anderes Gewerbe betreiben möchten. Wir kennen das Privatleben des Herrn Professor Julian Schmidt nicht, wissen daher nicht, in wie nahe und häufige Berührung mit jüdischen Trödlern und Hausirern er zu kommen pflegt, auch nicht, wie er sich mit Trödlern und Hausirern christlicher Herkunft steht, das aber kann er, wenn er wollte, Leicht erfahren, daß in den kleinen Städten Norddeutschlands und in Städten wie Berlin, Breslau, Frankfurt, Hamburg, Wien, Braunschweig u. s. w. dieses Genus eine höchst unmerkliche Minderzahl der Judengemeinden bildet, daß sie aber.bei einer gewissen Classe durchgängig weit besser gelitten ist, als der Jude, der sich als anständiger und wohlhabender Mann präsentirr und eine anständige Behandlung verlangt. Was nun aber die übergroße Empfindlichkeit anbelangt, so ist das eine Angabe von ganz erstaunlicher Unrichtigkeit. Wer verfaßt denn die große Mehrzahl der Lustspiele unv Possen, in denen Juden lächerlich gemacht und verspottet werden? Welches Publikum füllt denn die Theater bei solchen Vorstellungen? Wer spielt die „Bankier- Müllers" am besten? Und von wem wird am meisten applaudirt? Wer' hat die „Zwickauer" und ähnliche Figuren erfunden? Wer schreibt die jüdischen Witze im Kladderadatsch? Sind es nicht meist Juden?. Und hat je ein Christ das Judenthum härter angegriffen, als es z. B. von Heinrich Heine geschehen ist? Giebt es in der Welt 19 *

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