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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-27 · Heft 18 (27.4.1857) · p. Seite 240

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 18 (27.4.1857)
Date
1857-04-27
Page
Seite 240 (sequence 8)
Language
German
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240 wir mit der freudigen Nachricht überrascht, daß das hohe k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht die Errichtung einer Musterhauptschule im Schoße der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, an welcher fünf Lehrstellen zu systemisiren sind und die schon mit dem Beginne deö nächsten Schuljahres ins Leben zu treten hat, genehmigt habe. Ich kann bei dieser Gelegenheit die Art und Weise, wie diese erfreuliche Mittheilung unserer Gemeinde wurde, nicht mit Stillschweigen übergehen. Es wird Ihnen dieses Factum den Geist der Humanität und der Toleranz bezeichnen, von welchem die hervorragenden Persönlichkeiten unseres großen Kaiserstaates beseelt sind. Noch an demselben Tage, als der in Rede stehende Erlaß herabgelangte, ließ Se. Ercellenz, unser hochverehrter Gouverneur, Graf Coronini — ein Name, den das Herz eines jeden Vaterlandssreundes freudig schlagen macht — dem Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Dr. Gotthilf, bedeuten, er möge sich mit einigen Gemeindegliedern zu ihm verfügen, indem er ihnen eine angenehme Mittheilung zu machen habe. Er empfing sie sehr huldvoll, machte ihnen die Mittheilung in Betreff der Schule, sprach von der Wichtigkeit der zu errichtenden Anstalt und legte ihnen ans Herz, auch ihren eingegangenen Verpflichtungen wegen der Herbeischaffung von entsprechenden Localen gewissenhaft nachzukommen. Er gab ihnen ferner die Versicherung, daß ihm daö Wohl dieser Cultusgemeinde und sämmtlicher israelitischen Gemeinden dieses Kronlandes stets am Herzen liege und daß er alles Mögliche thun wolle, ihr Gedeihen zu fördern. Solche Worte bedürfen wohl keines Commentarö. Was ein Coronini spricht, ist keine hohle, leere Phrase, das ist der Ausfluß eines edlen, liebevollen Herzens. Den energischen und menschenfreundlichen Bemühungen Sr. Hochwürden des Domherrn und k. k. Referenten für Cultus- und Schulwesen bei der hiesigen Statthalterei, Herrn A. Bonnaz, so wie Sr. Hochwürden des um das hierländige Schulwesen hochverdienten k. k. Schulraths, Herrn I. Kümmer, ist eö vorzüglich zu verdanken, daß die Genehmigung zur Begründung einer israelitischen Musterschule hier aus dem öffentlichen Fonde so schnell erfolgt ist. Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, wird der Errichtung der bestimmten Anzahl von Hauptschulen allsogleich die Begründung eines theologischen Lehrinstitutes folgen. Kohn. Aus Galizien, Mitte April. (Privatmitth.) ES wird gewiß jeder Leser dieses geschätzten Blattes, den die hierländischen Verhältnisse interessiren, mit Vergnügen vernehmen, daß, laut mehrfacher Nachrichten, die in Galizien circuliren, der Eindruck, den Dr. Schwabacher während der kurzen Zeit seines Fungirens als Prediger und Religionsweiser in Lemberg macht, ein höchst erfreulicher ist. Zwar ist dieses Factum noch zu neu, noch nicht reif genug, um vor das Forum der Oeffentlichkeit gezogen zu werden, wir glauben aber dennoch, es nicht stillschweigend übergehen zu dürfen, da diese Thatsache für die Zukunft der galizischen Judenschaft von unberechenbarer Tragweite zu werden verspricht. Das Vorurtheil, daß die Juden in Galizien im Allgemeinen gegen deutsche Rabbiner eingenommen sind, wird dadurch zu Schanden gemacht, und es werden gewiß die andern großen Gemeinden, denen es nicht an gutem Willen, wohl aber an Muth gebricht, bei der Wahl eines Rabbiners dem Beispiele Lembergs zu folgen, dadurch ermuthigt werden, ein Gleiches zu thun. Wir berühren daher für jetzt dieses Thema nur vorübergehend, es den literarischen Capacitäten der Metropole überlassend, Ausführliches darüber zu berichten. — Während aber am Horizonte der galizischen Judenhcit eine neue Sonne aufging, ist für Ungarn eine untergegangen, wnwn «ni wvwn mn. Ungarn verlor nämlich in der Person des allgemein geehrten und hochgeachteten Oberrabbiners, Dr. Löw Schwab, der am 3. d. in ein besseres Leben übergegangen, seine größte rabbinische Celebrität. An diesen Namen knüpft sich ein ganzes Stück Culturgeschichte der österreichischen Juden der neuern Zeit. Er war der erste Rabbiner in Mähren, der außer gediegener talmudischer Kenntniß auch gründliche wissenschaftliche Bildung besaß, und wäre es ihm unter der Herrschaft der Stabilität jener Zeit schwerlich gelungen, als solcher einen Rabbinatsstuhl zu erringen, hätte sich nicht der Charakter des damaligen Landesrabbiners, des seligen Markus Benedict, eben sowohl durch Klugheit, Milde und wahrhafte Biederkeit wie durch ächte Religiosität und Rigorismus ausgezeichnet. — Pesther Gem'eindevorstand setzte in einem lithographirten Circulare alle größern Gemeinden — auch die Galiziens — von diesem Trauerfalle in Kenntniß, zugleich um Abhaltung von Trauerreden bittend. Diese Kundgebung'

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