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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-27 · Heft 18 (27.4.1857) · p. Seite 242

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 18 (27.4.1857)
Date
1857-04-27
Page
Seite 242 (sequence 10)
Language
German
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242 eine unverzeihliche Nachlässigkeit, die nicht stark genug gerügt werden kann. Minder bedeutend, aber nicht minder tadelnswerth ist ein Druckfehler, der sich in dem aus der Landau'schen Ofstcin, Prag 1834 hervorgegangenen Buche Cap. 8. V. 16. findet. Dort kommt am Schluffe deS Versts das Wort anstatt vor. — Großbritannien. Manchester, 5. April. (Privatmitth.) Nach dem Muster der Westend-Synagoge in London hat sich auch hier eine besondere Gemeinde gebildet, welche sich von der Autoriät des Dr. Adler losgesagt und den Ritus der Westend - Synagoge angenommen hat. Sie nennt sich „the Manchester congregation of British Jews“, und hat den Rabbiner Dr. Schiller-Szinessy an ihrer Spitze. Am 11. März legte sie den Grundstein zu ihrer Synagoge mit großer Feierlichkeit, welcher die ganze Gemeinde (auch 140 Schulkinder) und auch Professor Marks, der Prediger der Londoner Gemeinde, beiwohnte. Nach einem hebräischen Gebete deS Dr. Schiller - Szinessy hielt Professor Theodores eine Rede, worin er aussprach, daß dieses Gebäude von der negativen Seite ein Protest gegen die Anmaßung unduldsamer Macht sei, indem ein Hauptimpuls zur Bildung ihrer Gemeinde die Ausschließungserklärung gegen eine Anzahl ihrer Londoner Glaubensbrüder gewesen, von positiver Seite aber ein Denkmal ihrer Ueberzeugung, daß die Religion Israels die glaubenswürdigste Lehrerin der höchsten und reinsten Idee sei. In den Grundstein wurde eine Urkunde und ein Stück Gestein von dem Tempel zu Jerusalem gelegt. Dr. Schiller-Szinessy und Professor Marks hielten ebenfalls sehr gediegene Ansprachen und der Elftere schloß die Feierlichkeit mit einem Gebete in englischer Sprache. Rußland. Aus Galizien, Anfangs April. (Privatmitth.) Seit dem Regierungsantritte des gegenwärtigen Kaisers von Rußland sind unstreitig in vielen Branchen der innern Verwaltung dieses ungeheuer» Reiches bedeutende Veränderungen zu Gunsten des Fortschrittes vorgenommen worden, und lassen sich noch viele und (wichtige von der Zukunft erwarten. Mag auch Manches, was von und über derGrenze her den Weg in die mittel- und westeuropäischen Journale findet, übertrieben sein, Vieles ist jedenfalls wahr. Auch israelitische Kaufleute aus Russisch-Polen, denen man in Leipzig oder auf andern ausländischen Handelsplätzen begegnet, sprechen mit Begeisterung von den Resultaten der edlen und humanen, in den höchsten Regionen maßgebenden Principien, die sich bereits im Leben innerhalb der jüdischen Kreise manifestiren, und mit Zuversicht von der glücklichen Zukunft der bürgerlichen Stellung der Juden unter russischem Zepter. Mag auch hier Manches übertrieben werden und der Strahlenkranz der Milde, der die an Dunkelheit gewöhnten Augen unvorbereitet getroffen, momentan blendend eingewirkt und so bewirkt haben, daß den russisch-polnischen Juden ihre Zukunft so rosenroth erscheint, daß sie freudetrunken behaupten: in kurzer Zeit betreffs des Genusses bürgerlicher Rechte die österreichischen und preußischen zu überflügeln und Gegenstand ihres Neides zu werden; jedenfalls liegt auch dies nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit. Die Juden haben schon Vieles erlebt, und in Bezug auf sie scheint — wie es Napoleon einst von sich behauptet haben soll — das Wort „unmöglich" nicht vorhanden zu sein. Mit diesen einleitenden Worten empfehle ich Ihnen nachstehende zwei Berichte aus „Brody", wie sie die „Oesterreichische Zeitung", und einen aus „St. Petersburg", wie ihn der „Wanderer" mittheilt, die sich gegenseitig ergänzen. — „Brody, 14. März. Wie ich in meinem jüngsten Artikel darzuthun suchte, gehen die Bestrebungen der russischen Regierung dahin, durch gut dotirte, gut dirigirte und bevorrechtete Bildungs- und Lehranstalten eine fortschreitende Cultivirung der dortigen Israeliten zu erzielen und sie moralisch und geistig emporzuheben. Jüdische Aerzte und Apotheker, Lehrer und Rabbinatscandidaten erfreuen sich während ihrer Studienzeit jeder möglichen Facilität, und nach geschehener Absolvirung jeder möglichen Unterstützung Seitens ihrer Regierung; besonders sind es die Aerzte, denen in Rußland eine gute Carriöre offen steht, die Manche mit vielem Glück durcheilen. In neuester Zeit namentlich finden wir viele jüdische Aerzte, denen Kaiser Alerander die Staatsdienste geöffnet, in theils distinguirten Militärchargen, in Garnisonsspitälern oder auf sonst einem officiellen Posten; wir sehen sie in

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